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Wirkstoffe gezielt zu den Krankheitsherden lotsen

19.11.2015

Start-up der Universität Jena beim Innovationspreis Thüringen 2015 ausgezeichnet

Es ist das innovativste Jung-Unternehmen Thüringens. Dieser Meinung war die Jury des „Innovationspreises Thüringen 2015“ und zeichnete die SmartDyeLivery GmbH mit dem „Sonderpreis für junge Unternehmen“ aus. Die Ausgründung der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ihres Klinikums erhielt die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung am Mittwochabend (18.11.).


Mit Hilfe solcher hochspezifischer Nanopartikel will das Start-up der Jenaer Uni Wirkstoffe gezielt zu Krankheitsherden lotsen.

Grafik: Anja Träger

Ausgezeichnet wurde das Start-up für die Herstellung hochspezifischer Nanopartikel mit einem zellspezifischen Wirkstofftransport. Die Entwicklung habe das Potenzial, so die Jury, am stark wachsenden weltweiten Markt der Nanomedizin eine große Rolle zu spielen. Erstes Ziel des fünfköpfigen Teams ist es, eine Therapie gegen das Versagen der Leber bei einer Sepsis zu entwickeln.

Dafür arbeitet das junge Unternehmen eng mit Sepsisforschern des Universitätsklinikums Jena sowie Chemikern und Materialwissenschaftlern der Friedrich-Schiller-Universität zusammen, um die entwickelte Technologie zur Marktreife zu führen.

Die SmartDyeLivery GmbH, die ihren Sitz im Zentrum für Angewandte Forschung der Universität Jena hat, will eine einzigartige und universelle Technologieplattform schaffen, um Wirkstoffe gezielt in bestimmte Zelltypen oder Gewebe zu transportieren. Dafür wird Nanotechnologie eingesetzt, die einen Wirkstofftransport in die Zielzellen auch bei Verabreichung in den Blutkreislauf erlaubt.

„Dieses Vorgehen hat das Potenzial, Nebenwirkungen deutlich zu reduzieren“, sagt Dr. Anja Träger, eine der Gründerinnen. Die Zellspezifität wird durch eine zum Patent angemeldete Funktionalisierung der Nanopartikel mit Infrarotfarbstoffen sichergestellt.

Dass dieser Transport funktioniert konnte das Jenaer Team in ersten tierexperimentellen Studien nachweisen und in renommierten Fachjournalen publizieren. Die funktionalisierten Nanopartikel erreichten in diesen Studien bereits nach 20 Minuten und zu 95 % spezifische Zellen der Leber, die sog. Hepatozyten.

Das Gründungsteam um die Professoren Ulrich S. Schubert vom Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie sowie Michael Bauer, Leiter des Centers for Sepsis Control and Care, will die Innovation zunächst bei der septischen Cholestase einsetzen und Wirkstoffe mit dem neuen System direkt in die Leberzellen transportieren. Bei dieser Krankheit mit einer Mortalität von über 90 % versagt die Leber aufgrund einer Sepsis.

Eine erfolgreiche Therapie der septischen Cholestase könnte allein in Deutschland jährlich über 1.500 Patienten das Leben retten. Neben dieser ersten Anwendung sollen weitere erschlossen werden, da die Technologie wie in einem Baukastensystem weiterentwickelt werden soll: Der Einsatz anderer Farbstoffe oder Moleküle soll es dann ermöglichen, verschiedene Gewebe und Organe gezielt zu erreichen. Andersartige Trägersysteme sollen weitere Therapieansätze ermöglichen. „Und die eingesetzten Polymerpartikel können hinsichtlich Größe und Freisetzungskinetik an die entsprechende Fragestellung angepasst werden“, sagt Träger.

Doch zunächst stehen im kommenden Jahr weitere Versuchsreihen an, wofür die Mittel aus dem Innovationspreis eingesetzt werden. „Der Preis hat uns gezeigt, dass nicht nur wir davon überzeugt sind, auf dem richtigen Weg zu sein“, freut sich die Chemikerin: „Das motiviert für die weitere Arbeit“.

Den Innovationspreis hat Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee gestern Abend (18.11.) in Weimar gemeinsam mit der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT), dem TÜV Thüringen und der Ernst-Abbe-Stiftung verliehen. Der bereits zum 18. Mal ausgelobte Preis, der in fünf Kategorien vergeben wird, ist mit insgesamt 100.000 Euro dotiert, die das Wirtschaftsministerium zur Verfügung stellt. Sein Ziel ist es, zukunftsfähige Neuentwicklungen der Thüringer Unternehmen zutage zu bringen und zu würdigen, aber auch eine Art Starthilfe bei der Vermarktung zu geben und andere Unternehmen zur Entwicklung innovativer Produkte zu ermuntern. Mit dem „Sonderpreis für junge Unternehmen“ werden die innovativen Potenziale von Start-up-Unternehmen unterstützt.

Kontakt:
Dr.-Ing. Anja Träger
Zentrum für Angewandte Forschung der Friedrich-Schiller-Universität Jena
SmartDyeLivery GmbH
Philosophenweg 7, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948599 oder 948201
E-Mail: anja.traeger[at]uni-jena.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-jena.de

Axel Burchardt | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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