Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Abendmenschen gehören nicht in die Frühschicht

26.02.2013
Wissenschaftliche Arbeit liefert neue Erkenntnisse zur Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern in der Produktion

Die Leistungsfähigkeit eines Menschen verändert sich im Tagesverlauf. Wie eine wissenschaftliche Arbeit des Instituts für Integrierte Produktion Hannover belegt, hängen die Schwankungen stark vom Typ ab: Morgenmenschen zeigen demnach wesentlich konstantere Leistungen als Abendmenschen. Diese typabhängigen Leistungsschwankungen konnte der Ingenieur Jens-Michael Potthast in seiner Doktorarbeit für manuelle Montagetätigkeiten nachweisen.

Morgenmenschen sind in den frühen Stunden des Tages besonders aktiv und leistungsfähig. Populärwissenschaftlich werden sie deshalb oft als Lerchen bezeichnet. Abendmenschen hingegen laufen – wie Eulen – erst in späteren Stunden zur Höchstform auf. So weit, so bekannt. Eine wissenschaftliche Arbeit, die kürzlich am Institut für Integrierte Produktion Hannover entstanden ist, liefert nun weitere Erkenntnisse: Demnach sind die Leistungshochs und -tiefs der Morgen- und Abendmenschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Morgenmenschen zeigen der Untersuchung zufolge über den Tag konstantere Leistungen. Die Leistung der Eulen schwankt im Vergleich zu den Lerchen wesentlich stärker und erreicht in der Nacht ihren Tiefpunkt.

Herausgefunden hat dies Jens-Michael Potthast, ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter des IPH, in seiner Doktorarbeit. Darin hat sich der Ingenieur mit zirkadianen Leistungsschwankungen (d. h. Leistungsschwankungen im Tagesverlauf) bei Montagearbeiten beschäftigt. Potthast befragte dazu 24 Mitarbeiter eines Automobilzulieferers und erfasste ihre Leistungen anhand von Maschinendaten. Die Probanden arbeiteten in der Montage; ihre Arbeit umfasste sowohl geistige wie auch körperliche Komponenten. Bei seiner Forschung konzentrierte sich Potthast auf in der Person begründete Einflussfaktoren. Zu diesen intrapersonellen Faktoren zählen das Geschlecht, das Alter, der Biorhythmus, die Berufserfahrung, die Zufriedenheit und die Müdigkeit des Mitarbeiters.

Potthast konnte nachweisen, dass der Einflussfaktor Biorhythmus bei den Montagearbeitern einen signifikanten Einfluss auf die zirkadianen Leistungsschwankungen hat. Zudem zeigte sich, dass rein geistige Tätigkeiten größeren Schwankungen unterliegen als Tätigkeiten, die sowohl geistige wie auch körperliche Arbeit umfassen. Diese Erkenntnis erweitert die Forschungsarbeiten des Arbeitsphysiologen Otto Graf, der rein geistige Tätigkeiten mit dem Ablesen von Gaszahlerständen untersucht und den Begriff der Leistungskurve eingeführt hatte.

Interessant ist das Forschungsergebnis vor allem für produzierende Unternehmen. Denn bei der Planung von Frühschicht, Spätschicht und Nachtschicht könnte der Dissertation zufolge eine typgerechte Einteilung der Mitarbeiter den Leistungsgrad steigern. Morgenmenschen sind in der Frühschicht 4% leistungsfähiger als Abendmenschen. Abendmenschen wiederum können in der Spätschicht 8% mehr leisten. Lediglich in der Nachtschicht gibt es kaum Unterschiede zwischen Lerchen und Eulen. Nachts sinkt bei beiden Gruppen die Leistungsfähigkeit.

Dass die Leistungsfähigkeit des Menschen im Tagesverlauf schwankt, stellten Forscher bereits in den fünfziger Jahren fest. Der Wissenschaftler Graf untersuchte damals Leistungsschwankungen im Tagesverlauf. Demnach sind Menschen am Vormittag besonders leistungsfähig, während sie am Nachmittag ein Leistungstief durchlaufen. Die Schwankungen hängen von unterschiedlichen Faktoren ab. So haben zum Beispiel das Alter, das Geschlecht, der Gesundheitszustand und die Zufriedenheit des Mitarbeiters Einfluss auf die Leistungsfähigkeit. Die wissenschaftliche Arbeit von Potthast ist die erste, in der die biorhythmusbedingten Unterschiede zwischen Morgen- und Abendmenschen nachgewiesen werden konnten.

Meike Wiegand | idw
Weitere Informationen:
http://www.iph-hannover.de/
http://www.pzh-verlag.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops