Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Expedition zu Kraterseen: Aus Klimaschwankungen in der Vergangenheit auf die Zukunft hochrechnen

20.06.2002


Ein interdisziplinäres Team aus Geographen, Geologen und Biologen kehrte Ende März von einer mehrwöchigen Expedition zu vulkanischen Kraterseen in Südpatagonien zurück. Die Geowissenschaftler nutzten den Südsommer 2002, um trockene und wassergefüllte Krater im Pali Aike Vulkanfeld - 52 Grad südlicher Breite - zu untersuchen. Die Analyse der Seeablagerungen soll Informationen über Klimaschwankungen in der Vergangenheit liefern. Ziel dieses vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (bmb+f) im Rahmen des Klimaforschungsprogramms DEKLIM geförderten Verbundprojektes mit Namen SALSA ist es, die regionalen Folgen der globalen Klimaänderung zu untersuchen. Bei einer Abnahme der Niederschläge in dieser Region besteht auf Grund der gegenwärtig intensiven Schaf-Weidewirtschaft eine erhöhte Gefahr der Wüstenbildung durch Zunahme der Winderosion auf vegetationsfreien Flächen mit erheblichen sozio-ökonomischen Folgewirkungen.


Weißen Fleck auf Landkarte der Klimaarchive füllen

Im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojektes SALSA (South Argentinean Lake Sediment Archives and modelling) brachen die Geowissenschaftler Hochschuldozent Dr. Frank Schäbitz und Dr. Michael Wille von der Universität Essen, Professor Dr. Bernd Zolitschka und Dr. Christian Ohlendorf von der Universität Bremen sowie Dr. Andreas Lücke vom Forschungszentrum Jülich nach Argentinien auf, um in Zusammenarbeit mit argentinischen Wissenschaftlern einen weißen Fleck auf der Landkarte der Klimaarchive zu füllen. Im Pali Aike Vulkanfeld, das sich westlich der Hafenstadt Rio Gallegos parallel zur Magellanstrasse erstreckt, waren sie auf der Suche nach "Maaren" - das sind durch Wasserdampf-Explosionen entstandene vulkanische Krater. Bei diesen "Maaren" ist die Chance besonders groß, Sedimentabfolgen zu finden, die Klimaveränderungen über Jahrtausende hinweg aufgezeichnet haben, wie man aus vergleichbaren Untersuchungen deutscher Maare weiß. Die Rekonstruktion vergangener Klimaschwankungen ist für regionale und globale Klimamodelle von Bedeutung, um die Vorhersage zukünftiger Klimaänderungen zu verbessern.


Untersuchungen im Vulkanfeld haben angewandte Aspekte

Die Untersuchungen im Pali Aike Vulkanfeld haben aber auch angewandte Aspekte. Diese Region ist aufgrund des permanenten und starken Westwindes bei Niederschlagssummen von nur 220 Millimetern im Jahr durch Winderosion gefährdet. Eine Abnahme der ohnehin geringen Jahresniederschläge oder eine Intensivierung der Schaf-Weidewirtschaft würde zum weiteren Verlust von Weideland und zur Wüstenbildung ausgedehnter Landstriche mit wirtschaftlichen und ökologischen Folgen für die gesamte Region führen.

Im Projekt SALSA werden in zwei Expeditionen Sedimentkerne aus Kraterseen entnommen und analysiert. Der abgeschlossene erste Geländeaufenthalt diente der Bestandsaufnahme. Es zeigte sich, dass im Untersuchungsgebiet derzeit lediglich zwei Seen permanent mit Wasser gefüllt sind - Laguna Potrok Aike und Laguna Azul. Beide Seen wurden zunächst mittels Echolot und Satellitennavigation (GPS) vermessen. Außerdem wurden vor Ort und entlang eines Tiefenprofils Temperatur, Salzgehalt, Säuregrad (pH) und Sauerstoffgehalt bestimmt, sowie Wasserproben entnommen. Jeweils im Zentrum der Seen ist eine Verankerung mit mehreren Sedimentfallen und Temperaturfühlern installiert worden, die in verschiedenen Wassertiefen absinkende Sedimentpartikel auffangen bzw. ein Jahr lang täglich die Wassertemperaturen registrieren. Schließlich wurden mit einem Schwerelot
16 Sedimentkerne mit Längen zwischen 95 und 135 Zentimetern an verschiedenen Positionen im See entnommen.

Proben werden jetzt in den Labors untersucht

Zur Zeit werden die Proben in den Labors in Essen, Bremen und Jülich analysiert und geben erste Anhaltspunkte über das Potential der Sedimente für Paläoklima-Rekonstruktionen. Vorläufige Aussagen über Klimaschwankungen in der jüngeren Vergangenheit sind dann möglich. Die Synthese dieser Resultate erfolgt in Kooperation mit argentinischen Partnern, die unter anderem klimatologische Daten der letzten dreißig Jahre verfügbar machen. Weiterhin tragen Wissenschaftler der Universität von Rio Gallegos Daten einer automatischen Wetterstation und von Prozessstudien zur Winderosion im Einzugsgebiet der Laguna Potrok Aike bei. Mit diesen ersten Ergebnissen wird der Weg geebnet für die zweite, logistisch aufwendigere Phase des Projektes, die für den Januar/Februar 2003 geplant ist. Während dieser Expedition sollen mit einer speziellen Bohrplattform bis zu zwanzig Meter lange Sedimentkerne aus den beiden tiefen Seen entnommen werden. Diese Kerne gestatten dann einen Blick weit zurück in die fremde Welt einer fernen Vergangenheit, als noch das sechs Meter lange und drei Tonnen schwere Riesenfaultier Megatherium durch Patagonien trottete und mächtige Eisströme aus den Anden und aus Feuerland bis in die Nähe des Untersuchungsgebietes reichten.

Monika Roegge | idw
Weitere Informationen:
http://www.salsa.uni-bremen.de
http://www.uni-essen.de/pressestelle

Weitere Berichte zu: Klimaschwankung Kratersee Vulkanfeld

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Ursuppe in Dosen
21.06.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften