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Anpassung an den Klimawandel: natürliche Wasserquellen in den trockensten Regionen der Erde nutzen

25.11.2015

Im Norden Namibias sind natürliche Wasserquellen seit jeher knapp. Es zeichnet sich ab, dass der Klimawandel den Druck auf die Ressource Wasser noch verstärken wird. Wie kann die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung dennoch gesichert werden? Wie gelingt die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen oder die Abwasserversorgung?

Im deutsch-namibischen Forschungs- und Entwicklungsprojekt CuveWaters ist es in enger Zusammenarbeit von Wissenschaft, Praxispartnern und Bevölkerung gelungen, Lösungen für eine nachhaltige Wasserver- und -entsorgung zu entwickeln und umzusetzen. Sie sind Blaupause für andere sogenannte semiaride Regionen der Erde.


Farmerinnen im Green Village am Projektstandort Epyeshona

ISOE

Nach fast zehnjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit hat das CuveWaters-Team unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung seine umfangreichen Ergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts zum Integrierten Wasserressourcen-Management heute in Windhoek präsentiert.

Das komplexe Versorgungssystem wurde an verschiedenen Standorten im Cuvelai-Etosha Basin umgesetzt. Hier ist die Bevölkerung besonders stark von klimatischen Extremen wie Überschwemmungen und anhaltenden Trockenperioden betroffen.

In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt, Praxispartnern und namibischen Partnern vor Ort konnten während der Projektlaufzeit selbst fernab von zentralen Wasserleitungen neue Trinkwasserquellen mithilfe solarbetriebener Entsalzungsanlagen gewonnen werden.

Anlagen für Regenwassersammlung und Flutwasserspeicherung stellen Nutzwasser für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen zur Verfügung – eine Innovation für diese Region: Mehrere Familien können ganzjährig Gemüse anbauen und auf lokalen Märkten verkaufen.

Im Zuge von CuveWaters ist aber auch ein neuartiges energieeffizientes Sanitär- und Abwasserkonzept mit anschließender Wasserwiederverwendung entstanden. Etwa 1500 Bewohner von Outapi, meist aus einkommensschwachen Haushalten, können jetzt Waschhäuser, Duschen und Toiletten nutzen. Aus dem Abwasser wird nicht nur nährstoffhaltiges Brauchwasser für die Feldbewässerung gewonnen, sondern auch Biogas für die Strom- und Wärmeerzeugung.

Bedarfsgerechte Lösungen durch transdisziplinären Forschungsprozess:
Wissensaustausch zwischen Bevölkerung und Wissenschaft

Um die Anlagen eigenverantwortlich weiterbetreiben zu können, wurden Bewohnerinnen und Bewohner für Bau, Betrieb und Wartungen geschult. Auch zum Bewässerungsgartenbau und zur Nutzung des gesamten Sanitärkonzepts gab es umfangreiche Schulungen. Die Selbstverantwortung der Menschen vor Ort durch ein „Capacity Development“ zu stärken und zugleich Konzepte für ein sogenanntes „Good Governance“ zu entwickeln, waren Teil des Projekts. So können die aufgebauten Strukturen langfristig erhalten werden.

Umgekehrt floss aber auch das Wissen der Bevölkerung in die Entwicklung und Umsetzung der Anlagen ein: „Für eine sinnvolle Umsetzung und Anwendung der Technologie mussten wir erst die Bedarfe kennen und die lokalen Begebenheiten verstehen,“ sagte Projektleiter Thomas Kluge heute in Windhoek. „Nur der Wissensaustausch – also durch das gegenseitige Lernen von Wissenschaft und Bevölkerung – kann die nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen garantieren.“

Auch der deutsche Botschafter in Namibia, Matthias Schlaga, bewertet diesen Lernprozess innerhalb der „innovativen Forschungs- und Praxisallianz von CuveWaters“ als Meilenstein der 25-jährigen Zusammenarbeit zwischen Namibia und Deutschland. „Das Projektteam hat nachhaltige Lösungen für die Wasserversorgung im Norden Namibias entwickelt“, meint Botschafter Schlaga. Dies sei ein Schlüssel für die Zukunft Namibias.

Verbindung von Wasserversorgung, Ernährungssicherung und Energiegewinnung: vorbildliche Pilotanlagen für das ganze südliche Afrika

Überzeugt vom anhaltenden Erfolg von CuveWaters zeigen sich auch die namibischen Projektpartner. „Dass die Bewohner einer der trockensten Regionen der Erde sich unabhängig von Regenzeiten mit Wasser versorgen können, hat die Lebensbedingungen schon jetzt nachhaltig verbessert“, ist sich der namibische Agrarminister John Mutorwa sicher. Insbesondere, weil die Lösungen die Problemfelder Wasser, Ernährung und Energie miteinander verbinden, könnten sie Armut reduzieren, Gesundheit und Ernährung sichern und eine Anpassung an den Klimawandel ermöglichen.

Gerade die Nutzung von Abwasser als Ressource wie am Standort Outapi – zur Gewinnung von Energie und Nährstoffen für den landwirtschaftlichen Anbau – sei nicht nur für den Norden Namibias, sondern für das gesamte südliche Afrika einmalig und vorbildlich. Auch Projektleiter Thomas Kluge vom ISOE sieht in der Verbindung dieser neuartigen Technologien mit einer entsprechenden Aus- und Fortbildung der Bevölkerung „eine sinnvolle Investition, der ein hoher Nutzen gegenübersteht“.

Geteiltes Wissen: ausführliche Dokumentation der Projektergebnisse zu
Technologien und Umsetzungen

Damit die Ergebnisse aus diesem Pilotprojekt für das gesamte südliche Afrika und darüber hinaus auch für andere semiaride Regionen der Erde genutzt werden können, hat das Projektteam seine umfangreichen Ergebnisse auf seiner Website zugänglich gemacht. Darunter die Factsheets zu den einzelnen Technologien: Sanitation and Water Reuse, Groundwater Desalination, Floodwater Harvesting sowie Rainwater Harvesting.

Für die in Namibia noch neuartigen Regen- und Flutwassersammelanlagen steht außerdem ein umfangreiches Technology Toolkit for Rain- and Floodwater Harvesting (RFWH Toolkit) zur Verfügung, das den gesamten Bedarf für Aufbau und Nutzung zeigt. Der Wissensaustausch ist ein essentieller Bestandteil der CuveWaters-Philosophie. Das Ziel ist, Instrumente für Planung und Umsetzung zu entwickeln und Hilfe für Entscheidungsträger zu geben. Deshalb sollen die umfangreichen Ergebnisse und Expertisen auch nach dem Projektende zur Verfügung gestellt werden.

CuveWaters ist ein Verbundprojekt des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main und der Technischen Universität Darmstadt. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Zu den namibischen Kooperationspartnern gehören das Ministerium für Landwirtschaft, Wasser und Forsten (MAWF), das Outapi Town Council und die Desert Research Foundation of Namibia (DRFN). Die Projektstandorte sind Iipopo, Outapi, Epyeshona, Akutsima und Amarika.

Pressekontakt:
Melanie Neugart (ISOE)
Tel. +49 69 707 6919 51
neugart@isoe.de

Weitere Informationen:

http://www.isoe.de
http://www.cuvewaters.net

Melanie Neugart | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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