Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erdbebenforschung in EU-Projekt jetzt europaweit vernetzt

13.01.2004


Das verheerende Erdbeben in der iranischen Stadt Bam Ende letzten Jahres mit bis zu 40.000 Toten hat wieder einmal gezeigt, dass derartige Katastrophen zu den größten Naturgefahren für die Menschheit gehören. "Die Mechanismen, die direkt an der Erdbebenquelle passieren, sind wenig verstanden", so Prof. Heiner Igel von der Sektion Geophysik der LMU. "Die bei Erdbeben ausgestrahlte seismische Wellenenergie liefert aber wichtige Informationen über das Innere unseres Planeten, und die dahinter stehende Physik lässt sich heute gut in dreidimensionalen Medien rechentechnisch simulieren." Weil für eine realistische Berechnung der Modelle aber große Computer und parallele Programme nötig sind, werden unter der Leitung von Professor Igel jetzt in dem von der Europäischen Union mit rund 5,5 Millionen Euro geförderten Projekt SPICE (Seismic wave Propagation and Imaging in Complex media: a European network) europaweit gebündelt.



SPICE wurde im 6. Rahmenprogramm der Europäischen Union bewilligt und gehört zu den bisher größten Marie-Curie Research Training Networks. Die Förderung beginnt im Januar 2004. Die Federführung des Projekts liegt bei der Sektion Geophysik des Departments für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU, beteiligt sind insgesamt aber 14 europäische Universtitäten, unter anderem die Oxford University, das Institut de Physique du Globe, Paris, die ETH Zürich, das Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia, Rom, die Universitetet I Oslo, die University of Utrecht sowie die Charles University in Prag.

... mehr zu:
»Erdbeben »Geophysik »SPICE


"In allen Bereichen der Seismologie spielen aufwändige Rechenprogramme eine immer größere Rolle, vor allem bei der Berechnung so genannter Erdbebenszenarien", berichtet Igel. "Damit kann die Bodenbewegung nach potentiell möglichen, großen Erdbeben in der Zukunft berechnet werden." Dies soll die Identifizierung von Regionen erlauben, die - etwa wegen spezieller Eigenschaften des Untergrunds - stärker als andere gefährdet sind. In der globalen Seismologie sollen die neuen Rechenprogramme darüber hinaus Fortschritte bei der Auflösung tomographischer 3D-Bilder des Erdinneren liefern, was dort stattfindende dynamische Prozesse besser verstehen hilft.

Neben der Durchführung gemeinsamer Forschungsprojekte soll im Rahmen von SPICE vor allem eine digitale Datenbasis mit verifizierten Rechenprogrammen erstellt werden, die dann in den Standardbetrieb seismologischer Auswertungen aufgenommen werden kann. Die lokale Gefährdung bestimmter Gebiete soll mit Hilfe einer weiteren Datenbasis mit berechneten Erdbebenszenarien für eben diese Regionen, unter anderem das Kölner Becken, das Peking-Becken und Kalifornien, abgeschätzt werden. Kernpunkte der Marie-Curie Research Training Netzwerke und damit auch Schwerpunkte von SPICE sind die Mobilität und Ausbildung der beteiligten Nachwuchsforscher, etwa durch Workshops, die im Laufe des Projekts von den Partnern organisiert werden. Das elektronische Trainingsmaterial soll im Internet zur Verfügung gestellt werden.

Ansprechpartner:

Professor Dr. Heiner Igel
Sektion Geophysik, Department für Geo- und Umweltwissenschaften
Phone: + 49 (89) 2180 4204
E-Mail: heiner.igel@lmu.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.spice-rtn.org

Weitere Berichte zu: Erdbeben Geophysik SPICE

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie