Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weg mit dem Sand

15.02.2001


Prof. Peter Moser koordiniert von der

österreichischen Montanuni Leoben aus das größte Forschungsprojekt

der EU im Rohstoffbereich


Das größte Forschungsprojekt der EU im Rohstoffbereich wird von der österreichischen Montanuniversität Leoben aus koordiniert. Über 4,1 Millionen Euro (ca. 56 Millionen Schilling) werden in die Verringerung des
Feinmaterials bei der Rohstoffgewinnung investiert.

Rund 2,7 Milliarden Tonnen Rohstoffe werden jährlich in Europa abgebaut, die Hälfte davon mittels Bohrungen und Sprengungen. Zwischen 10 und 15 % dieses Materials sind aber nicht verwendbar, da es für die Weiterverarbeitung zu fein ist. Damit fallen in etwa 270 Millionen Tonnen Feinmaterial pro Jahr an: Abfall, der deponiert werden muss. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl Europas bedeutet das, dass auf jeden Europäer jährlich eine Tonne feiner Rohstoff kommt, der zwar abgebaut, für die Produktionsindustrie aber wertlos ist.

Bei diesem Problem setzt das Forschungsprojekt "LESS FINES" (less fines production in aggregate and industrial minerals industry) an. Ziel ist es, das nicht weiter verwertbare Feinmaterial schon bei der Gewinnung um 50 % zu verringern. Die federführende Koordination liegt in den Händen des Leobener Wissenschaftlers Univ.-Prof. Dr. Peter Moser vom Institut für Bergbaukunde, Bergtechnik und Bergwirtschaft an der Montanuniversität Leoben. Den Lösungsansatz sieht Moser in der "Weiterentwicklung der Sprengtechnik, um eine entsprechende Körnung des Ausgangsmaterials für die Verarbeitung zu erhalten". Wenn das gelänge, führte das nicht nur zu einer vielfach besseren Ausnutzung der Rohstoffe, sondern in weiterer Folge auch zur Ressourcenschonung bei der Weiterverarbeitung, da dafür weniger Energie aufgewendet werden muss.

Europaweites Netzwerk

Mit diesem Ansatz liegt dieses Großvorhaben ganz im Sinne des fünften Forschungsrahmenprogrammes der EU, das unter dem Motto "Competitive and Sustainable Growth" steht. Der Leobener Wisenschaftler ist überrascht, wie "relativ einfach" die EU-Finanzierung für dieses Großvorhaben möglich war. Der problem-orientierte Zugang zum Ziel habe wahrscheinlich viel dazu beigetragen. Damit das Forschungsprojekt "LESS FINES" in drei Jahren erfolgreich abgeschlossen werden kann, hat Prof. Moser ein Netzwerk mit drei wissenschaftlichen und fünf wirtschaftlichen Partnern geknüpft, in dessen Zentrum das Leobener Institut für Bergbaukunde steht. Die renommierte französische Universität Ecole de Mines de Paris wird den Bereich der numerischen Simulation abdecken, die Stockholmer außeruniversitäre Forschungsgesellschaft SVEBEFO wird sich der Sprengstoffe annehmen und das Leobener Bergbau-Institut wird die Forschung in der Sprengtechnik forcieren. Zusätzliche Unterstützung kommt vom Institut für Aufbereitung und Veredlung an der Montanuni. Die Partner aus der Wirtschaft sind in der Sprengstoff-, Zement-, Kalk- und Straßenbaustoffe-Industrie tätig.

Dieses Großprojekt hat sich aus drei Forschungsvorhaben, die in Zusammenarbeit des Leobener Bergbau-Institutes mit der Pariser "Ecole de Mines" durchgeführt wurden, entwickelt. Das Leobener Institut kooperiert sehr eng mit dem "Centre de geotechnique et d’ exploitation du sous-sol" (CGES) der prestigeträchtigen französischen Uni. Vor 10 Jahren starteten Leobener und Pariser Wissenschaftler die Zusammenarbeit. Schwerpunkte sind Forschungen im Bereich der Sprengtechnik und der mechanischen Gewinnung sowie Ausbildungsprogramm für Osteuropa. Mit weiteren Partnern wurden bisher gemeinsame EU-Projekte in der Höhe von rund 100 Millionen Schilling abgewickelt.

Bergbau-Experte Moser knüpft besonders enge Fäden nach Paris. Im Jahr 1998 absolvierte Moser ein Sabbatical an der französischen Uni. Damals stellte er sich mit Kollegen die Frage: "Was wollen wir in 10 Jahren wissen?" Die Überlegungen führten zu einem gemeinsamen, auf 10 Jahre anberaumten Forschungsprogramm der beiden Institute im Bereich der Sprengtechnik. Das Projekt "Less Fines" hat sich als ein strategisches Projekt dieses Programmes herauskristallisiert.

Seitens der EU wird besonders darauf gedrängt, dass - so Moser - "die Ergebnisse umgesetzt werden". Daher ist ab Projektmitte ein "Technological Implementation Plan" vorgesehen. Im März wird das Großprojekt gestartet. Im Februar 2004 soll das Vorhaben abgeschlossen sein und neue realisierbare Technologien bei der Verringerung des Feinmaterials aufzeigen. Peter Moser betreut mit diesem Projekt das größte Forschungsvorhaben, das am Institut für Bergbaukunde durchgeführt wurde. Für den Wissenschaftler ist dieses Projekt ein weiterer Beweis für "die Forschungs-Power, die es in Leoben gibt".

Ansprechpartner des Forschungsprojektes:
Prof. Dipl.-Ing. Dr. Peter Moser, Institut für Bergbaukunde, Bergtechnik und Bergwirtschaft an der Montanuniversität Leoben, Franz-Josef-Straße 18, 8700 Leoben, Tel. 03842 402-239, Fax 402-530.

Magister Thomas Winkler | idw

Weitere Berichte zu: Bergbaukunde Bergtechnik Rohstoffe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften