Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wolfgang-Stille-Preis geht an zwei Heidelberger Virologen

11.10.2010
Professor Dr. Oliver Keppler und Dr. Christine Goffinet für ihre Forschung zu Medikamenten gegen AIDS ausgezeichnet / Preis der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie mit 10.000 Euro dotiert

Der mit 10.000 Euro dotierte Wolfgang-Stille-Preis, der Wissenschaftspreis der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG), wurde am 9. Oktober an Professor Dr. Oliver Keppler und Dr. Christine Goffinet aus der Abteilung für Virologie (Leiter: Professor Dr. Hans-Georg Kräusslich) des Universitätsklinikums Heidelberg verliehen.

Den Forschern und ihrer Arbeitsgruppe ist es gelungen, Wirkmechanismen eines Medikaments gegen die HIV-Infektion beim Menschen in einem von ihnen entwickelten transgenen Rattenmodell zu zeigen. Die Ergebnisse der Studie wurden im August 2009 im Journal of Virology veröffentlicht. Die Heidelberger Wissenschaftler teilen sich den Preis mit einer Arbeitsgruppe aus Freiburg.

Neue Medikamente sind wirksam, aber warum?

Die Entwicklung und Charakterisierung neuer therapeutischer Strategien gegen HIV stellt eine der wichtigsten Herausforderungen im Bereich der Infektionsforschung dar. Klinische Studien an HIV-Patienten mit den seit 2007 zugelassenen HIV-Integrase-Inhibitoren zeigten, dass diese Medikamente sehr wirksam sind. Wie sie das Virus effektiv bekämpfen, ist jedoch weitgehend unbekannt.

Um dies zu untersuchen, nutzten die Heidelberger Forscher das von ihnen entwickelte transgene Kleintiermodell: Normalerweise ist HIV für Ratten nicht infektiös. Die Wissenschaftler brachten deshalb Gene des Menschen in das Erbgut von Ratten ein, die eine HIV-Infektion dieser Nager ermöglichen. Die Viren befallen Körperzellen, um sich in ihnen zu vermehren. Ein wichtiger Schritt in diesem Vermehrungszyklus ist der Einbau der Virus-DNA in das Erbgut der Wirtszelle.

Einbau der Virus-DNA in das Erbgut der Wirtszelle wird gehemmt

Die Preisträger konnten zusammen mit Wissenschaftlern von GlaxoSmithKline unter anderem zeigen, dass die orale Behandlung der Ratten mit dem HIV-Integrase-Inhibitor diesen Einbau fast vollständig hemmt. Dieser direkte Nachweis konnte bisher in HIV-infizierten Patienten noch nicht erbracht werden.

In ihrer Studie konnte das Heidelberger Forscherteam außerdem detaillierte pharmakologische und virologische Daten gewinnen. Mit Hilfe dieser Daten können die pharmakologischen Eigenschaften eines Wirkstoffs im lebenden Organismus genauer vorhergesagt werden – ein wichtiger Schritt hin zum besseren Verständnis darüber, wie ein Medikament gegen HIV wirkt.

Preis würdigt herausragende Forschungsarbeiten der Infektiologie und Medizinischen Mikrobiologie

Der von Pfizer Pharma Deutschland gestiftete Preis erinnert an den Infektiologen und früheren Vorsitzenden der PEG, Professor Dr. Wolfgang Stille (1935-2004). Die Preisverleihung fand im Rahmen der 22. Jahrestagung der PEG am 9. Oktober 2010 in Bonn statt. Die PEG würdigt mit dem alle zwei Jahre verliehenen Preis herausragende Forschungsarbeiten auf den Gebieten Infektiologie und Medizinische Mikrobiologie.

Literatur:
Christine Goffinet, Ina Allespach, Lena Oberbremer, Oliver T. Keppler et al.: Pharmacovirological Impact of an Integrase Inhibitor on Human Immunodeficiency Virus Type 1 cDNA Species In Vivo. Journal of Virology, Aug. 2009, p. 7706–7717 Vol. 83, No. 15.

Christine Goffinet, Ina Allespach and Oliver T. Keppler, HIV-susceptible transgenic rats allow rapid preclinical testing of antiviral compounds targeting virus entry or reverse transcription, Proc. Natl. Acad. Sci. USA 104(3):1015-20 (2007)

Weitere Informationen im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Virology.4722.0.html
www.p-e-g.org
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.600 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.400 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE