Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eismann vom Ötztal stammt aus dem Südtirol

31.10.2003


Der Heimatort des 5200 Jahre alten Eismanns konnte mit Hilfe von Isotopenmessungen von Proben aus seinen Zähnen, Knochen und seines Darms ausfindig gemacht werden. Ein internationales Forscherteam, unter Leitung von Dr. Wolfgang Müller, ANU (Australian National University) und unter Beteiligung von Geologen der ETH Zürich, publiziert neue Forschungsergebnisse über den Eismann in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift ’Science’.

... mehr zu:
»ANU »ETH »Knochen

Die bestens erhaltene Mumie, die landläufig als Eismann bekannt ist, wurde 1991 in der italienisch-österreichischen Grenzregion in einem Gletscher gefunden. Der Eismann war zum Zeitpunkt seines Todes ungefähr 46 Jahre alt. Seine gut erhaltenen Überreste und seine Ausrüstung geben einen noch nie da gewesenen Einblick in die frühe Zivilisation Zentraleuropas.

Die Herkunft des Mannes - und die Kultur, der er angehörte - blieben allerdings lange im Verborgenen. Eine neue Studie unter Leitung von Dr. Wolfgang Müller von der Australian National University (ANU) und unter Beteiligung von Geologen der ETH Zürich zeigt nun, dass der Eismann aus einem etwa 60 Kilometer südöstlich seiner Fundstelle gelegenen Tal stammt.


Diese Ergebnisse wurden heute im Magazin Science veröffentlicht und belegt, dass die Alpentäler Zentraleuropas im Spätneolithikum vor über 5000 Jahren dauerhaft bewohnt waren.

"Wir können sicher sagen, dass der Eismann in seiner angestammten Region starb - nämlich in der Region des heutigen Südtirols/Alto Adige, im Grenzgebiet zwischen Italien und Österreich. Hier hatte er sich offenbar niedergelassen hatte. Dies lässt den Schluss zu, dass auch viele andere Menschen dort gelebt haben müssen", sagt Dr. Müller.

"Diese Erkenntnis erlaubt uns einen ganz neuen Einblick in die Geschichte der Menschheit. Wir hoffen, nun in der Lage zu sein, eines der letzten grossen Geheimnisse des Eismannes lüften zu können."

Dr. Müller begann seine Studie zusammen mit Professor Alex Halliday an der ETH Zürich.

"Die Informationen, die uns der Eismann über die Entwicklung der europäischen Zivilisation liefert, führen direkt zu den zentralen Fragen unserer Herkunft - warum sind wir hier und woher kommen wir", sagt Dr. Halliday.

"Durch die Weiterentwicklung der Isotopenanalyse sind auch deren potentielle Anwendungsbereiche zahlreicher geworden. Die Forschungsarbeiten an der ETH Zürich reichen heute von Arbeiten über die Herkunft der Planeten bis hin zu Arbeiten über die Herkunft des Menschen. In diesen Wissenschaftszweigen herrscht ein regelrechter Boom."

Dr. Müller wechselte von der ETH Zürich an die ANU in Canberra, von wo aus er das internationale Forschungsteam leitete, das die isotopische Zusammensetzung der Zähne, Knochen und des Darminhalts des Eismannes mit den vor Ort gegebenen geologischen und hydrologischen Verhältnissen verglich, um dessen Wohngebiet und den Umkreis seiner Reisetätigkeit von seiner Kindheit an bis ins Erwachsenenalter zu untersuchen.

Die Zähne sagen viel über die frühe Kindheit aus, während die Knochen einen Einblick ins Erwachsenenalter des Eismannes erlauben. Knochen werden kontinuierlich umgebaut und zeigen daher in ihrer Zusammensetzung im Durchschnitt die letzten 10 bis 20 Lebensjahre auf.

Durch den Vergleich der Analysedaten von Zahnschmelz, Knochen und Darmüberresten stellten die Forschenden fest, dass der Eismann umhergezogen ist. Sowohl die Gesteinsarten wie auch die Wasserverbindungen weiter südlich - in der heutigen Po-Ebene und im südlichen Adige - stimmen jedoch nicht mit denjenigen überein, die in seinen Zähnen und Knochen gefunden wurden. Die Forscher schliessen daraus, dass der Eismann wahrscheinlich in den Alpentälern der Region umherwanderte und die Alpen nicht überquerte.

"Wir können die Zusammensetzung der Erde und des Gesteins, auf denen die Nahrung des Mannes gewachsen ist, aufgrund zweier Arten von Isotopen rekonstruieren. Es handelt sich dabei um Strontium (Sr) und Blei (Pb), welche wir in den eingelagerten Spurenelementen (Mineralstoffe) seiner Überreste fanden. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil wir in dieser Region verschiedene, isotopisch unterschiedliche Gesteinsarten (Kalkstein, Gneis, Vulkangestein) gefunden haben", sagt Dr. Müller.

"Zudem ermöglichen Sauerstoffisotope eine Rekonstruktion der Zusammensetzung des vom Eismann eingenommenen Wassers. Da die isotopische Zusammensetzung von Regenwasser von dessen Herkunft und vom Umstand abhängt, wie weit eine Wolke über das Festland zieht, bevor Regen fällt, sind die Regenwasserisotope nördlich und südlich der Fundstelle grundlegend verschieden. Wir können deshalb annehmen, dass der Eismann sein ganzes Leben südlich der Alpen verbracht hat."

Anke Poiger | idw
Weitere Informationen:
http://www.anu.edu.au/mac/media/index.html

Weitere Berichte zu: ANU ETH Knochen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Meeresforschung in Echtzeit verfolgen
22.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie