Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

3.500 Jahre Bewässerungsfeldbau in der Küstenwüste Perus

14.10.2008
Geographen der Universität Jena erforschen Flussoasen im Süden Perus

Wasser bedeutet Leben. Besonders augenfällig wird das an Oasen, die mitten in einer Wüste liegen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Hochkultur des Alten Ägyptens, die auf den segensreichen Hochwassern des Nils beruhte. Nicht ganz so lange, aber seit mehr als 3.500 Jahren, sind die Flussoasen in der Küstenwüste von Peru besiedelt.

Privatdozent Dr. Jussi Baade und sein Mitarbeiter Dr. Ralf Hesse von der Universität Jena haben mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die Entwicklung der Kulturlandschaft im Palpa-Tal im Süden Perus erforscht. Sie konnten belegen, dass die bis zu vier Meter mächtigen Terrassen durch die kontinuierliche Bewässerung mit sedimentbefrachtetem Flusswasser entstanden sind. "Bei unseren Untersuchungen haben wir festgestellt, dass sich jedes Jahr bis zu 3 Millimeter Boden abgesetzt hat. Bislang wurde davon ausgegangen, dass unregelmäßig auftretende Überschwemmungen diese Terrassen im Palpa-Tal entstehen ließ", sagt Baade. Bei dieser Theorie sei von einem Klimawandel in der Küstenwüste Perus ausgegangen worden, der sich nicht bestätigen ließ.

Im Rahmen ihrer Feldforschungen hoben die Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität zahlreiche Gruben aus, um die Abfolge der Bodenschichten zu analysieren. Mittels sedimentologischer Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die Entstehung der Terrassen im Wesentlichen auf den jahrtausendelangen saisonalen Eintrag von Sediment durch die Bewässerung mit Flusswasser zurückzuführen ist. Das Vorhandensein von Holzkohle und Keramikscherben wird als weiterer Beleg für die landwirtschaftliche Nutzung gewertet. Mit der Radiokohlenstoffmethode wurde das Alter der Proben bestimmt. Die ersten Bewässerungsböden sind demnach zwischen 4.900 und 3.500 Jahre alt. Ihr heutiges Ausmaß erreichte die Bewässerungsfläche wohl bereits vor 2.150 bis 1.300 Jahren, also deutlich vor der spanischen Besiedlung.

Die Bewohner der Flussoase entlang des Rio Palpa und des Rio Vizcas, die beide in den Rio Grande münden, profitieren bis heute von einem ausgeklügelten System der Kanalbewässerung. Sie bauen u. a. Kichererbsen, Baumwolle, Mais, Mangos und Zitrusfrüchte an. Offensichtlich wirkt sich der Unterschied im Höhenniveau zwischen Äckern und Fluss positiv aus. "Wir haben kaum Versalzungen festgestellt", sagt Ralf Hesse. Das liege wohl auch daran, dass das eingeleitete Wasser nach unten sickern kann. Von Vorteil war zudem die Begrenzung der Anbauflächen auf etwa 2,5 mal 10 km - vergleichbar mit der Ausdehnung des Saaletals bei Jena. Dass noch heute in diesem Gebiet Bewässerungslandwirtschaft betrieben wird, zeigt, wie robust das traditionelle System des Bewässerungsfeldbaus hier ist.

Kontakt:
PD Dr. Jussi Baade
Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948803
E-Mail: cub[at]uni-jena.de

Stephan Laudien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie