Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wichtige Impulse für die Gashydrat-Forschung kommen aus Kiel

20.07.2011
Prof. Dr. Erwin Suess erhält „Lifetime Achievement Award“

Eine Gruppe von Kieler Wissenschaftlern setzte während der neunziger Jahre Meilensteine für die internationale Methanhydrat-Forschung. Jetzt erhält ihr Initiator Prof. Dr. Erwin Suess, auf der 7. International Conference on Gas Hydrates den „Lifetime Achievement Award“. Der Meeresgeologe ist sich sicher: Auch heute gehen von Kiel wichtige Impulse für die Gashydratforschung aus. So beteiligen sich mehrere Forscher des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) am Vortragsprogramm der internationalen Fachtagung, die vom 17. bis 21. Juli 2011 in Edinburgh stattfindet.

„Die Ansichten über Methanhydrate und die Prioritäten in der Forschung haben sich in den vergangenen 25 Jahren immens verändert.“ Dies kann kaum jemand besser beurteilen als Prof. Dr. Erwin Suess. Der Meeresgeologe, der 1984 die ersten unterseeische Methanquellen vor der Küste von Oregon entdeckte und 1996 die ersten großen Brocken des „Brennenden Eises“ aus den Tiefen des Pazifiks barg, wurde jetzt für sein Lebenswerk geehrt.

Auf der 7. International Conference on Gas Hydrates in Edinburgh erhielt er den „Lifetime Achievement Award“. „Die Auszeichnung freut mich sehr“, sagt Suess, der gleichzeitig Mitglied im wissenschaftlichen Leitungskomitee der Tagung ist. „Ich hatte nicht die geringste Ahnung, dass meine Nominierung diskutiert wurde, und war wirklich überrascht.“ Die Lorbeeren teilt Suess mit seinen Kollegen: „Die internationale Gashydrat-Forschung wurde durch die Arbeiten meiner Gruppe während der 90er Jahre am damaligen GEOMAR maßgeblich vorangetrieben und in Deutschland etabliert. Entsprechend gehen auch heute von Kiel, genauso wie von Bremen, Potsdam oder Göttingen, wichtige Impulse aus – auch das würdigt diese Auszeichnung.“

Im Laufe seiner Karriere beobachtete Suess, wie die Methanhydrate zunächst als Energiequelle Interesse und Begehr weckten. „Dies ist auch heute noch der wichtigste Anreiz der Gashydrat-Forschung zum Beispiel in China, Japan, Indien und den USA.“ Kurz darauf entdeckten Wissenschaftler, dass sich das Methanhydrat im Meeresboden gegen Kohlendioxidhydrat austauschen lässt. Forschung und Wirtschaft zogen in Erwägung, diese Möglichkeit großtechnisch zu nutzen um Kohlendioxid als Hydrat zu speichern und das frei gesetzte Methan abzubauen. „Diese Art der unterseeischen Nutzung befindet sich zurzeit im Erprobungsstadium“, weiß Suess. In jüngster Zeit spreche man von den Gashydraten vor allem im Zusammenhang mit dem Klimawandel: „Durch die globale Erwärmung tauen Permafrost-Böden auf, und die eingelagerten Hydrate schmelzen. Im Küstenbereich, vor allem um die Arktis wo die stärkste globale Erwärmung vorausgesagt wird, kann es langfristig zur Zersetzung natürlicher Methanhydrate kommen. Dadurch gelangt Methan, ein starkes Treibhausgas, in die Atmosphäre.“ Wenn sich größere Mengen an den Kontinentalhängen auflösen, könne dies außerdem zu gefährlichen unterseeischen Rutschungen führen, die auch Tsunamis verursachen könnten, berichtet Suess weiter – ein Aspekt, mit dem er als wissenschaftlicher Berater auch den Bestseller-Autoren Frank Schätzing beeindrucken konnte. In dessen Roman „Der Schwarm“ ist Suess als reale Person eingebunden.

Als Direktor des Kieler GEOMAR (1995-1999) und als Geschäftsführer des Konsortiums Deutsche Meeresforschung (2004-2007) setzte sich Suess dafür ein, dass neben den Potenzialen auch die Risiken wahrgenommen wurden, die von dem sensiblen Rohstoff ausgehen. Seinen wichtigsten Beitrag sieht er darin, dass die Formulierung der EU-Direktive vom Februar 2008 zur langfristigen Energie-Effizienz eine Option zur unterseeischen Kohlendioxid-Speicherung erlaubt, die auf dem Austausch von Kohlendioxid für Methan als Hydrat beruht. „Diese Option erfährt durch die Bundesrepublik allerdings keine Unterstützung. Sie wird wohl eher durch andere Mitgliedstaaten sowie durch Nicht-EU-Staaten wirtschaftlich genutzt werden“, so Suess.

Noch immer erforschen Wissenschaftler die genauen Bedingungen, unter denen Methanhydrate entstehen und reagieren. Sicher ist, dass sie bei Temperaturen zwischen zwei und vier Grad Celsius sowie bei hohem Druck um 50 bar gebildet werden. Unter diesen Voraussetzungen kann Wasser käfigartige Molekülstrukturen aufbauen. Diese umhüllen das Methangas, das frei wird, wenn hoch spezialisierte Organismen im Meeresboden herabsinkendes organisches Material zersetzen.

Doch wie viel organisches Material gelangt in den Bereich des Meeresbodens, in der sich Methanhydrate bilden können? Wie viel setzen die dort lebenden Organismen um? Wie groß ist die Gashydrat-Stabilitätszone, die das Methan speichern kann und welcher Anteil hält dort tatsächlich auch chemischen Reaktionen Stand? Diesen Fragen untersucht ein Team um Prof. Dr. Klaus Wallmann, Leiter der Forschungseinheit Marine Geosysteme am IFM-GEOMAR und Koordinator des von der Bundesregierung geförderten Verbundprojektes SUGAR (Submarine Gashydrat-Lagerstätten: Erkundung, Abbau und Transport). „Unsere Schätzung geht davon aus, dass in Methanhydraten weltweit 1000 bis 5000 Gigatonnen Kohlenstoff gebunden sind. Diese Mengen können regional sehr unterschiedlich sein, weshalb wir dringend umfassendere Daten und räumlich begrenzte Modelle brauchen“, forderte er während seines Vortrags auf der Fachkonferenz. Die Modelle, die der Schätzung zu Grunde liegen, stellten Ewa Burwicz und Elena Pinero genauer vor.

Prof. Dr. Lars Rüpke erläuterte den Fachkollegen auf der Tagung, was die Freisetzung von Methangas im Zuge der globalen Erwärmung bedeutet: „Unsere Modelle zeigen, dass in den nächsten einhundert Jahren nur etwa zwölf Prozent des im Meeresboden eingelagerten Methans freigesetzt wird. Die Hälfte davon gelangt in die Atmosphäre oder steigt in die bodennahen Wasserschichten auf. Dadurch könnte der pH-Wert des Meerwassers doppelt so schnell sinken als Forscher es bisher angenommen haben – der Effekt der Ozeanversauerung, unter dem vor allem kalkbildende Organismen leiden, verschlimmert sich.

„Die Vorträge der Kollegen zeigen, dass die Kieler Wissenschaftler einen wegweisenden Beitrag zur internationalen Gashydrat-Forschung leisten“, fasst Prof. Suess seinen Eindruck zusammen.

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.icgh.org/
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=sugar

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise