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Antarktis-Meeresgrund zeigt Eisrückzug

07.05.2009
Gräben unter Wasser gleichen norwegischen Fjorden

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Das Erforschung des antarktischen Meeresbodens gibt wichtige Hinweise darüber, wie der Meeresspiegel in Zukunft steigen wird. Das Fachmagazin Geology berichtet von einer deutsch-britischen Expedition, der es gelang, Rinnen und Kanäle am Grund der Admundsen-See vor der Westantarktis abzubilden und das hier vorkommende Gestein näher zu bestimmen.


"Wir konnten damit zeigen, wie sich das westantarktische Eisschild in den letzten 20.000 Jahren dynamisch vor- und zurückentwickelt hat. Das ist wichtig, da wir für eine Prognose künftiger Eisbewegungen mehr über vergangene Prozesse wissen müssen", berichtet der Geophysiker Karsten Gohl im pressetext-Interview. Der Wissenschaftler vom Alfred-Wegener Institut leitete den deutschen Expeditionstrupp auf dem Schiff "Polarstern".

Die Admundsen-See südlich der Südspitze Südamerikas wies sich als günstige Region für die Forschung, da sie bis knapp vor der Antarktisküste eisfrei ist und somit Spuren früherer Eisschilder besonders gut beobachten lässt. Die Forscher verwendeten für die Meeresboden-Abbildung eine Sonarmethode, bei der ein schwenkbares Echolot die vom Boden reflektierten Wellen auffängt.

Kilometerbreite Streifen werden dabei abgebildet und am Computer zusammengesetzt. "Der Meeresboden ist bis zu 1.600 Meter tief eingefurcht und besitzt Tröge und Wannen, vergleichbar mit den Fjorden Norwegens", berichtet Gohl. In der Zone innerhalb der ersten 50 Kilometer ab der Küste fanden die Forscher sehr raues Hartgestein. "Es handelt sich dabei um Vulkangestein, Granit und Gneise, das auch in seiner Form rau und komplex ist. Sedimente und Sandsteine gab es hier keine."

Die Messdaten werden in ein Computermodell eingespeist, das die Geschwindigkeit der Wanderbewegung der Antarktisgletscher berechnet. "Das nachrückende Eis traf in der Vergangenheit durch den harten Boden auf Widerstand und wurde somit abgebremst", erklärt Gohl. Bedeutung habe diese Erkenntnis auch für globale Klimamodelle. Aufgrund der bisher fehlenden Daten über die Antarktis habe man bisher kaum abschätzen können, welcher Anteil des Meeresspiegel-Anstiegs vom Menschen verursacht ist. "Der Weltklimarat konnte etwa bei seinen bisherigen Prognosen des Meeresspiegel-Anstiegs den Faktor der schmelzenden Eisschilder kaum berücksichtigen, da es dafür noch zuwenig Parameter gab", so der Geophysiker. Den Ausschlag für veränderten Meeresspiegel geben nicht die schwimmenden Eisberge, sondern allein das kontinentale Eis an den Polkappen.

In vielen Polarregionen rutscht das Eis in Richtung Meer, wo es schließlich abbricht und Eisberge bildet. Satellitenaufnahmen zeigen, dass in der Westantarktis - dem südlich von Südamerika gelegenem Teil des Kontinents - die Eismasse besonders schnell rutscht und mit der Zeit immer dünner wird. "Ähnlich wie in Grönland verliert die Westantarktis mehr Eis durch Abfließen ins Meer als durch Schneefall zugetragen wird", erklärt Gohl. Warum diese Bewegung in dieser Region so schnell vor sich geht, wisse man bisher noch nicht.

"Eine Möglichkeit ist, dass warme Meeresströmungen aus der Tiefsee in die tiefen Tröge eintreten und beim am Meeresboden aufliegenden Eis Schmelzprozesse beschleunigen", so der Polarforscher. Eine weitere These besagt, dass vulkanische Aktivitäten unter dem Eis an dessen Untergrund hohe Wärmeflüsse verursachen. Wie groß der Anteil des Menschen am Eisrückgang ist, soll durch weitere Forschungen geklärt werden.

Johannes Pernsteiner | Quelle: pressetext.deutschland
Weitere Informationen: www.awi.de

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