Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eis-Karten der Arktis und Antarktis

12.07.2004


Wichtig für die Schifffahrt: Die Bremer Eiskarte zeigt die Ausdehnung des Eises


Aus den Daten der Polargebiete erstellen Wissenschaftler der Uni Bremen mit einem eigens entwickelten Verfahren täglich aktualisierte Meereiskarten, die über die Ausdehnung des Meereises in Arktis und Antarktis Auskunft geben. Dies sind die detailliertesten Karten, die weltweit zur Verfügung stehen. Sie werden von der Schifffahrt und den Wetter- und Eisdiensten zahlreicher Länder genutzt. Für die erfolgreiche Mitarbeit in internationalen Science-Teams wurden Bremer Wissenschaftler vor kurzem ausgezeichnet.

... mehr zu:
»Antarktis »Arktis »Meereis »Schifffahrt

Wichtig für die Schifffahrt: Die Bremer Eiskarte zeigt die Ausdehnung des Eises
Das Meereis der Arktis schmilzt, es geht Jahr für Jahr zurück. Diese Informationen stammen von passiven Mikrowellensensoren, die auf Satelliten die Erde umkreisend seit mehr als drei Jahrzehnten die Pole beobachten. Ihr großer Vorteil: Sie messen unbeeinflusst von Lichtverhältnissen (Polarnacht) und Bewölkung. Aus den Daten beider Polargebiete erstellen Wissenschaftler vom Institut für Umweltphysik (IUP) der Universität Bremen mit einem eigens entwickelten Verfahren täglich aktualisierte Meereiskarten, die über die Ausdehnung des Meereises in Arktis und Antarktis Auskunft geben. Dies sind die detailliertesten Karten, die täglich global zur Verfügung stehen. Sie werden von der Schifffahrt und den Wetter- und Eisdiensten zahlreicher Länder genutzt. Für die Wissenschaft sind sie interessant, weil sie Hinweise auf die globale Klimaentwicklung geben.

Die Arbeiten der Bremer Umweltforscher um Professor Justus Notholt, Dr. Lars Kaleschke und Dr. Georg Heygster - die eng mit dem Alfred Wegener Institut in Bremerhaven kooperieren - finden in der ganzen Welt große Aufmerksamkeit. Georg Heygster beispielsweise ist im vergangenen Jahr von japanisch-amerikanischer Seite für seine erfolgreiche Mitarbeit zweimal mit einem "Group Achievement Award" ausgezeichnet worden: von der National Areonautics and Space Administration, besser bekannt unter NASA, und deren Forschungszentrum Goddard Space Flight Center. Er gehört nämlich - quasi als europäischer Exot - zu japanisch-amerikanischen Science-Teams, die seit 2002 die Erfahrungen mit der neuesten Generation von Mikrowellensensoren auf den Satelliten ADEOS II und Aqua auswerten. Mit der jetzt erreichten Auflösung von etwa fünf Kilometern der Bilder von den AMSR-Sensoren (Advanced Microwave Scanning Radiometer) kann man Untersuchungen in Angriff nehmen, die früher nicht möglich waren, etwa die genaue Überwachung von eisfreien Gebieten im sonst eisbedeckten Ozean. Für die Schifffahrt ermöglichen die Bilder Aussagen darüber, ob eine Passage in arktischen Gewässern noch eisfrei oder nicht mehr befahrbar ist. Zwar gibt es optische und Radar-Satellitenbilder, die höher aufgelöst sind. Diese stehen jedoch nicht täglich für die gesamte Erdoberfläche zur Verfügung.

Nicht nur die Bremer Eiskarten sind für die Schiffsnavigation äußerst wichtig. Verbesserungen für die Wettervorhersage bringt auch ein weiteres, in der Entwicklung befindliches Verfahren: Die mit AMSR gewonnenen Daten lassen auch Aussagen zur Bewölkung über dem Meereis zu, einschließlich deren Flüssigwassergehalt. Diese Information ist für die Wettervorhersage wichtig, weil sie mit dem Wolkenflüssigwasser über Meereis eine Komponente des globalen Klimasystems erfasst, die bisher nicht global zu messen war.

Das Verfahren wird darüber hinaus dazu dienen, mögliche Klimaänderungen frühzeitig und genau zu beschreiben. Die Folgen für den Klimakreislauf durch globale Erwärmung, Abschmelzen des Meereises und erhöhte Wasserdampfbildung durch die Sonneneinstrahlung sind nämlich noch nicht vorhersehbar. Mögliche Szenarien könnten sein: Durch erhöhte Wolkenbildung werden die Sonnenstrahlen verstärkt reflektiert und der globale Erwärmungseffekt gebremst. Oder: Das veränderte Meereis beeinflusst das globale Wettersystem, indem sich beispielsweise das Entstehen von Tiefdruckgebieten ändert. Fest steht für die Klimaforscher allerdings, dass sich Klimawandlungen zuerst und ausgesprochen deutlich in den polaren Breiten abzeichnen. Denn während Wasser Sonnenstrahlen absorbiert, reflektiert Eis diese.

Mit diesen Aktivitäten sind die Bremer Wissenschaftler gemeinsam mit den Kollegen vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung an europäischen Forschungsaktivitäten beteiligt. Im großen EU/ESA-Programm ICEMON (ICE-Monitoring) werden Arktis und Antarktis mit einer Vielzahl von Satellitensensoren überwacht, um Daten zur Sicherheit der Schifffahrt, aber auch über Klima und Umwelt sowie zum Ressourcen-Management zu erhalten - mit Hilfe des Know-hows der Umweltphysiker von der Universität Bremen.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Institut für Umweltphysik
Prof. Dr. Justus Notholt
Dr. Georg Heygster
Tel. 0421 218 3910
Email: heygster@uni-bremen.de

Angelika Rockel | idw
Weitere Informationen:
http://www.seaice.de
http://www.uni-bremen.de

Weitere Berichte zu: Antarktis Arktis Meereis Schifffahrt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie viel Biomasse wächst in der Savanne?
16.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie