Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klare Sicht von ganz weit oben

28.06.2002


Radarexperten der Universität Jena arbeiten am deutschen Satellitenprojekt TerraSAR mit


Radaraufnahme des TerraDEW-Untersuchungsgebiets bei München - Kombination aus verschiedenen Wellenlängen und Polarisationen.


Aus Fernerkundungsdaten abgeleitete Landnutzungsinformation unter Verwendung der Wellenlängen/Polarisationen des zukünftigen TerraSAR-Satelliten



Der Countdown läuft: Vor kurzem sind die Verträge für das deutsche Satellitenprojekt TerraSAR unterzeichnet worden. Schon 2005 soll die 130 Millionen Euro teure Sonde ins Weltall starten. Fünf Jahre lang wird sie die Erde in 500 Kilometern Höhe umkreisen und mit ihren Radarstrahlen abtasten. Derzeit wird das elektronische Reisegepäck für TerraSAR zusammengestellt - und Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena sind daran beteiligt: Ein Team um Prof. Dr. Christiane Schmullius untersucht den Einfluss von Tau und Niederschlag auf das Radarbild der Erdoberfläche. Die Ergebnisse ihres vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts TerraDEW stellt die Jenaer Professorin für Fernerkundung dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zur Verfügung, das TerraSAR gemeinsam mit dem Raumfahrtunternehmen Astrium entwickelt.

... mehr zu:
»Radarwelle »TerraDEW »TerraSAR


"Was ein Fernerkundungs-Satellit aus dem All wahrnimmt, hängt auch davon ab, ob seine Radarwellen am Erdboden von feuchten oder trockenen Oberflächen zurückgeworfen werden", erklärt Tanja Riedel. Die Diplom-Geographin betreut TerraDEW als Projektkoordinatorin und weiß, dass dies schon in früheren Studien immer wieder aufgefallen ist. Bisher haben aber systematische Untersuchungen des Phänomens gefehlt. "Diese Lücke wollen wir mit unserem Jenaer Projekt schließen", bringt die Doktorandin das Ziel von TerraDEW auf den Punkt.

Dazu haben sie und ihre Kollegen erst einmal Daten gesammelt: In einem ausgewählten Areal mit bekanntem Bewuchs notierten sie zu verschiedenen Tageszeiten im Juni 2000 Mikroklima, Bodenfeuchtigkeit und Tauverhältnisse. Gleichzeitig wurden vom Flugzeug aus Radaraufnahmen des Gebiets gemacht und anschließend mit den am Boden gewonnenen Daten verglichen. Die ersten Resultate von TerraDEW: Feuchte Oberflächen sind nicht gleich feuchten Oberflächen. Tau und Niederschlag wirken sich unterschiedlich auf die Rückstreuung der Radarwellen aus, und ihr jeweiliger Einfluss hängt außerdem von der Wellenlänge des verwendeten Radars ab. Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Radaraugen können bestimmte Arten von Bodenbewuchs, etwa verschiedene Getreidesorten, besser in feuchtem Zustand voneinander unterscheiden, andere dagegen, wie Raps oder Kartoffeln, besser bei Trockenheit. Des Weiteren zeigen die Untersuchungen, dass unter feuchten Bedingungen bessere Ergebnisse für Biomasse-Berechnungen zu erwarten sind, die unter anderem in der Klimaforschung eine Rolle spielen.

Mit dem Bedarf von Ökologen, Klimaforschern und Geologen an den Bildern von TerraSAR begründet auch Prof. Schmullius das nationale Raumfahrtprojekt, zu dem sie nicht nur als Leiterin des Forscherteams an der Friedrich-Schiller-Universität beiträgt. Bereits im Vorfeld der Planungen sammelte sie für den Satelliten bundesweit Unterschriften von Experten und warb beim Bundesforschungsministerium für den Bau der Sonde. "Schon bei der Shuttle-Radar-Topologie-Mission der NASA vor drei Jahren wurde die Höhenstruktur der Erde mit deutscher Technologie so genau wie bis dahin noch nie aufgenommen. Mit TerraSAR wird die Nutzung von Satellitenbildern in Deutschland für die Umweltbeobachtung und Regionalplanung entscheidende neue Impulse erhalten", ist sich die Jenaer Wissenschaftlerin sicher - und hofft, dass der Entscheidung für den Bau von TerraSAR auch Fördermaßnahmen zur Anwendung der neuen Daten folgen werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Christiane Schmullius / Tanja Riedel
Institut für Geographie der Universität Jena
Löbdergraben 32
07743 Jena
Tel.: 03641 / 948877 oder 948875
Fax: 03641 / 948852
E-Mail: c.schmullius@geogr.uni-jena.de oder c5tari@geogr.uni-jena.de

Axel Burchardt | idw

Weitere Berichte zu: Radarwelle TerraDEW TerraSAR

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise