Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aurora Borealis: Eisbrecher, Bohrschiff und Mehrzweck-Forschungsschiff für die Polarmeere

04.12.2008
Technisches Design des neuen europäischen Forschungsschiffs "Aurora Borealis" abgeschlossen

Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft und die Firma Wärtsilä Ship Design Germany (vormals SCHIFFKO GmbH) stellten heute in Berlin das technische Design des europäischen Forschungsschiffs "Aurora Borealis" vor. "Aurora Borealis" wird ein einzigartiges Schiff werden - eine Kombination aus Eisbrecher, Bohrschiff und Mehrzweck-Forschungsschiff, das zu allen Jahreszeiten für den Einsatz in den Polarmeeren geeignet ist.

Der Bau der "Aurora Borealis" wurde bereits im Jahr 2006 durch den Wissenschaftsrat empfohlen. Man rechnet mit Baukosten von 650 Millionen Euro (Stand 2008). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) förderte die technischen Planungen und Vorarbeiten mit 5,2 Millionen Euro, als Voraussetzung für eine mögliche Realisierung.

Eine entsprechende Finanzierung vorausgesetzt, sollen die Vorbereitungen für den Bau des Schiffes 2011 abgeschlossen werden, so dass der Bau selbst 2012 begonnen werden könnte. Mit dem ersten Einsatz der "Aurora Borealis" wäre in diesem Fall im Jahr 2014 zu rechnen.

Das wohl anspruchsvollste Forschungsschiff weltweit soll als europäische Kooperation realisiert werden. Die europäischen Nationen haben großes Interesse daran, die arktische Umwelt und deren potenzielle Veränderungen zu verstehen, da ihre Territorien teilweise bis in die hohen nördlichen Breiten reichen und Europa in ständigem Austausch mit und unter dem Einfluss der arktischen Umwelt steht. Deshalb wurde "Aurora Borealis" als eines von nur sieben Großforschungsprojekten der Sektion "Environmental Sciences" in die Liste des "European Strategy Forum on Research Infrastructures" (ESFRI) der Europäischen Kommission im 7. EU-Forschungsrahmenprogramm aufgenommen. Daraufhin haben 15 Institutionen und Gesellschaften aus zehn europäischen Ländern einschließlich Norwegens und der Russischen Föderation im Jahr 2008 das "European Polar Research Icebreaker Consortium", genannt ERICON gegründet, das von der Europäischen Kommission mit 4,5 Millionen Euro gefördert wird.

Deutschland hat sich mit dem seit mehr als 25 Jahren in den Polarmeeren operierenden Forschungsschiff "Polarstern", das vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut betrieben wird, einen sehr guten Ruf erworben. Allein das Alfred-Wegener-Institut ist durch mehr als 74 Kooperationsverträge mit den wichtigsten internationalen Zentren der Polar- und Meeresforschung verbunden. "Polarstern" wird der deutschen Forschung als unverzichtbarer Bestandteil auch weiterhin zur Verfügung stehen. Mit der "Aurora Borealis" soll die Wissenschaft nun aber zusätzliche Verstärkung erhalten, die der deutschen und der europäischen Polar- und Meeresforschung eine einzigartige Möglichkeit eröffnet, ihre Spitzenstellung im globalen Wettbewerb für die nächsten Jahrzehnte auszubauen und zu festigen.

Forschungseisbrecher der Größe und Leistungsfähigkeit für den ganzjährigen autonomen Einsatz in den Polargebieten gibt es bislang weltweit weder im kommerziellen Sektor noch im wissenschaftlichen Einsatz. Die "Aurora Borealis" wird somit erstmals ganzjährige Expeditionen in die extremsten, bisher kaum erforschten Regionen unserer Erde ermöglichen und damit Erkenntnisse über die Geschichte, die klimatische Entwicklung und die heutige Umwelt der Polargebiete liefern.

Wer die ungelösten Fragen unseres Klimas klären will, muss die Arktis bereisen, um Bohrungen auszubringen - und er muss gegen Packeis gewappnet sein. Die "Aurora Borealis" wird daher einen Bohrturm tragen, mit dem bis zu einer Wassertiefe von 5000 Metern noch einmal 1000 Meter in das Sediment gebohrt werden kann. Wissenschaftliche Tiefbohrungen werden damit erstmals selbst im treibenden Packeis, ohne Unterstützung durch andere Eisbrecher, möglich sein. Um diese Tiefbohrungen durchführen zu können, muss die "Aurora Borealis" im driftenden Eis exakt auf Position gehalten werden. Dazu braucht sie ein eisfähiges, dynamisches Positionierungssystem - ein absolutes Novum in der Schifffahrt. Nach umfangreichen Modelltests in den Eistanks der Hamburgischen Schiffbau Versuchsanstalt (HSVA) und bei Aker Arctic in Helsinki konnte nun nachgewiesen werden, dass "Aurora Borealis" bei einer Eisdecke von wenigstens zwei Metern tatsächlich dynamisch positionieren kann.

Eine weitere Besonderheit der "Aurora Borealis" sind ihre zwei sieben mal sieben Meter großen "Moon Pools" - durchgehende Schächte in der Mitte des Schiffsrumpfes, durch die Techniker und Wissenschaftler Geräte in die See absenken können, ohne Wind und Wellen ausgesetzt zu sein. Über dem hinteren "Moon Pool" wird der Bohrturm stehen, der vordere ist allen anderen wissenschaftlichen Arbeiten vorbehalten und erlaubt es erstmals, auch sehr empfindliche und teure Geräte, wie ferngesteuerte oder autonome Roboter unter einer geschlossenen Eisdecke auszubringen. Rings um diesen "Moon Pool" werden auf mehreren Decks die Laboratorien angeordnet sein, gestaltet als Atrium mit Rundgang und Geländern. Hier sind außerdem zahlreiche Stellplätze für zusätzliche wissenschaftliche Laborcontainer vorgesehen, so dass das Schiff für jede Forschungsexpedition optimal mit Laboratorien ausgerüstet werden kann.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie