Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Afrika für den Klimawandel wappnen

24.06.2014

Klimaexperten gehen davon aus, dass der Klimawandel die Landwirtschaft in Afrika besonders hart treffen wird. Wie man darauf am besten reagieren kann, wird im Forschungsprojekt WASCAL untersucht. Dabei spielt auch die Ausbildung afrikanischer Nachwuchswissenschaftler eine große Rolle.

Ende Mai ist Jean-Bosco Benewindé Zoungrana (28) aus Burkina Faso in Würzburg angekommen. Der Geograph von der Kwame Nkrumah University of Science and Technology in Kumasi (Ghana) bleibt drei Monate hier, um seine Doktorarbeit weiter voranzubringen: Er beschäftigt sich am Lehrstuhl für Fernerkundung mit Satellitendaten und ihrer Verarbeitung zu hoch aufgelösten Landkarten, auf denen sich die Landnutzung in Westafrika detailliert erkennen lässt.


Was wächst wo in Westafrika: Mit ihren Karten können die Würzburger Geographen die Landnutzung sehr kleinräumig beschreiben. Karte: Gerald Forkuor

Zoungranas Projekt ist im afrikanisch-deutschen Forschungsverbund WASCAL (West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use) angesiedelt, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Der Verbund befasst sich seit 2012 mit der Frage, wie sich die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft und die Ökosysteme in Westafrika abfedern lassen.

Fruchtbare Savannen in Gefahr

Hintergrund: In den Savannen Westafrikas sind Böden und Klima bislang so gut, dass dort Hirse, Mais, und andere wichtige Nutzpflanzen meist gut gedeihen. Doch ausgerechnet für diese Gebiete sagen die Klimaprognosen größere Schwankungen der Niederschläge voraus – ein Risiko für die Versorgung der Menschen mit Grundnahrungsmitteln und für ihren Lebensunterhalt. Wie lassen sich die Existenzgrundlagen in Westafrika nachhaltig sichern? Wie kann man Ackerbau und Ökologie in Einklang bringen? Solchen Fragen gehen die WASCAL-Projekte nach.

Zehn westafrikanische Länder sind in WASCAL eingebunden, die Projektkoordination liegt beim Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn. Von der Universität Würzburg sind Teams der Professoren Stefan Dech (Lehrstuhl für Fernerkundung / Geographie) und Karl Eduard Linsenmair (Tierökologie und Tropenbiologie / Biozentrum) beteiligt. Beide Gruppen erforschen seit vielen Jahren die Landnutzung und die Biodiversität in Westafrika.

Satellitendaten für die Landwirtschaft

Wie werden die westafrikanischen Savannen überhaupt genutzt? Wo wird Ackerbau betrieben, wo gibt es Baumbestände? Welche Feldfrüchte wachsen wo? Und wie verändert sich die Situation über die Jahre hinweg? Solche grundlegenden Fragen klären die Würzburger Geographen unter Leitung von Dr. Michael Thiel mit Hilfe von Satellitendaten und immer besseren Landnutzungskarten.

Für 2013 haben die Forscher ihre Karten weiter verfeinert. „Wir haben erstmals Radardaten mit einfließen lassen, so dass wir seitdem auch wetterunabhängige Informationen verarbeiten“, sagt Thiel. Wichtig ist das besonders in der Regenzeit. Dann hängt eine dicke Wolkendecke über Westafrika, und die Satelliten können keine Fotos von der Erdoberfläche liefern.

Die Geographen wollen aber noch besser werden. Derzeit prüfen sie, ob sie weitere Erkenntnisse über die westafrikanische Landwirtschaft bekommen, wenn sie zusätzlich Daten vom Satelliten „Landsat“ verwenden, der die Erde mit unterschiedlichen Sensoren beobachtet. Genau bei diesem Projekt macht auch Doktorand Jean-Bosco Benewindé Zoungrana mit, der bis Ende August in Würzburg bleibt.

Capacity Building mit hohem Stellenwert

Das Beispiel des Doktoranden aus Burkina Faso macht deutlich: WASCAL räumt dem „Capacity Building“, also der Ausbildung afrikanischer Nachwuchswissenschaftler, einen sehr großen Stellenwert ein. Das Projekt beinhaltet gleich mehrere Graduiertenschulen für junge Forscher aus den zehn beteiligten Ländern.

Ein anderer Doktorand im Projekt ist Gerald Forkuor aus Ghana, der dauerhaft in der Würzburger Geographie arbeitet. Ausschließlich afrikanische Doktoranden sind im Biodiversitäts-Team von Professor Karl Eduard Linsenmair dabei. „Zwei sind von der Universität Ouagadougou, einer von der Universität in Abidjan“, sagt Projektmitarbeiterin Dr. Katharina Stein.

Bestäubern von Baumwolle auf der Spur

Die Würzburger Tropenbiologen erforschen unter anderem, wie in den Savannen die Landschaft beschaffen sein muss, damit Bauern bestmöglich von den „natürlichen Dienstleistungen“ der Ökosysteme profitieren können – etwa von der Bestäubung ihrer Nutzpflanzen durch Insekten oder Fledermäuse. Katharina Stein konzentriert sich dabei auf den Anbau von Baumwolle und Sesam im Süden von Burkina Faso. „Diese Feldfrüchte sind dort echte ‚cash crops‘, also die Einkommensquellen schlechthin“, sagt sie.

Die Biologin und ihr Team befassen sich derzeit mit der Bestäubung von Baumwollpflanzen. Welche Bienenarten erledigen diese wichtige Arbeit? Welche Wildpflanzen müssen rund um die Felder vorhanden sein, damit es den Bienen gut geht? Das ist eine wichtige Frage, denn Baumwolle blüht nur sechs Wochen lang, so dass die Bienen in der restlichen Zeit ihre Nahrung aus anderen Quellen holen müssen.

Am Ende wissen die Biologen vielleicht, ob bestimmte Bäume unbedingt in der Savanne stehen bleiben und eben nicht abgeholzt werden sollten. Letzteres nämlich geschieht in großem Stil: Laut Stein werden nur im Umfeld der 50.000-Einwohner-Stadt Dano jedes Jahr rund 38.000 Tonnen Feuerholz verbraucht – allein für die Herstellung des traditionellen Dolo-Biers.

Kontakt

Dr. Katharina Stein, Lehrstuhl für Zoologie III (Tierökologie und Tropenbiologie), Biozentrum der Universität Würzburg, T (0931) 31-81820, katharina.stein@uni-wuerzburg.de

Dr. Michael Thiel, Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg,
T (0931) 31-84690, michael.thiel@uni-wuerzburg.de

Weitere Informationen:

https://icg4wascal.icg.kfa-juelich.de/ Homepage des WASCAL-Projekts

Gunnar Bartsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie