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Deutsches Forschungsschiff Polarstern hat verlassene russische Station vom Eis geborgen

20.08.2004


Das deutsche Forschungsschiff Polarstern entdeckte am frühen Morgen des 16. August 2004 bei 82 Grad Nord auf einer Eisscholle die Überreste der russischen Arktisstation Nordpol-32.



Der Forschungseisbrecher befindet sich derzeit auf seiner zwanzigsten Arktisexpedition. Seit dem 16. Juli führt ein internationales Team von Wissenschaftlern im Rahmen internationaler Forschungsprogramme an Bord Luftmessungen durch, erhebt Daten im Meer und vom Meereis und sammelt Gesteinsproben vom Meeresboden.



Die Reste der driftenden Eisstation bestanden aus drei mehr oder weniger intakte Baracken (eine mit Antenne), zwei beschädigten Baracken, einem Zelt , zwei Traktoren, drei größeren Treibstoffdepots mit 304 Fässern, Schlafsäcken, Netzen und anderem Material. In einer der Baracken wurde ein Kalender mit dem 6. März als letztem Eintragsdatum gefunden. Zwei Drittel der Fässer in den Depots waren leer. 90 Prozent der noch gefüllten Fässer enthielten Diesel, der Rest Rückstände von Benzin, Öl und Kerosin.

Fahrtleiter Prof. Dr. Peter Lemke und Kapitän Udo Domke hielten eine Bergung für möglich. Nach Berücksichtigung aller Umstände und angesichts drohender Umweltschädigungen entschied das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven das Forschungsprogramm zu unterbrechen und die Reste der Station zu bergen. Das russische Institut für Antarktis- und Arktisforschung (AARI) in St. Petersburg wurde umgehend informiert. Ebenso die zuständige grönländische Behörde, da sich die Station zurzeit in oder nahe grönländischem Gewässer befindet. Beide Einrichtungen stimmten der Bergung zu.

Die Bergung startete am 18. August um 6:12 Uhr Mittlere Greenwich Zeit (MGZ). Dichter Nebel behinderte die Navigation zur Eisscholle. Als sich der Nebel mittags lichtete, ging Polarstern längsseits und setzte Crewmitglieder auf der Eisscholle ab. Mithilfe eines Helikopters sammelten sie das Material ein und luden es mit Hilfe eines Helikopters an Bord. Vorrangig wurden die Treibstofffässer und der Abfall geborgen. Schließlich wurden die beiden Traktoren mit dem Kran an Bord gehoben.

Die Operation war am 19. August um 1:00 Uhr MGZ abgeschlossen. Alles umweltschädliche Material konnte entfernt werden. Lediglich Überreste der Baracken, die im Eis eingefroren waren, blieben auf der Scholle. Diese Aktion des Forschungsschiffs Polarstern war das letzte Kapitel in der Geschichte der treibenden Arktisstation Nordpol-32. Nach 24 Stunden nahmen die Wissenschaftler zwanzig Seemeilen westlich ihre Forschungsarbeiten wieder auf.

Nordpol-32

Nordpol-32 war in den letzten Jahren die einzige Arktisstation, die auf einer Eisscholle im arktischen Ozean driftete. Sie wurde Ende April 2003 vom Expedition Center for Arctic and Antarctica in Moskau aufgebaut. Das AARI in St. Petersburg zeichnete sich für das Forschungsprogramm verantwortlich. Am 4. März 2004 geriet die Station auf der Eisscholle in Seenot, gut 150 Kilometer vom Nordpol entfernt. Eis begann abzubrechen, Packeis schob sich über die Scholle und drückte sie unter Wasser. 16 Baracken und Container versanken in der See, während zwölf Männer und zwei Hunde auf Hilfe warteten. Gerettet wurden sie am 6. März 2004 von einem Mi-8 Helikopter, doch den größten Teil ihrer Ausrüstung mussten sie auf der Eisscholle zurücklassen. Zehn Monate lang war die Arbeit erfolgreich verlaufen. Zwei Monate vor dem geplanten Abbau der Arktisstation musste das Forschungsprogramm aufgegeben werden.

Logistik in Polarregionen

"Die Bergung der russischen Arktisstation zeigt deutlich, wie wichtig Forschungseisbrecher als logistische Ressourcen sind, insbesondere, wenn es um die schnelle Reaktion auf ungewöhnliche Ereignisse und Notfälle geht", sagte Dr. Hartwig Gernandt, der Leiter der Logistikabteilung des Alfred-Wegener-Instituts. "Die Polarstern ist ein leistungsfähiger Forschungs- und Versorgungseisbrecher. Ihr hoher technischer Standard und die Bereitstellung von Helikoptern an Bord haben sich nun erneut als äußerst wertvoll erwiesen."

Seit vielen Jahren kooperieren das AARI und das Alfred-Wegener-Institut erfolgreich auf dem Gebiet der Forschung und Logistik in der Arktis und Antarktis. Diese Zusammenarbeit beinhaltet auch die Organisation gemeinsamer Forschungsexpeditionen im arktischen Ozean, in der sibirischen Arktis und die Kooperation in dem internationalen Projekt "Dronning Maud Land Air Network" (DROMLAN) in der Antarktis. Die erfolgreiche Bergung der verlassenen Arktisstation Nordpol-32 ist ein weiterer Meilenstein in dieser Zusammenarbeit.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de

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