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Wissenschaftspreis 2014 für herausragende Forschungsarbeiten

28.03.2014

Die Freunde und Förderer der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr in Hamburg e. V. haben am 25. März 2014 zwei Nachwuchswissenschaftler für ihre herausragenden Dissertationen ausgezeichnet: Den mit 2.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis teilen sich in diesem Jahr Dr. phil. Morvarid Abolghasemi Dehnavi von der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften und Dr. rer. pol. Sebastian Langton von der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Arbeiten repräsentieren breites Forschungsspektrum
Der Präsident der Helmut-Schmidt-Universität, Prof. Dr. Wilfried Seidel, würdigte die beiden Dissertationen als im besonderen Maße repräsentativ für das breite Forschungsspektrum der HSU sowie die aktuelle Forschungstrends im jeweiligen Segment. „Diese Arbeiten haben mich in meiner Überzeugung bestärkt, an der richtigen Universität zu wirken." Der Präsident dankte Prof. Dr. Heinrich Kreye, der als Emeritus der Professur für Werkstofftechnik der HSU das Preisgeld zur Verfügung stellte.

Historische Geschlechterforschung
„Frau Dehnavi hat sich in ihrer Arbeit mit einer Zeit beschäftigt, als Universitäten noch Orte des Politischen waren", leitete Prof. Dr. Wilfried Seidel die Preisverleihung ein. Ihre Dissertation mit dem Titel „Das politisierte Geschlecht – Biographische Wege zum Studentinnen Protest 1968 und zur Neuen Frauenbewegung" geht im Rahmen der historischen Bildungsforschung anhand von biographisch-narrativen Interviews der Frage nach, warum sich Frauen aktiv an den Studentenprotesten 1968 in Frankfurt am Main beteiligten und was den Ausschlag gab, eigene, geschlechtshomogene Protestgruppen zu gründen. Die Ergebnisse verortet sie in einem eigenen theoretischen Rahmen und anhand bisher noch nicht angewandter Methoden.

Innovativer Forschungsansatz
Die Jury lobte die Arbeit als wesentlichen Beitrag zur historischen Geschichtsforschung der Neuen Frauenbewegung. „Gleichzeitig bietet die Dissertation einen innovativen Forschungsansatz für die zeithistorische Sozialisationsforschung und liefert methodisch und gegenstandsbezogen einen substantiellen Beitrag zur erziehungswissenschaftlichen Forschung."

Supply Chain Management
Dr. Sebastian Langton beschäftigte sich in seiner Dissertation „Interaktive Entscheidungsunterstützung im Bestandsmanagement – Ein Ansatz zur Bewertung fehlmengeninduzierter Supply Chain Unterbrechungen" mit dem u.a. durch Lieferschwierigkeiten notwendigen Fehlmengenmanagement von Betrieben. Der Betriebswissenschaftler mit Schwerpunkt Logistik-Management analysierte die Daten von rund 280 Firmen mit dem Ziel, Fehlmengen monetär zu erfassen und eine Software zu entwickeln, die die Auswirkungen von Fehlmengen messbar macht. Ziel ist Kostenreduktion sowie die Suche nach optimalen Lösungen.

Ergebnisse international beachtet
„Die vorliegende Dissertation liefert mehrere klare, originäre Forschungsbeiträge, die sich inhaltlich ergänzen. Der Autor stellt mit ihr sowohl empirisch analysierte Fragen als auch methodisch fundierte und experimentell untersuchte Methoden vor, welche im Hinblick auf die Unterstützung betrieblicher Entscheidungen in Fehlmengensituationen einen wesentlichen Forschungsbeitrag liefern, der auch für die Praxis Relevanz hat." Die Ergebnisse der Dissertation wurden bereits auf verschiedenen internationalen Konferenzen vorgestellt und publiziert.

Das Land der Tüftler braucht mehr Mut
In seiner Festrede „Wirtschaftspolitische Herausforderungen für Deutschland" lobt der frühere Senator für Wirtschaft und Arbeit in Hamburg sowie Geschäftsführer der Container Leasing Gesellschaft, Ian K. Karan, das Engagement der Nachwuchsakademiker. Sie seien beide im besonderen Maße Beispiel für eine gelungen Bildungs- und Integrationspolitik. Hier, so der frühere Senator, liege eine der drängenden Herausforderungen der Zukunft. „Deutschland muss zum Magnet für junge Talente aus allen Teilen der Welt werden. Doch genauso wichtig ist es, dass wir uns um diejenigen kümmern, die bereits hier und ohne Chancen sind.“
Mit einer ausgewogenen Integrations- und Bildungspolitik, einer weitaus höheren Technologieakzeptanz und dem Mut, auch unkonventionelle Geschäftsideen zu unterstützen, sei Deutschland auf einem guten Weg in die Zukunft. „Das Land der Tüftler und Bastler muss wieder mehr Mut haben, Vertrauen in Erfindungen zu setzen.“

Zur Person

Dr. Morvarid Abolghasemi Dehnavi wurde 1981 in Teheran geboren.1986 verließ ihre Familie den Iran und siedelte nach Düsseldorf über. Nach dem Abitur 2001 in Erkrath studierte sie Pädagogik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Nach ihrem Diplom wechselte sie im Oktober 2006 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an die Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaft der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg/Universität der Bundeswehr in Hamburg. Dort wurde sie 2012 an der Professur für Erziehungswissenschaft, insbesondere historische Bildungsforschung, bei Univ.-Prof'in Dr. Carola Groppe promoviert. Derzeit bereitet sie sich auf ihre Habilitation vor.

Dr. rer. pol Sebastian Langton wurde 1980 in Erlangen geboren, wo er im Jahr 2000 auch sein Abitur absolvierte. Anschließend ging er zum Wehrdienst an der Reinhard-Kaserne der Streitkräftebasis in Ellwangen an der Jagst. Von Oktober 2002 bis September 2008 studierte er an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg Betriebswirtschaftslehre, bevor er 2009 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere des Logistik-Managements von Prof. Dr. oec. Martin Josef Geiger wechselte. Hier wurde er 2013 nach vier Jahren Forschungsarbeit promoviert. Sebastian Langton ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HSU und Lehrbeauftragter an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

(Text: Susanne Hansen)

Dietmar Strey | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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