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Global change in der Steinzeit: Neue DFG-Forschergruppe SINCOS bewilligt

11.07.2002


Gemeinsame Pressemitteilung des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde, des Archäologischen Landesmuseums und der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald: Geowissenschaftler, Ökologen und Archäologen


untersuchen die Auswirkungen des Meerespiegelanstieges auf Siedlungen der südlichen Ostseeküste

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Am 2. Juli 2002 haben Senat und Bewilligungsausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Einrichtung einer Forschergruppe in Mecklenburg-Vorpommern beschlossen. Mit rund 1.4 Mio EURO für zunächst drei Jahre wird damit ein Vorhaben gefördert, das unter dem Titel "Sinking Coasts: Geosphere, Ecosphere and Anthroposphere of the Holocene Southern Baltic Sea (kurz: SINCOS)" die Untersuchung des Rückgangs der südlichen Ostseeküsten und seiner Auswirkungen auf menschliche Ansiedlungen und die natürliche Umwelt zum Inhalt hat.

Die Ursachen für diesen Küstenrückgang liegen einerseits im sinkenden Festland, andererseits im klimatisch bedingten weltweiten Meeresspiegelanstieg. Daraus resultiert ein komplexer Prozess, dessen Auswirkungen sich bislang noch nicht berechnen lassen. Seine Wirksamkeit ist den Bewohnern der Küste Mecklenburg-Vorpommerns allerdings nur zu bewusst: Besonders nach starken Stürmen werden sie regelmäßig mit Landverlusten konfrontiert.


Dabei ist es nicht nur unsere Generation, die im Kampf mit dem ansteigenden Meer Land verliert. Schon die steinzeitlichen Menschen, die bevorzugt an den Küsten der Ostsee siedelten, wurden durch den Meeresspiegelanstieg bedrängt. Sie hinterließen Spuren, die heute weit ab von der Küste auf dem Boden der Ostsee Zeit- und Zivilisationsmarken darstellen. Voruntersuchungen hatten solche spektakulären archäologischen Funde vor der Insel Poel zu Tage gebracht. Sie zeigen, dass an der südlichen Ostseeküste seit etwa 8.000 Jahren geologische, klimatische, biologische und gesellschaftliche Prozesse eng miteinander vernetzt sind. Neben Geowissenschaftlern und Klimaforschern haben sich daher auch Biologen und Archäologen der Forschungsaufgabe SINCOS verschrieben. Aus dem Studium der Vergangenheit wollen die Forscher ein Prozessmodell für die sinkenden Küsten der südlichen Ostsee erarbeiten, das auch geeignet ist, Prognosen zur zukünftigen Küstenentwicklung zu erarbeiten.

Die Mitglieder der Forschergruppe kommen aus dem Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), dem Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern sowie von der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Hier sind das Institut für Geologische Wissenschaften, das Geographische Institut, das Botanische Institut und das Historische Institut vertreten. Zusätzlich haben die Forscher aus Mecklenburg-Vorpommern Kollegen der Universitäten Hamburg, Kiel und Dresden sowie des Archäologischen Landesmuseums Schleswig-Holstein zur Mitarbeit eingeladen.

Kooperationspartner aus Dänemark, Polen und den USA sind insbesondere an Anwendungen der Forschungsergebnisse auf andere Senkungsküsten, auch außerhalb der Ostsee interessiert. Am 1. September 2002 wird die Forschergruppe ihre Arbeit aufnehmen.

Die Forschergruppe wird durch ihren Sprecher, den Geologen Prof. Dr. Jan Harff vom Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)und seinen Stellvertreter, Dr. Friedrich Lüth, Landesarchäologe in Mecklenburg- Vorpommern, koordiniert.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert mit dem Instrument der Forschergruppe den Zusammenschluss von Wissenschaftlern, deren gemeinsame Forschungsaufgabe vom thematischen, zeitlichen und finanziellen Umfang her über den Rahmen des Normalverfahrens der DFG hinausgeht.
Die Förderung von Forschergruppen soll helfen, für eine mittelfristig - meist auf sechs Jahre - angelegte, enge Zusammenarbeit die notwendige personelle und materielle Ausstattung bereitzustellen.



Kontakt:
Prof. Dr. Jan Harff, Institut für Ostseeforschung Warnemünde, Seestr. 15, D-18119 Rostock, Tel.: 0381-5197350, -351, Fax: 0381 - 5197352, email: jan.harff@io-warnemuende.de

Dr. Friedrich Lüth,Archäologisches Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern, Schloss Wiligrad, D-19069 Lübstorf
Tel.: 03867 - 7800, Fax: 03867 - 8806
email: archaeomuseum.m-v@t-online.de

Dr. Barbara Hentzsch | idw

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