Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bayreuther Forscher bohren tief

28.10.2009
Sie erwarten Erkenntnisse zum Klimawandel aus 200.000 Jahren Erdgeschichte

Forschungsmittel für eine 150 Meter tiefe Bohrung im Krater des Rodderberg-Vulkans südlich der Stadt Bonn erhielt jetzt ein Geowissenschaftler- Team zugesprochen, an dem Forscher der Universität Bayreuth beteiligt sind.

Ziel der Bohrung ist es, einen Beitrag zu Vulkanismus und Klimageschichte des Rheinlands und Mitteleuropas und zu geophysikalischen und hydraulischen Parametern von Löss und seinen Derivaten zu liefern.

Das Steinmann-Institut der Universität Bonn hat zusammen mit dem Geologischen Dienst NRW in Krefeld und dem Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG), Hannover, Forschungsmittel für die Bohrung im Explosionstrichter des Rodderberg-Vulkans für das Jahr 2011 zugesprochen bekommen. Wissenschaftler der drei Institutionen hatten gemeinsam mit Experten der Universitäten Bayreuth, Braunschweig, Bremen und Köln einen Förderantrag für dieses Forschungsvorhaben gestellt und sich gegen mehrere Konkurrenzvorschläge durchgesetzt.

„In meiner Zeit als Professor für Physische Geographie in Bonn hat auf meine Anregung hin das damalige Geologische Landesamt Nordrhein-Westfalen eine erste, 55 Meter tiefe Forschungsbohrung im Krater des Rodderberg-Vulkans abgeteuft“, sagt Professor Dr. Ludwig Zöller, Inhaber des Lehrstuhls für Geomorphologie an der Universität Bayreuth. Zöllers heutiger wissenschaftlicher Mitarbeiter, Dr. Ulrich Hambach, hatte damals im Auftrag des Landesamtes gesteinsphysikalische und farbspektrometrische Messungen an den Bohrkernen durchgeführt, die zu einem ersten Zeitmodell der Sedimentfüllung führten. Seitdem hat der Lehrstuhl Geomorphologie darauf hingearbeitet, eine weitere und diesmal tiefere Forschungsbohrung im Rodderberg-Krater anpacken zu können. „Unser Hauptinteresse liegt in der Verbesserung der Alterseinstufung des Geoarchivs Rodderberg“, so der Bayreuther Universitätsprofessor.

An den Bohrkernen aus 150 Metern Tiefe, die aus dem Krater ans Tageslicht gebracht werden und vermutlich mindestens 200.000 Jahre Klimageschichte beinhalten, sollen Messungen zur zeitlichen Einstufung und zur Umweltrekonstruktion stattfinden, erklärt Dr. Ulrich Hambach. Am Lehrstuhl für Geomorphologie werden dafür so genannte Lumineszenzdatierungen vorgenommen, die unmittelbar Informationen über das Alter der Gesteine liefern sollen. Hambach wird im Labor für Paläo- und Umweltmagnetik (PUM), das am Lehrstuhl für Geomorphologie angesiedelt ist, an dem Material Messungen zur Rekonstruktion der zeitlichen Änderungen des Erdmagnetfeldes sowie gesteinsmagnetische Analysen durchführen. Diese Arbeiten sind Teil eines Verbundprojektes mit Dr. Christian Rolf vom Magnetiklabor des (LIAG) in Grubenhagen bei Einbeck. Die Forscher erwarten davon auch Rückschlüsse auf die Änderungen des Klimas in der Vergangenheit.

Ein weiterer Bayreuther Forscher, Dr. Guido Wiesenberg von der Agrarökosystemforschung, untersucht an den Bohrkernen bio-geochemische molekulare Marker, deren Analyse Rückschlüsse auf die Vegetation im Umfeld des Kraters sowie auf die Fauna und Flora im Kratersee ermöglichen.

Vor wenigen Tagen fand im Steinmann-Institut der Universität Bonn ein Workshop statt, auf dem die unterschiedlichen Forschungsansätze der beteiligten Gruppe koordiniert wurden. Die Bohrung soll 2011 beginnen.

Frank Schmälzle | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Weniger Sauerstoff – ist Humboldts Nährstoffspritze in Gefahr?
17.03.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen