Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Äquator war vor 716 Mio. Jahren vereist

09.03.2010
Hinweise für den "Schneeball Erde" in Kanada gefunden

Die Hypothese, dass die gesamte Erde in einer früheren Eiszeit ein einziger Schneeball war, bekommt durch eine neue Forschung wieder Auftrieb. "Die Ozeane am Äquator waren vor 716,5 Mio. Jahren eisbedeckt", schreiben Geologen der Harvard University in der Zeitschrift "Science". Ihre Aussage beziehen sie auf die Untersuchung von Felsen in Kanada, die während der sogenannten "sturtischen Eiszeit" am Äquator lagen.

Die untersuchten Felsen stammen aus der Yukon-Region ganz im Nordwesten Kanadas. Die Forscher identifizierten geriffelte Gesteinsbruchstücke, vom Eis geritzte Trümmer und verformte weiche Sedimente, die allesamt Zeichen von früher Gletscherbildung sind. Eine Analyse des Magnetismus und der Zusammensetzung der Felsen zeigte, dass sich diese vor 716,5 Mio. Jahren in den Tropen etwa auf dem zehnten Breitengrad und auch auf Meeresniveau befanden.

Eislaufen in den Tropen

"Klimamodelle besagen, dass der gesamte Ozean rasch zufrieren kann, sobald das Meereseis einmal über den 30. Breitengrad in Richtung Äquator vordringt. Es spricht daher einiges dafür, dass in der sturtischen Eiszeit alle Breiten vereist waren", erklärt Studienautor Francis Macdonald. Erstmals sei nun bewiesen, dass die mindestens fünf Mio. Jahre andauernde sturtische Eiszeit auch in den Tropen stattfand. Diese Epoche und die direkt darauf folgende marinoische Eiszeit dürften die größten der bisher bekannten Eiszeiten auf der Erde darstellen.

"Die Schneeball-Hypothese gilt für das Neoproterozoikum als relativ gut gesichert", berichtet der Wiener Paläontologe Martin Zuschin http://www.univie.ac.at/Palaeontologie im Gespräch mit pressetext. Die wichtigsten Argumente dafür seien die damals geringere Sonnenradiation, der Schwerpunkt des damaligen Superkontinents in Polnähe sowie die positive Rückkoppelung sich ausbreitender Gletscher. "Allerdings lassen Funde auf der arabischen Halbinsel die komplette Vereisung der Meere ausschließen. Auch kann man den schnellen Klimawechsel noch nicht erklären, auf den Gletschersediment-Überlagerungen durch tropische Kalksteine deuten." Unbestritten sei hingegen, dass die Erde später nie mehr derart große Vereisungen erlebt hat.

Relevant für Klima und Evolution

Für die Klimaforschung hat die Abklärung der Schneeball-Frage folglich hohe Bedeutung. "Klimamodelle können erst dann gut sein, wenn sie rasche und schnelle Klimaänderungen oder extreme Klimabedingungen der Vergangenheit erklären können. Derzeit gelingt das noch nicht, daher sind wesentliche Mechanismen noch nicht verstanden", erklärt Achim Brauer, Klimadynamiker vom Potsdamer GeoForschungsZentrum http://www.gfz-potsdam.de im pressetext-Interview.

Bemerkenswert ist jedoch auch die Tatsache, dass die großen Eiszeiten des Planeten in einer für die Evolution spannenden Phase stattfanden. Bereits vor der sturtischen Eiszeit gab es Einzeller. Deren Überleben sei laut den Studienautoren ein Indiz dafür, dass es immer Stellen mit Sonnenlicht und offenem Wasser gab, wohin sich die ersten Lebensformen flüchten konnten. "Die ersten Funde von vielzelligen Tieren stammen aus der Zeit danach vor 570 Mio. Jahren. Möglicherweise haben die geochemischen Veränderungen etwa die Schwankungen der Kohlenstoff-Isotope, tektonische Bewegungen und die Vereisungen in Summe die Evolution beschleunigt", vermutet der Wiener Paläontologe Zuschin.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.harvard.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Seltener Weizenfund in bronzezeitlicher Lunch-Box aus dem Schweizer Hochgebirge
26.07.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Grossmäuliger Fisch war nach Massenaussterben Spitzenräuber
26.07.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie