Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit drei Eisbrechern gen Nordpol - Spektakuläres Klimaforschungsprojekt vor dem Start

29.07.2004


Der schwedische Eisbrecher Vidar Viking wird mit einem 34 Meter hohen Derrick als Bohrschiff dienen. (c) B&N Nordsjöfrakt


Der schwedische Eisbrecher Oden dient als Schutzschild für die Vidar Viking vor dem Eis. (c) Swedish Polar Research Sekretariat


Demnächst wird ein neues Kapitel in der Geschichte der Arktisforschung aufgeschlagen. Am 7. August machen sich drei leistungsstarke Eisbrecher im Rahmen der Arctic Coring Expedition (ACEX = Arktische Bohrexpedition) auf den Weg Richtung Nordpol. Dort sollen durch technisch anspruchsvolle Bohrungen erstmals größere Mengen arktischer Tiefseeablagerungen zu Tage gefördert werden. Zu erwarten ist, dass die Sedimente spannende Details eines globalen Klimaumschwungs enthüllen: von der globalen Treibhauswelt vor 50 Millionen Jahren über das Auf und Ab der Eiszeiten hin zur Jetztzeit, die vom menschlich verursachten Treibhauseffekt geprägt ist.

... mehr zu:
»Arktis »Nordpol »Ozean

Versteinerte Überreste von Krokodilen in der kanadischen Arktis und andere geologische Indizien belegen, dass die Arktis vor 45 bis 55 Millionen Jahren relativ warm und eisfrei gewesen sein muss. Heute ist das Nordpolarmeer der einzige, ständig eisbedeckte Ozean. Auf einer gut sechswöchigen Expedition wollen die ACEX-Wissenschaftler ergründen, wie und warum sich dieser Wandel vom Treibhaus zum Kühlhaus vollzog. Geplant ist, 250 Kilometer vom Nordpol entfernt bis zu 500 Meter mächtige Ablagerungen auf dem Lomonossow-Rücken zu erbohren. Die Sedimentpakete haben sich im Lauf der letzten 50 Millionen Jahre abgelagert und enthalten wichtige Kapitel der arktischen Klima- und Umweltgeschichte.

Bislang ist die Arktis buchstäblich ein weißer Fleck im globalen Klimageschehen. Weil das Packeis den Zugang mit Schiffen erschwert, konnte das in den arktischen Meeresablagerungen archivierte Wechselspiel zwischen Ozean und Atmosphäre bislang nur ansatzweise erforscht werden. Fest steht indes, dass der hohe Norden eine wesentliche Rolle im globalen Klimasystem spielt. Meereis und grönländisches Inlandeis reflektieren einen Teil der Sonnenenergie ins All und beeinflussen so die globale Temperaturverteilung. Zudem ist der Arktische Ozean eine treibende Kraft im Zusammenspiel jener weltumspannenden Meeresströmungen, die große Wärmemengen zwischen Äquator und den Polen transportieren. Aktuelle Beobachtungen zeigen, dass sich die Arktis derzeit erwärmt. Seit 1970 schmolz das Meereis von durchschnittlich 3,1 auf 1,8 Meter Dicke ab, und die Packeisfläche schrumpfte um fünf Prozent; das entspricht der gemeinsamen Fläche von Frankreich und Deutschland.


Die sechswöchige Arctic Coring Expedition (ACEX = Arktische Bohr-Expedition) ist eines der ersten Projekte des am 1. Oktober 2003 gestarteten Integrierten Ozeanbohrprogramms (Integrated Ocean Drilling Program = IODP). 16 Länder finanzieren das ehrgeizige Projekt; die Mittel werden über die US-amerikanische Science Foundation, das japanische Wissenschaftsministerium sowie durch das Europäische Konsortium für Wissenschaftliche Ozeanbohrungen (European Consortium for Ocean Research Drilling = ECORD) bereitgestellt. Deutschland engagiert sich in den kommenden 12 Monaten mit rund drei Millionen Euro.

Von deutscher Seite sind zwei Einrichtungen beteiligt: Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover fungiert als deutsche IODP-Kontaktstelle. An der Universität Bremen wird das einzige Lager für Bohrkerne außerhalb der USA unterhalten. Gemeinsam mit Partnern in England und Schweden ist das DFG-Forschungszentrum Ozeanränder an der Bremer Universität an der Organisation der Expedition sowie an der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beteiligt. Unter www.iodp.de finden Sie alle wichtigen Daten und Fakten zu dem spannenden Projekt.

Für weitere Informationen ab Montag, 2. August 2004:

Albert Gerdes
Öffentlichkeitsarbeit
DFG-Forschungszentrum Ozeanränder
Tel. 0421 - 218-7761, mobil: 0172 - 43 77 986
mail: agerdes@rcom-bremen.de

Kirsten Achenbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.iodp.de

Weitere Berichte zu: Arktis Nordpol Ozean

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie