Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Winzige Moleküle im Blut zeigen Herzinfarkt an

13.07.2010
Heidelberger Wissenschaftler mit Wilhelm P. Winterstein-Preis der Deutschen Herzstiftung ausgezeichnet

Winzige Moleküle im Blut, sogenannte microRNAs, zeigen zuverlässig und früher als gängige Biomarker einen Herzinfarkt an, nämlich innerhalb der ersten drei Stunden. Dr. Benjamin Meder, Medizinische Universitätsklinik Heidelberg, hat mit seinem Team die neuen Marker entdeckt, mit denen sich auch die Schwere des Infarktes abschätzen lässt.

Dafür ist der Assistenzarzt von der Deutschen Herzstiftung mit dem mit 10.000 Euro dotierten Wilhelm P. Winterstein-Preis ausgezeichnet worden. Der Preis wurde dem jungen Wissenschaftler aus der Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pneumologie der Medizinischen Klinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. med. Hugo A. Katus) im Rahmen einer Mitgliederversammlung der Deutschen Herzstiftung am 19. Juni in Frankfurt übergeben.

Jährlich sterben mehr als 60.000 Menschen in Deutschland an den Folgen eines Herzinfarktes, einer der nach wie vor häufigsten Todesursachen. Bei frühzeitiger Diagnose stehen heute jedoch sehr wirksame Behandlungsmethoden durch Medikamente und Herzkatheter zur Verfügung, die bleibende Schäden vermeiden oder begrenzen können.

Die Diagnostik des Herzinfarkts ist allerdings nicht einfach. Nur bei 50 Prozent der Betroffenen treten die typischen, ausstrahlenden Schmerzen in der Brust und eindeutige Veränderungen im Elektrokardiogramm (EKG) auf. Daher kommt Bluttests ein hoher Stellenwert zu. Dabei wird nach sogenannten Biomarkern wie dem Eiweiß Troponin T gefahndet: Troponin T kommt nur im Herzmuskel vor und tritt bei Schädigung der Herzzellen ins Blut über. Eine aussagekräftige Menge an Troponin T findet sich allerdings erst drei bis sechs Stunden nach dem Infarkt im Blut.

Typisches Muster aus 67 Markern erlaubt eindeutige und frühe Diagnose

Anders bei den neu entdeckten Biomarkern, kleinsten Regulatoren im Herz-Kreislaufsystem: Die sogenannten microRNAs zeigen den Herzinfarkt bereits in den ersten drei Stunden nach dem Infarkt an. „MicroRNAs werden vermutlich nicht nur aus den beschädigten Herzzellen freigesetzt, sondern auch von weißen Blutkörperchen als Reaktion auf den Infarkt gebildet“, erklärt Dr. Meder. „Daher verändert sich ihre Konzentration im Blut noch schneller als bei den gängigen Biomarkern.“

In einer Pilotstudie in Kooperation mit dem "Biomarker Discovery Center Heidelberg" und der Biotechnologiefirma Febit untersuchten die Heidelberger Forscher erstmals systematisch alle 860 bekannten menschlichen microRNAs im Blut von Herzinfarktpatienten. Dabei identifizierten sie 67 microRNAs, die bei den Betroffenen in ihrer Konzentration verändert waren.

„Mit Hilfe eines neuen Verfahrens zur Mustererkennung haben wir eine einmalige Signatur von microRNAs identifiziert, die zu einem sehr frühen Zeitpunkt bereits sehr spezifisch einen Herzinfarkt anzeigt“, so Dr. Meder. „Während z.B. der Troponinspiegel im Blut auch bei Lungenembolien oder Herzmuskelentzündungen erhöht ist, gehen wir bei den microRNAs davon aus, dass diese spezielle Signatur nur bei Herzinfarkten auftritt.“ Zudem lässt sich anhand bestimmter Markerkombinationen auch die Größe des Infarktes früh abschätzen und erlaubt so eine schnelle Identifizierung besonders gefährdeter Patienten.

Ein mögliches Einsatzgebiet sieht Dr. Meder besonders bei den Herzinfarkten, die weder mit typischen Beschwerden noch mit eindeutigen Veränderungen im EKG einhergehen. Zuvor müssen allerdings noch weitere Untersuchungen folgen.

Weitere Informationen über die Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pneumologie des Universitätsklinikums Heidelberg im Internet:

www.klinikum.uni-heidelberg.de/Innere-Medizin-III-Kardiologie-Angiologie-und-Pneumologie.106654.0.html

Ansprechpartner:
Dr. med. Benjamin Meder
Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 350
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 8610
E-Mail: benjamin.meder@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.600 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.400 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über 1,6 Millionen Euro für Forschung im Bereich Innovative Materialien und Werkstofftechnologie
17.05.2017 | Hochschule Osnabrück

nachricht MHH-Forscher beleben Narbengewebe in der Leber wieder
16.05.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie