Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wilkins-Schelfeis zerbricht weiter

12.06.2008
Forscher aus Münster und Bonn dokumentieren erstmals Aufbruch im antarktischen Winter

Das Wilkins-Schelfeis in der Antarktis zerbricht weiter. Nach einer zweimonatigen Ruhepause hat dort eine erneute Aufbruchphase begonnen, die noch immer andauert, berichten Forscher der Universitäten Münster und Bonn.

Damit ist nun erstmals ein Aufbruchereignis im antarktischen Winter dokumentiert. Bereits im März 2008 hatte ein spektakulärer Aufbruch im Wilkins-Schelfeis für Schlagzeilen gesorgt.

Dr. Angelika Humbert von der Arbeitsgruppe Polargeophysik der Universität Münster und ihr Kollege Dr. Matthias Braun vom Zentrum für Fernerkundung der Landoberfläche der Universität Bonn haben die neuen Ereignisse, die am 30. Mai 2008 begonnen haben, beobachtet. Das Forscherteam verfolgt die Entwicklung einer sensiblen Region, die das Wilkins-Schelfeis mit den beiden Inseln Charcot und Latady verbindet, bereits seit Jahren anhand von Satellitenaufnahmen der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

... mehr zu:
»Eismasse »Wilkins-Schelfeis

Der ehemals rund 15 Kilometer breite Eissteg zwischen den Inseln, die rund 1000 Kilometer vor der Südspitze Südamerikas liegen, ist seit dem erneuten Aufbruch nur noch knapp drei Kilometer breit. Satellitenaufnahmen zeigen auf der verbliebenen Eisbrücke einen bogenförmigen Riss - die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Steg in den nächsten Tagen komplett zerbricht, ist sehr hoch, so die Forscher. Die Folgen für die Stabilität des übrigen Schelfeises sind nicht abzusehen.

Die jetzt innerhalb weniger Tage abgebrochene Eismasse war bereits vor rund einem Jahr mit feinen Rissen durchzogen worden. "Der eigentliche Schaden ist bereits damals entstanden" betont Angelika Humbert, die gemeinsam mit ihrem Kollegen schon über die Ursachen der Rissbildung berichtet hat: Unterschiedlich große Auftriebskräfte führen zu Biegespannungen im Eis und somit zu Rissen, die sich schlagartig ausdehnten. Das dadurch instabil gewordene Eis bricht zu einem späteren Zeitpunkt - wie es derzeit zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate geschieht. Als mögliche Verbindung zur überdurchschnittlichen Erwärmung an der Antarktischen Halbinsel vermuten die Wissenschaftler eine Erhöhung der Ozeantemperaturen, welche Schmelzprozesse auf der Unterseite des Eises begünstigt.

Der aktuelle Abbruch zeigt, dass Schmelzwasser, welches lange in Verdacht stand, der alleinige auslösende Faktor für das Zerbrechen einer Eismasse zu sein, keine Rolle gespielt haben kann: Im derzeit herrschenden antarktischen Winter ist die Oberfläche des Wilkins-Schelfeises komplett gefroren.

Die größten Spannungen im Eis treten derzeit vermutlich durch das "Fließen" des Eises auf, also durch die Verformung des Eises unter seinem eigenen Gewicht. Diese Verformungen haben die bereits bestehenden Rissflanken auseinander gezogen und damit jetzt zum Durchreißen geführt. Der Aufbruch des Eises läuft diesmal jedoch anders ab als im Februar 2008: Während damals die ersten Eisberge an der Eisfront kalbten, bricht die Eismasse jetzt von innen nach außen auf. Sehr schmale "Scheibeneisberge" kippen dabei um und drücken so die vor ihnen liegende Eismasse nach außen.

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://earth.uni-muenster.de/polarhomepage/info.shtml
http://earth.uni-muenster.de/polarhomepage/info_en.shtml

Weitere Berichte zu: Eismasse Wilkins-Schelfeis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie