Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Softwarelösungen für den weltweiten Naturschutz

29.09.2000


In Deutschland wird jeder Quadratkilometer Natur, sozusagen jedes Fleckchen Erde, intensiv beobachtet und auf eventuelle Veränderungen überwacht. Wie aber gewinnt man aus der Flut der Umweltdaten einen
großräumigen Überblick und damit, fachlich gesprochen, eine ökologische Flächenbilanz? Weltweit gehen jedes Jahr unzählige wertvolle Biotope verloren, ohne dass ihr Verschwinden auch nur bemerkt würde. Wie kann man drohende Verluste frühzeitig registrieren und auf langfristige Folgen aufmerksam werden? Beim 14. Symposium "Informatik für den Umweltschutz" stellen Wissenschaftler vom 4. bis 6. Oktober in Bonn neue, automatisierte Verfahren vor, mit denen sie aus Satellitendaten interpretierbare Informationen über den Zustand der Umwelt und laufende Veränderung gewinnen können. Solche Verfahren erlauben erstmals ein Umweltmonitoring in großräumigem, sogar kontinentalem Maßstab und eröffnen neue Chancen für einen weltweiten Naturschutz.

Satellitendaten und Luftbildaufnahmen werden schon seit Jahren auch für den Umweltschutz genutzt. In jüngster Zeit sind dabei zwei Entwicklungen zu beobachten: Die Satelliten liefern zum einen Daten mit einer immer besseren Auflösung. Zum zweiten erlauben neue Softwareverfahren, aus diesen Daten immer mehr nutzbringende Informationen zu erschließen. Früher interpretierten die Techniker solche Satellitendaten ähnlich wie Bilder: Sie verglichen Messwerte von bestimmten Flächen am Boden mit Beobachtung vor Ort und ordneten sie somit einem bestimmten Zustand zu, etwa in Hinsicht auf die landwirtschaftliche Nutzung. Inzwischen hat die Informatik Auswertungsverfahren entwickelt, die aus der Kombinationen von Messwerten sowie anhand grundlegender Strukturen und Regeln automatisch erkennen können, um welche Objekte es sich am Erdboden handelt oder wie diese beschaffen sind. So ist diese Software - einfach ausgedrückt - in der Lage, eine Straße von einem Bachlauf oder ein Feld von einem kleinen See zu unterscheiden. Im Ergebnis liefern solche "objektorientierten" Auswertverfahren Informationen über bebaute Flächen ebenso wie über Vegetationsformen, über dichtbesiedelte Städte ebenso wie über Naturlandschaften.

Auf dem Symposium in Bonn werden Verfahren vorgestellt, die nach Aussage ihrer Entwickler mit großer Präzision und Geschwindigkeit Objekte und Strukturen identifizieren können. Davon profitiert zum Beispiel der Umweltschutz, und dies gleichermaßen in den Industriestaaten wie in Schwellen- oder Entwicklungsländern. Denn solche Auswertverfahren erlauben es zum einen, den Zustand der Natur und dessen zeitliche Veränderung auch in schwer zugänglichen Gebieten oder in ausgedehnten Regionen festzustellen, in denen eine Überwachung am Erdboden gar nicht zu leisten wäre. Dies gilt für weite Regionen in Afrika, aber auch in Osteuropa und Mittelasiens, ebenso für die großen Wüstenzonen oder für Tropenwälder. Auf diese Weise kann man beispielsweise feststellen, ob sich bestimmte Lebens- und Naturräume (Biotope) verändern oder ob sie sogar zugrunde gehen. Wandernde Tierarten, etwa Zugvögel, benötigen entlang ihrer Routen bestimmte Biotope, die ihnen Nahrung und Überleben garantieren. Wenn in einer solchen Biotopkette auch nur ein Glied aufgrund von Umweltveränderungen ausfällt, ist unter Umständen das Überleben vieler Arten gefährdet, selbst wenn sich in den jeweiligen Sommer- und Winteraufenthaltsorten dieser Tiere nichts geändert hat. Erst ein großräumiges, bestenfalls weltweites Monitoring stellt sicher, dass solche Veränderungen erkannt und die betreffenden Areale rechtzeitig unter Schutz gestellt werden.

Auch in dicht besiedelten Regionen der Industriestaaten helfen die neuartigen Monitoringverfahren beim Natur- und Umweltschutz. Sie beantworten zum Beispiel grundlegende Fragen: Wie viel Prozent der Fläche sind aus Sicht des Naturschutzes wertvoll? Wie viel davon geht jährlich durch Baumaßnahmen oder andere Eingriffe verloren? Wie viel Prozent kommen durch Schutzmaßnahmen hinzu? War man bisher auf Hochrechnungen und Schätzungen angewiesen, erlaubt das flächendeckende Monitoring nun eine "ökologische Gesamtrechnung" auf der Basis exakter Daten. "Solche ebenso großräumigen wie verlässlichen Daten haben sehr viel mehr Überzeugungskraft und schaffen damit die Voraussetzung dafür, daß notwendige Maßnahmen des Naturschutzes politisch mehrheitsfähig und gesellschaftlich akzeptabel werden", betont Professor Klaus Greve (Geographisches Institut der Universität Bonn), Mitorganisator des Bonner Symposiums.

Weitere Themenschwerpunkte des Symposiums:

"Menschen informieren - Menschen einbeziehen": Wie Bürgerinnen und Bürger mit Hilfe moderner Technik und Medien über Umweltprobleme informiert und in Diskussion und Planung einbezogen werden können (Stichworte: Naturdetektive im Internet, Umweltinformation online, Mediation und Bürgerbeteiligung).

Weitere Informationen über das Symposium im Internet: http://www.giub.uni-bonn.de/ui2000


Ansprechpartner: Prof. Dr. Klaus Greve, Geographisches Institut, , Telefon: 0228/73-5596, Telefax: 0228/73-9702, E-Mail: klaus.greve@uni-bonn.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Andreas Archut | idw

Weitere Berichte zu: Biotop Erdboden Geographisch Monitoring Naturschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Klimawandel: Bäume binden im Alter große Mengen Kohlenstoff
17.08.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie