Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geowissenschaftler zum Johannesburg Summit 2002

28.08.2002


Forschen für die Nachhaltigkeit

Zehn Jahre nach der Klimakonferenz in Rio hat nach steigenden Temperaturen und den Flutkatastrophen von Ostdeutschland bis Bangladesh die Klimakonferenz in Johannesburg besondere Brisanz gewonnen. Klimaforscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenabschätzung und Experten für Energierohstoffe an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) haben dazu interessante Ergebnisse vorzuweisen.

"Bei den Starkniederschlägen zeichnet sich derzeit ein Trend ab, der mit unseren Klimavorhersagen in Einklang ist - dass nämlich der Niederschlag insgesamt zunimmt und dass es zu Häufungen des Niederschlags kommt", so Prof. Martin Claussen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Er geht davon aus, dass die Klimaerwärmung - die Vorhersagen gehen von zwischen 1,4 und 5,8 Grad Celsius für die kommenden hundert Jahre aus - zu einem großen Teil auf den Einfluss des Menschen zurückgeht. "Es gibt eine Bandbreite von Modellen, die zeigen, dass in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten der Eintrag von Treibhausgasen überwiegt", so Prof. Claussen.

Seit der Klimakonferenz 1997 in Kyoto gibt es ein völkerrechtlich verbindliches Protokoll, das daher den Ausstoß von Treibhausgasen unter das Niveau von 1990 senken soll. "Praktisch reicht das noch lange nicht", so Prof. Claussen. "Wir müssen wegkommen von den fossilen Brennstoffen. Dabei dürfen sich die Politiker aber nicht auf Kohlendioxid als einzigen "Übeltäter" konzentrieren - auch Dieselruß trägt zum Beispiel zur Erwärmung bei."

Auf den Einsatz fossiler Energieträger werden wir jedoch auch in den nächsten Dekaden nicht verzichten können, glaubt Dr. Peter Gerling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). "Optimisten sprechen daher davon, dass die konventionellen Erdölvorräte noch für 40 bis 60 Jahre ausreichen - vorausgesetzt, der Verbrauch bleibt auf dem heutigen Niveau. Die Reichweite verlängert sich durch die Ausbeutung unkonventioneller Erdöle, wie beispielsweise die Ölsande in Kanada und die Schwerstöle in Venezuela. Deren Gewinnung ist in der Regel jedoch langwieriger, teurer, schwieriger und oftmals mit Beeinträchtigungen der Umwelt verbunden", so Dr. Gerling.

Dazu kommt, dass nach dem "Depletion Midpoint" - dem Zeitpunkt, an dem die Hälfte der Vorräte verbraucht ist - eine Verknappung eintreten wird. "Dann steigt der Bedarf noch, während das Angebot rückläufig ist. Die Folge ist ein Preisanstieg und die Ausbeutung von Lagerstätten, die man bislang als nicht wirtschaftlich eingeschätzt hat", so Dr. Gerling. Dieser Zeitpunkt wird - so die Schätzung der BGR - für Erdöl zwischen 2010 und 2030 liegen, für Erdgas zwei Jahrzehnte später.

Die BGR erforscht daher derzeit auch die Möglichkeit, CO2 aus der Verbrennung fossiler Energieträger anschließend wieder in den Untergrund zu verbringen - beispielsweise in ausgeförderte Erdgasfelder oder auch in tief liegende, salzwassergefüllte Schichten. Das Verfahren wird in der Nordsee bereits seit 1996 von der Firma STATOIL praktiziert. Dabei werden in einem von der Forschung begleiteten Projekt pro Jahr eine Million Tonnen CO2 im Untergrund deponiert. Die technische Machbarkeit des Verfahrens ist damit nachgewiesen. "Auf dem Kontinent wird es sicher noch einige Jahre dauern, bis dieses Verfahren eingesetzt wird", so Dr. Gerling.

Die BGR wird im Winter ein neues EU-gefördertes Forschungsprojekt in Angriff nehmen. Dabei wird virtuell durchgespielt, wie und wo man den Kohlendioxid-Ausstoß des brandenburgischen Braunkohle-Kraftwerks Schwarze Pumpe (jährlich zehn Millionen Tonnen) in den Boden verbringen könnte - und wie die Folgen aussehen.

2002 ist das "Jahr der Geowissenschaften". Ziel ist es, die geowissenschaftliche Forschung transparenter zu machen und einen lebendigen Dialog zwischen den Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit anzuregen und zu fördern. Das "Jahr der Geowissenschaften" geht auf die Initiative "Wissenschaft im Dialog" zurück, die von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn, dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und den großen Forschungsorganisationen 1999 ins Leben gerufen wurde.

Kontakt:
iserundschmidt Kreativagentur für PublicRelations GmbH, 


Bad Honnef und Berlin, 
Reinhardtstraße 15-17, 10117 Berlin 
Tel.: (030) 308 78 09 10, 

Fax: (030) 308 78 09 20

Lutz Peschke | idw
Weitere Informationen:
http://www.planeterde.de/

Weitere Berichte zu: BGR Geowissenschaft Klimakonferenz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie