Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kölner Experiment mit Raumsonde Rosetta auf dem Weg zum Kometen

03.03.2004


Der gestrige 2. März bedeutete für die europäische Raumsonde Rosetta den Beginn einer langen Reise durch die Weiten des Weltraums. Diese Reise begann mit dem erfolgreichen Start einer Ariane-5 um 8:17 MESZ vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana, Südamerika. Ziel des Unternehmens ist es, im August 2014 den Kometen Churyumov-Gerasimenko einzuholen, ihn für zwei Jahre zu umkreisen und sogar eine Landeeinheit darauf abzusetzen. Besonders erfreulich für die Wissenschaftler des Instituts für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln war es dabei, dass auch erste Signale vom Radiowellenexperiment RSI an Bord der Raumsonde empfangen werden konnten. Denn RSI wird unter der Leitung des Hauptexperimentators Dr. Martin Pätzold vom Institut für Geophysik und Meteorologie einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen dieser einmaligen Mission leisten.


Mit Hilfe der Radiowellen, die RSI aussendet, werden während des Anflugs und der Umkreisung des Kometenkerns ständig die Position und die Geschwindigkeit der Raumsonde gemessen und daraus das bisher unbekannte Schwerefeld des Kometenkerns, seine Masse und Dichte bestimmt. Diese Ergebnisse sind nicht nur vom wissenschaftlichen Interesse - sagen sie doch etwas über die innere Struktur des Körpers aus - sie sind für eine unfallfreie Navigation des Raumfahrzeugs in unmittelbarer Nähe des Kometen und erst recht für das geplante Aufsetzen des Rosetta-Landers Philae auf dem Kometen absolut notwendig. Zudem misst RSI den Masseausfluss und damit die Produktionsraten von Gas und Staub in Abhängigkeit von der Entfernung zur Sonne.

Aber auch in den zehn Jahren vor der geplanten Ankunft werden Rosetta und das Radiowellenexperiment nicht untätig bleiben. So wird RSI einige Male, wenn sich Rosetta von der Erde aus gesehen, hinter der Sonne befindet, die Sonnenkorona mit Radiowellen durchleuchten. Außerdem wird es mindestens einen nahen Vorbeiflug an einem größeren Asteroiden geben, wobei wiederum mit Hilfe der von RSI ausgesandten Radiowellen seine Masse und Dichte mit großer Genauigkeit bestimmt werden wird.


Das RSI Experiment ist vor 9 Jahren von der Europäischen Weltraumagentur ESA zusammen mit zehn anderen Experimenten für Rosetta ausgewählt worden. Der deutsche Beitrag zu Rosetta wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt gefördert. RSI wird durch den Hauptexperimentator Hochschuldozent Dr. Martin Pätzold vom Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln in Zusammenarbeit mit weiteren deutschen, europäischen und amerikanischen Instituten geleitet.

Zum Hintergrund der Mission:
Rosetta ist eine Weltraummission der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Vier astronomische Einheiten von der Erde entfernt (eine astronomische Einheit ist der Abstand zwischen Erde und Sonne) und damit weiter entfernt als Mars, wird Rosetta im August 2014 in eine Umlaufbahn um den Kometenkern gehen und ihn bis zu seinem sonnennächsten Punkt begleiten. Es ist das erste Weltraumunternehmen dieser Art. Elf Instrumente an Bord der Sonde werden den Kometen Churyumov-Gerasimenko fotografieren, die Zusammensetzung des Kerns und seines Schweifes sowie die Wechselwirkung zwischen Sonnenwind und Kometen analysieren. Kometen bildeten sich vor etwa 4,5 Milliarden Jahre zeitgleich mit den Planeten. Sie sind somit Zeugen der Frühzeit unseres Sonnensystems und vermutlich hat sich in ihrem Inneren Materie aus dieser Zeit in Form von Staub beinahe unverändert bis heute erhalten. Die Analyse dieser Materie wird den Wissenschaftlern Informationen über den Ursprung unseres Sonnensystems liefern.

Eva Faresin | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de/math-nat-fak/geomet/geo/index.html

Weitere Berichte zu: Geophysik Komet Kometenkern RSI Radiowelle Raumsonde

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Die Ostsee als Zeitmaschine
14.05.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Erste Bohrung in einen aktiven Unterwasservulkan
09.05.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics