Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Älteste Gliederfüßer im Bernstein entdeckt

28.08.2012
Einschlüsse 100 Millionen Jahre älter als bisherige Funde – Leitung durch Göttinger Paläontologen

Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter Leitung des Paläontologen Dr. Alexander Schmidt von der Universität Göttingen hat die ältesten als Bernsteinfossilien erhaltenen Arthropoden (Gliederfüßer) entdeckt.


Detailansicht dreier Bernsteintropfen aus der Trias Italiens. Foto: Universität Padua / Stefano Castelli


Zwei neue Arten von Gallmilben in 230 Millionen Jahre alten Bernsteintropfen aus Italien in 1000-facher Vergrößerung aufgenommen: Triasacarus fedelei (links) und Ampezzoa triassica
Foto: Universität Göttingen

Die etwa 230 Millionen Jahre alten Einschlüsse aus der Trias, ein Zweiflügler und zwei Milben, wurden in nur millimetergroßen Bernsteintropfen gefunden. Sie stammen aus den italienischen Dolomiten und sind etwa 100 Millionen Jahre älter als bisherige Funde von Arthropoden in Bernsteinen. Die Ergebnisse sind in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS) erschienen.

Bernsteine sind fossile Harze, die überwiegend von Koniferen stammen. Geringe Mengen Bernstein traten zwar bereits im Karbon vor 340 Millionen Jahren auf, größere Lagerstätten hingegen existieren erst seit der Kreidezeit vor etwa 130 Millionen Jahren. Die Göttinger Arbeitsgruppe von Privatdozent Dr. Alexander Schmidt vom Courant Forschungszentrum Geobiologie durchsuchte etwa 70.000 der triassischen Bernsteintropfen nach Einschlüssen jeglicher Art. Neben Mikroorganismen und Pflanzenresten kamen dabei drei Arthropoden zum Vorschein, die am American Museum of Natural History in New York und im kanadischen Ottawa von Spezialisten untersucht wurden.
Bei zwei dieser Einschlüsse handelt es sich um neue Milbenarten, Triasacarus fedelei und Ampezzoa triassica. Diese repräsentieren die ältesten Fossilien der extrem spezialisierten Gruppe Eriophyoidea, zu der heute über 3.500 Arten gehören, die sich von Pflanzen ernähren und oft abnormes Wachstum („Gallen“) an den Wirtspflanzen verursachen. Die Gallmilben aus dem frühen Erdmittelalter sind den heutigen überraschend ähnlich. Auch vor 230 Millionen Jahren waren alle der charakteristischen Merkmale dieser Gruppe bereits vorhanden. „Diese Gruppe muss daher wesentlich älter sein, als bisher angenommen“, berichtet Dr. Schmidt.

Die Milben aus der Trias haben als Parasiten auf den Blättern der Bäume gelebt, deren Harz sie schließlich einschloss. Etwa 97 Prozent der heutigen Gallmilben ernähren sich von Blütenpflanzen, jedoch existierten Triasacarus und Ampezzoa 100 Millionen Jahre vor dem Auftreten dieser heute dominierenden Pflanzengruppe. „Wir wissen jetzt, dass Gallmilben sehr anpassungsfähig sind“, sagt Koautor Prof. Dr. David Grimaldi, Spezialist für fossile Arthropoden am American Museum of Natural History in New York. „Als die Blütenpflanzen später in der Kreidezeit begannen, die Landlebensräume zu dominieren, änderten diese Milben ihre Ernährungsgewohnheiten, und heute leben nur drei Prozent der Arten auf Nadelbäumen. Dies zeigt, dass Gallmilben in der Lage sind, die jeweils vorherrschenden Pflanzen zu nutzen und dass sie sich zusammen mit ihren Wirtspflanzen entwickelt haben.“

Der dritte Bernsteineinschluss, ein Zweiflügler, kann nicht genauer identifiziert werden, da die meisten Körperteile nicht vollständig erhalten sind. Aber dieses Fossil zeigt, dass auch Insekten in ungewöhnlich alten Bernsteinen enthalten sein können. „Nach dem größten Massenaussterben der Erdgeschichte am Ende des Perm vor etwa 250 Millionen Jahren gab es in der darauffolgenden Trias große Veränderungen in der Pflanzen- und Tierwelt. Für das Verständnis der Evolution des Lebens auf der Erde ist die Zeit der Trias daher besonders wichtig“, sagt Dr. Schmidt.

Originalveröffentlichung: Alexander Schmidt et al. Arthropods in amber from the Triassic Period. Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA. Doi: 10.1073/pnas.1208464109.

Kontaktadresse:
Dr. Alexander Schmidt
Georg-August-Universität Göttingen
Courant Forschungszentrum Geobiologie
Goldschmidtstraße 3, 37077 Göttingen, Telefon (0551) 39-7957
E-Mail: alexander.schmidt@geo.uni-goettingen.de

Thomas Richter | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/de/96613.html
http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=4267

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Ursuppe in Dosen
21.06.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften