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Älteste Pflanzen- und Tierabdrücke aus dem Karbon entdeckt

25.06.2013
Die Überreste eines Tropensturms, der vor rund 305 Millionen Jahren über den nordwestlichen Teil des damaligen Großkontinents Gondwana tobte, haben Forscher der TU Bergakademie Freiberg und der marokkanischen Universität El Jadida im heutigen Nordafrika gefunden: einen fossilen Tümpel, in dem Wind und Wasser Äste, Zweige und Blätter zusammengetrieben hatten.

Die im versteinerten Schlamm entdeckten Pflanzen- und Tierabdrücke liefern wichtige Informationen zum Klima im Karbon-Zeitalter. Unter den Funden befand sich auch ein Samenfarn, der bisher lediglich in Nordamerika aufgespürt und wesentlich jünger datiert wurde. Afrika könnte somit das Evolutionszentrum für die Pflanzenart gewesen sein.


Belahmira Abouchouaib und Prof. Hafid Saber von der Universität El Jadida sowie Doktorand Frank Scholze von der TU Bergakademie Freiberg (von links) fertigen einen Latex-Abguss der Äste und Zweige im versteinerten Tümpel.
TU Bergakademie Freiberg

„Die Abdrücke in dem versteinerten Tümpel sind ein Glücksfall“, beschreibt Prof. Jörg W. Schneider vom Geologischen Institut der Ressourcenuniversität seine Entdeckung. „Sie liefern uns eine exakte Momentaufnahme der Klimasituation vor 305 Millionen Jahren. Denn der Tropensturm, der über das damals weit verzweigte Flusssystem im heutigen Atlasgebirge und der Sous-Ebene ausbrach, muss Stämme umgerissen und Äste von den Bäumen gefetzt haben. Katastrophale Regenfälle ließen die Flüsse über die Ufer treten, die schlammigen Wassermassen wälzten sich durch das Becken. Als nach einigen Tagen das Hochwasser wieder fiel, blieben große Tümpel zurück – voll mit Ästen, Zweigen und Blättern.“ Und dadurch voll mit Informationen zum Klima und zur Waldstruktur dieser Zeit.

So entdeckten die Freiberger Forscher gemeinsam mit ihren marokkanischen Kollegen neben Abdrücken von Farnen, die meistens an feuchten Standorten verbreitet sind, auch bis zu einem halben Meter lange Koniferenäste. Der Fund dieser Nadelhölzer, die trockene Umgebungen bevorzugen, zeigt, dass sich vor 305 Millionen Jahren das warme Klima des nächstjüngeren Erdzeitalters Perm bereits angekündigt und den Lebensraum der Pflanzen und Tiere beeinflusst hat, wie Prof. Jörg Schneider erklärt: „In der zunehmend trockenen Umwelt konnten sich Nadelbäume besser ausbreiten und andere Pflanzenarten verdrängen.“ Die Entdeckung belegt aber auch, dass ein aus dem Perm Nordamerikas bekannter Samenfarn der Gattung Dichophyllum in Nordafrika bereits im Karbon aufgetreten ist.

Aufgrund aller bisherigen Dichophyllum-Funde, die nur aus dem Perm Nordamerikas und Europas bekannt waren, ging die Wissenschaft bislang davon aus, dass sich dieser Samenfarn dort entwickelt hat. Die Farnwedel, die die Freiberger Paläontologen in dem versteinerten Tümpel entdeckt haben, sind aber etwa zehn Millionen Jahre älter. „Damit ist dies der bisher älteste Fund dieser Farnart weltweit“, erläutert Prof. Jörg Schneider. Ähnliches gilt für einige Saurierfährten, die die Paläontologen in der näheren Umgebung des Tümpels fanden. Für die Evolution und Verbreitung einiger Pflanzen- und Tierarten könnte dies ein völlig neues Bild ergeben. „Möglicherweise ist der Teil Gondwanas, den wir jetzt als Nordafrika bezeichnen, ein wichtiges Evolutionszentrum, ein so genannter „evolutionary hotspot“. Das kann aber natürlich erst durch weitere Forschungen geklärt werden.“

Um diese zu ermöglichen hat der Paläontologe gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Hafid Saber von der El Jadida Universität einen etwa zwei Quadratmeter großen Kautschuk-Abguss des Tümpels angefertigt. Die Forscher aus Freiberg und Marokko konnten außerdem Saurierfährten, Fischreste, kleine Schalenkrebse sowie Flügel von Schaben und eines libellenartigen Insekts bergen. Die zahlreichen Fossilfunde und Gesteinsproben werten nun marokkanische Doktoranden am Geologischen Institut der Bergakademie aus. Ziel der Untersuchungen ist es, die Klima- und Umweltprozesse auf dem früheren Großkontinent Pangea, der aus den einst verbundenen Landmassen der heutigen Nord- und Südkontinente bestand, besser zu verstehen.

Simon Schmitt | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-freiberg.de/

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