Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwei internationale Auszeichnungen für Ewine van Dishoeck

22.06.2015

Das World Cultural Council verleiht den diesjährigen Albert Einstein World Award of Science an Ewine van Dishoeck, Professorin an der Universität Leiden für molekulare Astrophysik und auswärtiges wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (MPE).

Mit diesem Preis werden Wissenschaftler für ihre außerordentlichen Leistungen geehrt, die sowohl Fortschritt für die Wissenschaft als auch einen Nutzen für die Menschheit bedeuten. Daneben wurde Ewine van Dishoeck von der European Astronomical Society (EAS) zum Lodewijk Woltjer Lecturer 2015 gewählt, als der sie während der European Week of Astronomy and Space Science (EWASS) ende Juni einen Vortrag halten wird. Die EAS würdigt damit ihre herausragende Karriere, insbesondere ihre Arbeit auf dem Gebiet der Stern- und Planetenentstehung.

In ihrer wissenschaftlichen Karriere als Astrochemikerin beschäftigt sich Ewine van Dishoeck seit 25 Jahren insbesondere mit interstellaren Wolken, die zwar für das bloße Auge schwarz und unsichtbar erscheinen, aber gefüllt sind mit molekularen Rohstoffen, aus denen Sterne und Planeten entstehen.

1995 konnte sie einige der Schlüsselmoleküle, unter anderem Wasser, Kohlenstoffdioxid, Methan und Ameisensäure, erstmals mithilfe des Infrared Space Observatory (ISO) der ESA ohne störende Interferenz durch die Erdatmosphäre nachweisen. Durch das Spitzer-Weltraumteleskop der NASA, Nachfolger von ISO, entdeckte sie weitere Komponenten protoplanetarischer Scheiben: gasförmigen Cyanwasserstoff (HCN) und Acetylen (C2H2). Diese sind Bestandteile von Aminosäuren und Nukleinsäuren, den wichtigsten Bausteinen des Lebens.

Seit 2007 ist van Dishoeck auswärtiges wissenschaftliches Mitglied am MPE und untersucht dort mit ihrer Forschungsgruppe mithilfe des Herschel-Weltraumteleskops und des Atacama Large Millimeter Array (ALMA) im Sub-Millimeter und Infrarot-Wellenlängenbereich die Entwicklung von interstellaren Wolken hin zu planetaren Scheiben. Diese Daten zeigen nicht nur Wasser und komplexe Moleküle im interstellaren Raum, sondern geben auch Aufschluss über die physikalischen Prozesse bei der Entstehung von Sternen und Planeten darin.

Ewine van Dishoeck’s Forschungen haben wesentlich dazu beigetragen, das relativ junge und interdisziplinäre Feld der Astrochemie zu etablieren. „Als ich in Leiden Chemie studierte, war ich fasziniert von den ersten Entdeckungen von Molekülen im interstellaren Raum. Heute finde ich es unglaublich, die große Vielfalt von Molekülen und festen Partikeln in diesem einzigartigen Labor zu sehen und zu erkennen, dass sie im Grunde genommen winzige Bausteine neuer Planeten wie unserer Erde sind“, sagt die Wissenschaftlerin.

Für ihre Forschungen wird van Dishoeck dieses Jahr gleich zweifach ausgezeichnet: Die European Astronomical Society (EAS) wählte die Wissenschaftlerin zum Lodewijk Woltjer Lecturer 2015. Dieser Preis zeichnet ihre herausragende Karriere aus, insbesondere ihre Arbeit auf dem Gebiet der Stern- und Planetenentstehung. Bei der European Week of Astronomy and Space Science (EWASS) auf Teneriffa, Spanien, Ende Juni wird van Dishoeck einen Vortrag über ihre Arbeit halten und außerdem eine Medaille und ein Zertifikat erhalten.

Außerdem verleiht das World Cultural Council van Dishoeck den Albert Einstein World Award of Science, der ihre Arbeit auf dem Gebiet der interstellaren Chemie des Wassers würdigt sowie ihre umfassende Betrachtungsweise der Astrochemie – die Verbindung von quantenchemischen Kalkulationen, Laboruntersuchungen und astronomischen Modellentwicklungen und Beobachtungen. Die Jury hob insbesondere hervor, dass ihre grundlegenden Entdeckungen einen großen Beitrag zu unserem Verständnis des Universums auf atomarem Level beigetragen haben.

Die Preiszeremonie für den Albert Einstein World Award of Science wird am 19. November 2015 an der University of Dundee stattfinden; am Tag zuvor wird van Dishoeck eine Festrede halten. Neben einer Urkunde und einer Gedenkmedaille erhält die Wissenschaftlerin ein Preisgeld von 10.000 US$. Das World Cultural Council ist eine internationale Organisation, die gegründet wurde, um wissenschaftliche, kulturelle und soziale Institutionen weltweit zu vernetzen und Wissenschaft und Kunst zum Wohle und Fortschritt der Menschheit zu fördern. So zeichnet das WCC seit 1984 Wissenschaftler, Pädagogen und Künstler aus, die die Menschheit kulturell bereichert haben. Frühere Preisträger des Albert Einstein World Award of Science auf dem Gebiet der Astrophysik sind Martin Rees (2003) und Margaret Burbidge (1988).

Webseite:
http://www.mpe.mpg.de/6344262/News_20150619


Dr. Hannelore Hämmerle
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
MPI für Astrophysik
MPI für extraterrestrische Physik
Karl-Schwarzschildstr. 1
85748 Garching
+49 (89) 30 000 3980
hhaemmerle@mpa-garching.mpg.de

Dr. Hannelore Hämmerle | Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching
Weitere Informationen:
http://www.mpe.mpg.de/6344262/News_20150619

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope
20.10.2017 | Freie Universität Berlin

nachricht Gitterdynamiken in ionischen Leitern
18.10.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise