Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn der Berg ins Tal kommt

17.11.2008
Fels- und Bergstürze, Steinschlag und Hangrutschungen werden unter dem Begriff Massenbewegungen zusammengefasst. Gründe für diese natürlichen Abtragungsprozesse in hochalpinen Regionen bis hin zum Hügelland sind nicht zuletzt die immer intensivere Nutzung der Gebirgsgegenden und der Klimawandel.

IngenieurgeologInnen der Technischen Universität (TU) Wien modellieren Massenbewegungen mit speziell adaptierten Computerprogrammen. Ihr Know-How dient zur Risikobeurteilung bevorstehender Bergstürze und Hangbewegungen.

Berühmte Schauplätze sind ein in Bewegung geratener Hang über dem norwegischen Geiranger Fjord oder der Gschliefgraben am Fuße des Traunsteins in Gmunden.

Für die Simulation von Massenbewegungen bedarf es einer ganzen Reihe von Daten, die von einem Geländemodell über das absturzbereite Volumen bis zur Analyse der so genannten "stummen Zeugen" reichen. Bei letzteren handelt es sich um Gesteinsmassen, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt abgegangen sind. Laut Professor Rainer Poisel vom Institut für Ingenieurgeologie der TU Wien gibt es viele dieser "stummen Zeugen". "Über sie können wir eruieren, welche Variablen jeweils beim Absturz zum Tragen kamen. Wir haben bereits existierende Computerprogramme adaptiert, um diese Massenbewegungen besser simulieren zu können", so Poisel.

Größen wie der Rollwiderstand oder die Sprunghöhe der einzelnen Felskörper wurden von der TU-Forschungsgruppe in das Programm PFC (Particle Flow Code) eingearbeitet. Mit der Methode erfolgten zuletzt auch Untersuchungen in Norwegen, am Berg "Aknes", der über dem berühmten Geiranger Fjord abzustürzen droht und eine Flutwelle auslösen könnte. Ein anderes Programm (DAN 3D) modelliert die herabstürzende Masse als zähe Flüssigkeit. Poisel: "Wir haben mehrere Sturzvorgänge sowohl mit PFC als auch mit dem DAN-Code simuliert und sehr große Ähnlichkeiten zwischen den Ergebnissen des Partikel- und des Flüssigkeitsmodells gefunden." Jeder Bergsturz läuft nach einem anderen Muster ab. "Es löst sich ein bestimmtes Volumen ab und stürzt über ein Vorland hinunter. Einmal bleibt die Masse gleich liegen. Ein anderes Mal fährt sie kilometerweit ins Vorland hinaus. Um diesen Abläufen auf die Spur zu kommen, rechnen wir sie mit DAN und PFC", so Poisel.

Poisel und seine MitarbeiterInnen beobachten auch Großhangbewegungen bei Murau und Gmunden, im vielzitierten Gschliefgraben. Solche Vorgänge können in den seltensten Fällen ganz verhindert werden, weil sie viel zu große Massen erfassen. "Uns bleibt nur zu beobachten, möglichst viel Wasser aus dem Hang herauszubringen und zu warnen sowie das Risiko zu beurteilen." Das Risiko berechnet sich aus Schaden mal Eintrittswahrscheinlichkeit. "In Murau hat der Kosten-Nutzen-Vergleich beispielsweise gezeigt, dass dem im Frühstadium befindlichen Talzuschub aus wirtschaftlichen Gründen nur mit einer Waldverbesserung entgegen gewirkt werden soll. Dies hat zur Folge, dass bei Niederschlägen der Wassereintritt in den Untergrund minimiert wird", so Poisel. In Gmunden wird derzeit noch Wasser mittels Brunnen aus der bewegten Masse gepumpt, um das Schmiermittel aus dem Hang zu bringen, und so versucht, den Bewegungen entgegenzuwirken.

Rückfragehinweis:
Ao.Univ.Prof. Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Rainer Poisel
Institut für Ingenieurgeologie
Technische Universität Wien
Karlsplatz 13 // 203, 1040 Wien
T +43/1/58801 - 20319
F +43/1/58801 - 20399
E rpoisel@mail.tuwien.ac.at
Aussender:
Mag. Daniela Hallegger
TU Wien - PR und Kommunikation
Operngasse 11/E011, A-1040 Wien
T +43-1-58801-41027
F +43-1-58801-41093
E daniela.hallegger@tuwien.ac.at

Werner Sommer | idw
Weitere Informationen:
http://www.tuwien.ac.at/pr
http://www.tuwien.ac.at/index.php?id=8149
http://www.tuwien.ac.at/aktuelles/news_detail/article/5278/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops