Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Winzige Moleküle steuern Lernen und Erinnern

11.01.2010
Der Heidelberger Neuro-Wissenschaftler Dr. Gerhard Schratt erhielt für seine bahnbrechenden Arbeiten den Forschungspreis der Siebeneicher-Stiftung

Für seine grundlegenden Arbeiten zu den molekularen Mechanismen von Lernen und Gedächtnis ist am 7. Januar 2010 Dr. Gerhard Schratt, Wissenschaftler am Institut für Anatomie der Universität Heidelberg, mit dem Siebeneicher-Forschungspreis ausgezeichnet worden, der mit 50.000 Euro dotiert ist. Die Erkenntnisse könnten zur Entwicklung neuer Therapieansätze bei Hirnerkrankungen wie Autismus und Demenzerkrankungen beitragen.

Die Joachim Siebeneicher Stiftung, Hirschhorn, wurde 1974 von Dr. Joachim Siebeneicher und seiner Ehefrau Charlotte gegründet. Die Stiftung fördert unter anderem Projekte in der biomedizinischen Forschung, im öffentlichen Gesundheitswesen sowie in der Jugend- und Altenhilfe und vergibt den Forschungspreis alle zwei Jahre an exzellente Nachwuchs-Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Heidelberg. Die Stiftung werde auch künftig ihr Engagement in Heidelberg, insbesondere im Bereich der Stammzellforschung fortsetzen, sagte der Vorsitzende Norbert Mahlke bei der Feierstunde im Rahmen der Preisverleihung in der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg.

Wissenschaftliche Ausbildung in Tübingen und an der Harvard Medical School

Dr. Gerhard Schratt leitet seit 2006 eine Juniorgruppe am Sonderforschungsbereich "Molekulare und zelluläre Grundlagen neuraler Entwicklungsprozesse" innerhalb des Interdisziplinären Zentrums für Neurowissenschaften (IZN). Sein Biochemiestudium und seine Promotion hat er mit Auszeichnung in Tübingen absolviert, bevor in das renommierte neurobiologische Labor von Professor Michael E. Greenberg an der Harvard Medical School wechselte - eine Schmiede für Nobelpreisträger, wie Professor Dr. Joachim Kirsch, Direktor des Anatomischen Instituts der Universität Heidelberg, in seiner Laudatio anmerkte.

Das wichtigste Forschungsgebiet von Dr. Schratt sind winzige Moleküle, sogenannte Mikro-RNAs, die die Lern- und Gedächtnisprozesse im Gehirn beeinflussen: Sie steuern das Wachstum der Dornfortsätze, mit denen die Nervenzellen miteinander in Kontakt treten - und bestimmen so, wie intensiv die Nervenzellen untereinander "verschaltet" werden. mikroRNAs sind aber auch in anderen Zellen aktiv, und Störungen ihrer Funktion sind vermutlich die Ursache zahlreicher Krankheiten, von neurologischen Erkrankungen bis zu Krebs.

Mehr als hundert Milliarden Nervenzellen sind im Gehirn eines Erwachsenen auf engstem Raum zusammengedrängt. Die korrekte Verschaltung dieser Nervenzellen ist maßgebend für kognitive Leistungen wie Lernen und Gedächtnis. Defekte in ihrer Verschaltung können zu einer Reihe neurologischer Krankheitsbilder führen, darunter Autismus, Epilepsie und Demenzerkrankungen.

"Unsere Forschung beschäftigt sich mit den molekularen Mechanismen, die für die Veränderung von Nervenkontaktstellen, der so genannten synaptischen Plastizität, verantwortlich sind und damit Lern- und Gedächtnisvorgänge beeinflussen", erklärt Gerhard Schratt. Seine Arbeiten haben bereits einen wichtigen Beitrag geleistet, um diese grundlegenden Vorgänge zu verstehen.

Weitere Informationen über das Institut für Anatomie der Universität Heidelberg:
www.medizinische-fakultaet-hd.uni-heidelberg.de/Institut-fuer-Anatomie-und-Zellbiologie.102626.0.html
Ansprechpartnerin:
Dr. Claudia Denk
Leiterin Forschungsdekanat der Medizinischen Fakultät Heidelberg
Tel: 06221 / 56 8990
Fax: 06221 / 56 33890
E-Mail: claudia.denk(at)med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Millionen für die Krebsforschung
20.09.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Ausschreibung des Paul-Martini-Preises 2018 für klinische Pharmakologie
19.09.2017 | Paul-Martini-Stiftung (PMS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften