Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwei hochdotierte "ERC Starting Grants" für ForscherInnen der Universität Wien

18.07.2013
Die Neurobiologin Kristin Teßmar-Raible von den Max F. Perutz Laboratories und Jannik Meyer, Professor an der Fakultät für Physik der Universität Wien, erhalten prestigereiche "ERC Starting Grants" des Europäischen Forschungsrates. Ihre Forschungsvorhaben werden in den kommenden fünf Jahren mit jeweils rund 1,5 Mio. Euro finanziert. Somit sind seit 2007 bereits 20 ERC-Förderungen an SpitzenforscherInnen der Universität Wien gegangen.

Die Förderung von grundlagenorientierter Pionierforschung ist einer der Schwerpunkte der Europäischen Union. Dafür wurde der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) geschaffen. Gefördert werden Forschungsprojekte mit hohem Potenzial für Innovationen; ein internationales Gutachtergremium mit renommierten ExpertInnen entscheidet über die Förderungswürdigkeit der Anträge. Den ausgewählten ForscherInnen wird entsprechender Freiraum zur Verwirklichung ihrer Visionen zugestanden.

Der Rhythmus des Lebens

Das molekulare und zelluläre Uhrwerk im "Rhythmus des Lebens" steht im Zentrum der Forschungsarbeit von Kristin Teßmar-Raible vom Department für Mikrobiologie, Immunbiologie und Genetik an den Max F. Perutz Laboratories der Universität Wien. Sie erforscht den Meeresringelwurm Platynereis dumerilii, der sich nach dem Mondzyklus als "innere Uhr" in seinem Fortpflanzungsrhythmus richtet. Die START-Preisträgerin geht der Frage nach, wie das molekular funktionieren kann: Sie sucht nach jenen lichtempfindlichen Sinneszellen, die auf Mondlicht "geeicht" sind: die sogenannten Mondlichtrezeptoren. Vier potenzielle Kandidaten hat Teßmar-Raible schon identifiziert. „Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe meines Mannes haben wir drei wichtige funktionelle Werkzeuge für den Wurm etabliert – Transgenese, spezifische Zellablation und das Einschleusen gezielter Mutationen. Wir benötigen diese Werkzeuge beide, jeweils für unsere eigenen Fragestellungen. Meiner Arbeitsgruppe ermöglicht das nun, genau zu untersuchen, welche Zelle bzw. welches Gen in Platynereis für die Wahrnehmung des Mondlichts zuständig ist und wie die monatliche Uhr funktioniert", erklärt Teßmar-Raible, die auch die interdisziplinäre Forschungsplattform "Marine Rhythms of Life" der Universität Wien leitet.

Über Kristin Teßmar-Raible

Kristin Teßmar-Raible ist seit 2008 als Group Leader des Departments für Mikrobiologie, Immunbiologie und Genetik an den Max F. Perutz Laboratories an der Universität Wien tätig. Sie studierte an der Universität Heidelberg und promovierte 2004 an der Universität Marburg. 2004-2008 war sie als Postdoc am European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg beschäftigt. 2008 erhielt Teßmar-Raible mit dem START-Preis einen angesehenen österreichischen Wissenschaftspreis und koordiniert einen HFSP-YIP grant. Außerdem ist sie seit 2012 Mitglied der Jungen Kurie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Max F. Perutz Laboratories

Die Max F. Perutz Laboratories sind ein 2005 gegründetes Joint-Venture der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien am Campus Vienna Biocenter. An den MFPL forschen über 60 Arbeitsgruppen im Bereich Molekularbiologie. Seit 2007 leitet der Biochemiker Graham Warren das Institut.

Delikate atomare Strukturen abbilden

Jannik Meyer, Professor an der Fakultät für Physik der Universität Wien, erforscht neuartige Materialien (wie zum Beispiel Graphen) mittels höchstauflösender Elektronenmikroskopie. Graphen ist ein vielversprechendes Material für diverse elektronische, optische, mechanische und weitere Anwendungen, und Erkenntnisse zur atomaren Struktur sind die Basis für das Verständnis der Materialeigenschaften. Dass mittels Elektronenmikroskopie einzelne Atome aufgelöst werden können, ist bereits ein etablierter Standard dieses Forschungsgebiets. Allerdings gelingt dies nur, wenn die Atome in dem Material lange genug "stillhalten", so dass eine Aufnahme ihrer Anordnung gelingen kann. Gerade in 2-D-Materialien wie Graphen ist es jedoch so, dass die Anordnung der Atome durch genau den Elektronenstrahl durcheinandergebracht wird, den man verwenden möchte um sie abzubilden. Diese Art von Strahlenschäden zu vermeiden ist daher von zentraler Bedeutung für die Erforschung der Strukturen. Im durch die EU geförderten Forschungsprojekt "Picometer scale analysis of novel materials" (PICOMAT) wird das Team um Jannik Meyer neue innovative Ansätze testen und entwickeln. Grundlage für das Projekt ist ein einzigartiges Elektronenmikroskopie-Labor, welches derzeit an der Universität Wien eingerichtet wird.

Über Jannik Meyer

Jannik Meyer ist seit 2010 Professor an der Fakultät für Physik der Universität Wien. Er studierte Physik und Elektrotechnik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen und promovierte am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart und an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Danach folgten Postdoc-Aufenthalte am Lawrence Berkeley National Laboratory und der University of California, Berkeley, USA, sowie an der Universität Ulm.

Bereits 20 "ERC Grants" für die Universität Wien

Die Universität Wien hält nunmehr bereits zehn "ERC Starting Grants" seit Einführung des Förderprogramms 2007. Vier davon gingen an Forscher der MFPL – neben Kristin Teßmar-Raible auch Bojan Zagrovic, Sascha Martens und Florian Raible. Der Mikrobiologe Matthias Horn erhielt ihn ebenso wie die Mathematikerin Goulnara Arzhantseva, die Historikerin Sigrid Wadauer sowie die Physiker Markus Aspelmeyer und Frank Verstraete – und nun Jannik Meyer.

An weitere zehn WissenschafterInnen der Universität Wien gingen "ERC Advanced Grants": Walter Pohl (Geschichte), Gerhard J. Herndl (Meeresbiologie), Herlinde Pauer-Studer (Philosophie), Tecumseh Fitch (Kognitionsbiologie), Michael Wagner (Mikrobielle Ökologie), Anton Zeilinger und Markus Arndt (beide Physik), sowie Adrian Constantin, Walter Schachermayer und Ludmil Katzarkov (alle Mathematik).

Wissenschaftliche Kontakte
V.-Prof. Dipl.-Phys. Dr. Jannik C. Meyer
Physik Nanostrukturierter Materialien
Fakultät für Physik
Universität Wien
1090 Wien, Boltzmanngasse 5
T +43-1-4277-728 10
M +43-664-602 77-728 10
jannik.meyer@univie.ac.at
Dr. Kristin Teßmar-Raible
Department für Mikrobiologie, Immunbiologie und Genetik
Max F. Perutz Laboratories
1030 Wien, Dr. Bohr-Gasse 9
T +43-1-4277-746 35
M +43-664-602 77-746 35
Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 33
M +43-664-602 77-175 33
alexandra.frey@univie.ac.at

Michaela Wein | Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope
20.10.2017 | Freie Universität Berlin

nachricht Gitterdynamiken in ionischen Leitern
18.10.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise