Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf der Spur der Erdbeben im Mittelmeer

06.10.2014

Wissenschaftler des GEOMAR starten Expedition zu Plattengrenzen vor Sizilien

Das Mittelmeer gehört zu den beliebtesten Urlaubsregionen der Deutschen. Gleichzeitig ist es ein Gebiet, in dem regelmäßig die Erde bebt – mit allen dazugehörigen Folgen wie Hangrutschungen und Tsunamis.


Die Ozeanbodenseismometer reagieren auf feinste Erschütterungen am Meeresboden.

Foto: GEOMAR

Um das bisher nur bruchstückhafte Wissen über die Vorgänge am Boden des Mittelmeers zu erweitern und die Risiken besser abschätzen zu können, starten Forscher des GEOMAR zusammen mit Kollegen aus Frankreich und Italien jetzt mit dem deutschen Forschungsschiff METEOR zu einer Expedition ins Seegebiet südöstlich von Sizilien.

Er stand für Lebensfreude und Genuss, aber auch für Lärm, Ekstase und Chaos. Damit ist der griechische Gott Dionysus ein gutes Sinnbild für die Natur des Mittelmeerraums. Auch sie symbolisiert für viele Menschen Entspannung und süßes Leben. Gleichzeitig ist das Mittelmeer eine äußerst dynamische Region, wo mehrere Erdplatten aneinander stoßen und dementsprechend immer wieder Naturkatastrophen Opfer fordern. Obwohl rund 250 Millionen Menschen im Einzugsbereich des Mittelmeers leben und jedes Jahr etliche Millionen Touristen an den Küsten hinzukommen, sind die genauen Gefahrenpotenziale bisher nur unzureichend erforscht.

Wissenschaftler aus Italien, Frankreich und Deutschland wollen jetzt die Plattengrenzen zwischen Europäischer und Afrikanischer Erdplatte vor Sizilien und Malta genau untersuchen. Benannt haben sie ihr Projekt nach eben jenem Gott DIONYSUS, wobei der Name als Akronym für „Deep structure of the IONian sea and east sicilY: wide-angle seismic SUrvey of the Calabria Subduction zone and tethys margins“ (Tiefe Strukturen des Ionischen Meers und Ostsiziliens: Weiträumige seismische Untersuchung der kalabrischen Subduktionszone und der Thethys Hänge) steht.

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts DIONYSUS ist eine Ausfahrt des deutschen Forschungsschiffs METEOR unter Fahrtleitung der Geophysikerin Prof. Dr. Heidrun Kopp vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Am 10. Oktober verlässt die METEOR dafür den Hafen von Catania (Sizilien) und fährt ins Untersuchungsgebiet südöstlich von Sizilien.

„Die Region ist deshalb von großem Interesse, weil sie in der Vergangenheit wiederholt von verheerenden Erdbeben und Tsunamis getroffen wurde“, erklärt Professorin Kopp. So forderte ein Erdbeben in der Meerenge von Messina im Jahr 1908 sowie ein darauf folgender Tsunami 72.000 Menschenleben. „Heute wäre die Opferzahl sicherlich um ein Vielfaches höher“, betont die Kieler Geophysikerin, „schließlich sind Küsten mittlerweile deutlich dichter besiedelt“.

Bisher versteht die Forschung die Ursachen für die wiederholten Erdbeben in dieser Region nicht im Detail, aber man weiß, dass diese untermeerischen Erschütterungen regelmäßig auch Tsunamis auslösen, die zu weiteren Zerstörungen führen. „Unsere Arbeiten leisten daher einen direkten Beitrag zur regionalen Gefährdungsanalyse vor Ort“, sagt Professorin Kopp.

Die Forscher planen während der 24-tägigen Ausfahrt die Struktur des Ozeanbodens bis in Tiefen von 30 Kilometern zu untersuchen. Dazu werden sogenannte Ozeanbodenseismometer (OBS) in 3500 Metern Tiefe am Meeresboden abgesetzt. Sie sollen Erdbebensignale und künstlich erzeugte akustische Wellen registrieren, die durch das Erdinnere laufen und an verschiedenen Gesteinsschichten unterschiedlich abgelenkt und reflektiert werden.

„So können wir ähnlich wie bei einer Computertomographie das Erdinnere durchleuchten“, führt Heidrun Kopp aus. Um auch Detailstrukturen in großer Tiefe hochauflösend abbilden zu können, ist eine große Anzahl an Instrumenten vonnöten. Daher stellen das GEOMAR und das ebenfalls beteiligte französische Meeresforschungszentrum IFREMER jeweils 30 Ozeanbodenseismometer zur Verfügung, sodass insgesamt 60 Instrumente gleichzeitig am Meeresboden installiert werden.

Zusätzlich zu den Meeresbodenstationen wird der seismologische Dienst Rom während des Experimentes Seismometer an Land installieren, um eine kontinuierliche Aufzeichnung von See bis an die Flanken des Ätna zu gewährleisten. „Wir vereinen sowohl unsere Expertise als auch unsere Infrastruktur mit den französischen und italienischen Kollegen, um so auf europäischer Ebene die Komplexität der tektonischen Prozesse im Mittelmeer zu entschlüsseln“, sagt Heidrun Kopp.

Expedition auf einen Blick:
FS METEOR Reise: M111
Fahrtleitung: Prof. Dr. Heidrun Kopp (GEOMAR)
Projekt: DIONYSUS
Fahrtdauer: 10.10.2014-01.11.2014
Starthafen: Catania (Sizilien)
Arbeitsgebiet: Ionisches Meer
Zielhafen: Catania (Sizilien)

Weitere Informationen auf der GEOMAR-Expeditionsseite www.geomar.de/go/expeditionen

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.ifremer.fr IFREMER (Institut français de recherche pour l'exploitation de la mer)
http://www.univ-brest.fr Universität Brest
http://www.unimi.it/ Universität Mailand

Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise