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Die satellitengestützte Erdbeobachtung wird serienreif

07.06.2004


Mit Hilfe der sogenannten SAR-Technik läßt sich die Erdoberfläche heute in einer bisher unerreichten Präzision vermessen. Aktuelle Möglichkeiten, Trends und Perspektiven dieser Technik im militärischen und zivilen Bereich wurden jetzt auf der Tagung “EUSAR 2004” vorgestellt. Veranstaltet wurde die Tagung gemeinsam von der Informationstechnischen Gesellschaft im VDE (ITG), der Forschungsgesellschaft für Angewandte Naturwissenschaft (FGAN), vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der EADS “European Aeronautic Defence and Space Company” sowie von der Astrium GmbH.



Über 300 Redner aus 30 Ländern waren der Einladung der ITG nach Neu-Ulm gefolgt.

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Im Fokus der Tagung stehen aktuelle Anwendungen der Radartechnik mit synthetischer Apertur (Synthetic Apertur Radar) – kurz SAR genannt. Mit Hilfe dieser Technologie lassen sich hochauflösende Bilder in fotografischer Qualität von Flugzeugen oder Satelliten aus aufnehmen. Kern der Technik ist die Transformation zeitlich nacheinander folgender Radarpulse in ein räumliches Nebeneinander durch eine entsprechende Bewegung der Antennenplattform. Durch diesen Kunstgriff ist es möglich, eine sehr lange virtuelle Antenne aufzuspannen.

Aus dem Bereich ziviler Anwendungen berichtete Rolf Werninghaus vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unter anderem über den im Bau befindlichen Radarsatelliten TerraSAR-X berichtet. Wie der Name bereits andeutet wird der Satellit das so genannte X-Band nutzen und die Erdoberfläche mit unterschiedlichen Betriebsmoden vermessen: Im "Spotlight"-Modus wird ein 10 mal 10 km großes Gebiet mit einer Auflösung von 1 bis 2 Metern aufgenommen, im "Stripmap"-Modus ein 30 km breiter Streifen mit einer Auflösung zwischen 3 und 6 Metern, im "ScanSAR"-Modus sogar ein 100 km breiter Streifen, allerdings mit geringerer Auflösung von 16 Metern. “Das breite Spektrum wissenschaftlicher Einsatzmöglichkeiten erstreckt sich von geologischen Untersuchungen über klimatologische und ozeanographische Messungen bis hin zum Katastrophen-Monotoring”, verdeutlicht Werninghaus.


Der Satellit soll 2006 gestartet werden und wird von der EADS Astrium GmbH gebaut, die auch für den Start des Satelliten mit einer ukrainisch/russischen Trägerrakete verantwortlich ist. Das DLR übernimmt den Satellitenbetrieb sowie Datenempfang. Die hochaufgelösten Daten des TerraSAR-X sollen durch den Geoinformationsanbieter Infoterra GmbH, einer Tochter der EADS Astrium GmbH, kommerziell verwertet werden. Dahinter steckt das Ziel, ein sich selbst tragendes Erdbeobachtungsgeschäft in Europa zu etablieren. Das DLR ist zuständig für die wissenschaftliche Verwertung der Daten, während die EADS Astrium GmbH die exklusiven kommerziellen Nutzungsrechte an den Daten besitzt.

Im Jahre 2008 will die europäische Raumfahrtagentur ESA das Schwestermodell TerraSAR-L starten. Dieses arbeitet im so genannten L-Band, was zum Beispiel die Beobachtung von Veränderungen der Vegetation erlaubt. Wie Ramón Torres von der ESA-ESTEC betont, sind auch Untersuchungen von vulkanisch aktiven Zonen beabsichtigt. Weitere geplante Messungen der Bewegung und Ausdehnung von Gletschern sollen wiederum der Klimaforschung neue Impulse verleihen.

Zunächst rein militärischer Natur ist das für 2006 geplante Projekt SOSTAR-X. In einem multinationalen Programm wird SOSTAR-X (Stand Off Surveillance and Target Acquisition Radar) derzeit unabhängig von einem Träger im europäischen Rahmen ein Demonstrator für ein Multifunktionsradar entwickelt. Mit diesem sollen die Fähigkeiten eines allwetterfähigen Sensors für die abbildende Aufklärung demonstriert werden. Das Konzept erlaubt eine skalierbare Größe und Leistungsfähigkeit des Sensors und ist damit sowohl für unbemanntes wie bemanntes Fluggerät geeignet. Zur Durchführung des Vorhabens auf Industrieseite wurde von den fünf beteiligten Firmen (EADS-Dornier, Thales, FIAR, Indra und Dutch Space) die SOSTAR GmbH gegründet. Das Vorhaben SOSTAR- X soll im Juni 2006 mit der Durchführung von Demonstratorflügen in Istres (Frankreich) abgeschlossen werden.

Auch aktuelle Trends hinsichtlich der Fertigung von Radarkomponenten wurden im Rahmen der Tagung vorgestellt. So hat die SAR-Technologie inzwischen die Hürde der Serienfertigung erreicht, was für einen breit angelegten Einsatz dieser zukunftsträchtigen Technologie unabdingbar ist. Zur Zeit errichtet das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB-System AG zur Serienfertigung der SAR-Satelliten eine eigene Fertigungshalle im Bremer Technologiepark.

Rolf Froböse | ITG

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