Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler stützen Kohlenstoff-Hypothese

24.04.2008
Der Erdsystem-Wissenschaftler Dr. Agostino Merico vom GKSS-Forschungszentrum Geesthacht hat gemeinsam mit englischen Kollegen anhand von bio-geochemischen Modellrechnungen zeigen können, warum sich in der Vergangenheit parallel zur Entstehung des antarktischen Eises der globale Kohlenstoffkreislauf dramatisch veränderte. Ihre Ergebnisse werden heute in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Vom Treibhaus zum Eishaus

Der Beginn der Vereisung der Antarktis vor 34 Millionen Jahren gilt als eine der größten klimatischen Veränderungen der Erdgeschichte. Dieses Ereignis ging einher mit tief greifenden langfristigen Veränderungen des globalen Kohlenstoffkreislaufs; der Gehalt an Kohlendioxid in der Atmosphäre sank dramatisch.

Wissenschaftler des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht entdeckten gemeinsam mit Kollegen vom National Oceanography Centre in Southampton (UK) anhand von Modellrechnungen jetzt einen entsprechenden Zusammenhang:
Während der Bildung des antarktischen Eisschilds sank der Meeresspiegel, da große Mengen von Wasser im Eis gebunden wurden. Die Senkung des Meeresspiegels legte Gesteine des Kontinentalschelfs frei, die Kalziumcarbonat (Kalk) enthielten. Kalziumcarbonat ist Baumaterial vieler Meeresorganismen, wie etwa Korallen, Muscheln oder einiger Einzellern wie Coccolithophoren und Foraminiferen. Die Bildung von Kalk durch diese Organismen trägt zur Reduzierung des Treibhausgases Kohlendioxid im Meerwasser und in der Atmosphäre bei und spielt deshalb im Klimahaushalt sowie in der Chemie des Meeres eine tragende Rolle.

Erhebliche Mengen von Kalzium- und Karbonationen wurden über Regen- und Flusswasser aus den freigelegten Gesteinen ausgewaschen und reicherten sich im Meerwasser an. Diese Prozesse bewirkten, dass sich die sogenannte "Calcit-Kompensationstiefe" (engl. Calcite Compensation Depth - CCD) in tiefere Wasserschichten verlagerte. Der Begriff "Calcit-Kompensationstiefe" bezeichnet eine Wassertiefe, in der sich der Eintrag von Kalziumcarbonat und deren Auflösung im Gleichgewicht befindet.

Verschiebt sich die CCD in die Tiefe, wird Kohlenstoff verstärkt in Sedimenten am Meeresgrundes einlagert und der atmosphärische Anteil an Kohlendioxid nimmt ab. Zusätzlich wirkt dieser Prozess der Versauerung des Meeres entgegen.

Das Meer kann sauerer werden

... mehr zu:
»Agostino »Meerwasser
Aus den Arbeiten des Helmholtz-Forschers Agostino Merico aus Geesthacht und seinen Kollegen lassen sich auch Szenarien für die Zukunft entwickeln.
"Ein klimabedingter Meeresspiegelanstieg könnte bewirken, dass die von uns modellierten und veröffentlichten Prozesse entgegengesetzt laufen. Eine entsprechende Heraufsetzung der CCD durch die Neubildung von karbonathaltigen Riffen hängt allerdings von der Überlebensfähigkeit der kalzifizierenden Organismen während der Versauerung der Meere ab", erläutert Dr. Agostino Merico.

Der sinkende pH-Wert setzt die natürliche Karbonatsättigung des Meerwassers herab - es wird sauer. Steinkorallen oder andere Organismen, die Skelette oder Schalen aus Kalziumkarbonat produzieren, könnten langsamer wachsen und zerbrechlicher werden.

Titel der Veröffentlichung:

Eocene/Oligocene ocean de-acidification linked to Antarctic glaciation by sea-level fall

http://www.nature.com/nature/journal/v452/n7190/abs/nature06853.html

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Agostino Merico
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht
Institut für Küstenforschung
Max Planck Strasse 1
21502 Geesthacht
Tel.: +49 (0)4152 871502
Mobil: +49 01738200939
Mail: agostino.merico@gkss.de
Sekretariat:
Sabine Hartmann
Tel.: + 49 4152 87 1526
Mail: sabine.hartmann@gkss.de
Dr. Torsten Fischer
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht Max-Planck-Straße 1
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 (0) 41 52 / 87 - 1677
Mail: torsten.fischer@gkss.de
Die GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH mit den Standorten Geesthacht in Schleswig-Holstein und Teltow bei Berlin in Brandenburg ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.. 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich unter dem Moto "wissen schafft nutzen" in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Industrie für Wissenschaft und Entwicklung in den Bereichen Küstenforschung, Funktionale Werkstoffsysteme, Regenerative Medizin sowie der Strukturforschung mit Neutronen und Photonen.

Dr. Torsten Fischer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gkss.de
http://www.nature.com/nature/journal/v452/n7190/abs/nature06853.html
http://www.gkss.de/pages.php?page=05_2008.html&language=d&version=g

Weitere Berichte zu: Agostino Meerwasser

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften