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Weniger Nebenwirkungen, bessere Wirksamkeit

02.07.2013
Zwei Forscherteams der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg haben den mit jeweils einer halben Million Euro dotierten Vorgründungspreis m4 award erhalten. Ihr Ziel ist es, neue Therapien für Krebs und Diabetes zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

Zwei von insgesamt fünf Preisträgern des m4 award 2013 kommen aus Würzburg: Dr. Thomas Bumm und der Privatdozent Dr. Gernot Stuhler vom Universitätsklinikum Würzburg sowie Professor Herrmann Koepsell von der Universität Würzburg haben am Montag, 1. Juli, den Vorgründungspreis m4 award erhalten.

Der Preis ist mit durchschnittlich 500.000 Euro Forschungsförderung und einer professionellen Betreuung verbunden. Er soll die Weiterentwicklung von biowissenschaftlichen Projekten aus der Personalisierten Medizin mit hohem wirtschaftlichen Potential bis zu einer Unternehmensgründung ermöglichen.

Neuer Ansatz gegen Diabetes

Professor Herrmann Koepsell, bis Ende 2012 Inhaber des Lehrstuhl für Anatomie I der Universität Würzburg, arbeitet an einem In-vivo-Wirkungsnachweis eines lokal im Dünndarm wirkenden Antidiabetikums. Es soll die Einstellung des Blutzuckers während der Nahrungsaufnahme verbessern.

Diabetes ist eine Volkskrankheit und kann zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Erblindung führen. Ausgelöst wird Diabetes Typ 2 durch einen Mangel an Insulin oder eine verminderten Wirksamkeit dieses Botenstoffes. Koepsell hat einen neuen Wirkstoff entwickelt, der die körpereigene Ausschüttung von Insulin anregen soll und über den Mund aufgenommen werden kann. Er bewirkt, dass der Traubenzucker aus der Nahrung nicht im vorderen Teil, sondern im hinteren Teil des Dünndarms aufgenommen wird.

Eine hohe Zuckerkonzentration im hinteren Teil des Darms löst Signalketten aus, die die Insulinproduktion erhöhen. Aus diesem Grund wird heute bei fettsüchtigen Patienten der vordere Teil des Dünndarms operativ entfernt. Diese Operation könnte durch den neuen Wirkstoff vermieden werden. Mit dem m4 Award soll das Therapiekonzept in Tierversuchen bestätigt und der Wirkstoff für die klinische Prüfung vorbereitet werden.

Krebs mit einem Antikörper-Duo bekämpfen

Die Krebsforscher Gernot Stuhler und Thomas Bumm vom Universitätsklinikum Würzburg entwickeln effektivere Behandlungstherapien für schwere Krebserkrankungen, indem die individuellen, molekularen Eigenschaften eines Tumors berücksichtigt werden. Zum Einsatz kommen dabei neuartige bi-molekulare T-Zell aktivierende Antikörper für die zielgerichtete kombinatorische Tumor-Immuntherapie.

Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Moderne Therapien mit zielgerichteten Antikörpern binden an sogenannte Antigene auf den Krebszellen und bewirken, dass das Immunsystem den Krebs zerstört. Das Problem ist, dass es kaum Antigene gibt, die exklusiv auf der Oberfläche von Krebszellen auftreten, und so gesundes vom krankem Gewebe nicht eindeutig unterschieden werden kann, womit unerwünschte Nebenwirkungen mit der Therapie einhergehen.

Stuhler und Bumm haben nun ein Verfahren entwickelt, mit dem die Krebszellen spezifisch erkannt werden, da zwei Antigene miteinander kombiniert werden. Dabei wird die Tatsache ausgenutzt, dass bestimmte Kombinationen von Antigenen nur auf Krebszellen auftreten. Durch die Verwendung von zwei Antikörperfragmenten, die jeweils ein Antigen binden und erst gemeinsam wirksam werden, wird eine hohe Spezifität erreicht. Anhand des Multiplen Myeloms, einer bösartigen Erkrankung des Knochenmarks, soll das Therapiekonzept erprobt werden. Ist dies erfolgreich, könnte das Konzept auch auf viele weitere Krebserkrankungen übertragen werden.

Auf dem Weg zur Unternehmensgründung

Die beiden Wissenschaftlerteams aus Unterfranken erhalten mit dem m4 award jeweils eine halbe Million Euro für die nächsten zwei Jahre. Damit sollen ihre Forschungsprojekte auf ihre konkrete Verwertbarkeit am Markt hin überprüft werden. Zudem werden die Projektleiter durch ein umfassendes Beratungsangebot auf dem Weg in die Unternehmensgründung begleitet.

Die Gründer- und Unternehmerinitiative Netzwerk Nordbayern hat die Bewerbung der beiden Würzburger Siegerteams gemeinsam mit den regionalen Partnern, dem SFT - Servicezentrum Forschung und Technologietransfer der Universität Würzburg und dem IGZ Innovations- und Gründerzentrum Würzburg, betreut.
Der m4 award

Mit dem m4 Award, der seit 2011 in ganz Bayern vom Netzwerk Nordbayern und dem BioTech-Cluster BioM gemeinsam durchgeführt wird, soll die Gründung junger wachstumsstarker Unternehmen im Zukunftsfeld der Personalisierten Medizin unterstützt werden. Die Personalisierte Medizin entwickelt Medikamente, die auf bestimmte Gruppen von Patienten zugeschnitten und so wesentlich wirksamer und sicherer als heute übliche Medikamente sind.

„Die Identifizierung von innovativen Erfindungen aus der Universität und deren zielgerichtete Förderung bis hin zu einem marktfähigen Produkt ist unser Ziel. Der Erfolg der beiden Würzburger Forscherteams ist eine Auszeichnung und ein Beleg für das große wirtschaftliche Potential im medizinischen Bereich der Universität“, freut sich Dr. Iris Zwirner-Baier, stellvertretende Leiterin des SFT.

Die drei weiteren Preisträger des m4 Awards 2013 kommen aus München und Martinsried, insgesamt hatten sich 35 Forscherteams um den Vorgründungspreis beworben.

Intensive Betreuung bei der Antragstellung

Alle Projektskizzen aus Franken oder der Oberpfalz mussten bis Mitte Dezember 2012 beim Netzwerk Nordbayern eingereicht werden. Mit intensivem, individuellem Coaching bereitete die Gründer- und Unternehmerinitiative gemeinsam mit den Gründerberatern vom Innovations- und Gründerzentrum Würzburg die Forscherteams kostenfrei auf die Teilnahme am m4 award vor. Netzwerk Nordbayern ist der zentrale Ansprechpartner für potentielle Gründerteams aus nordbayerischen Hochschulen und öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen sowie für Technologietransferstellen, die sich um den Vorgründungspreis m4 Award bewerben wollen.

„Der Erfolg der Würzburger Teams beim m4 award 2013 freut uns sehr, denn gerade Hochschulteams liegen uns besonders am Herzen. Mit der guten und koordinierten Zusammenarbeit mit den Gründerteams und den regionalen Unterstützungspartner vor Ort gelingt es regelmäßig wichtige Meilensteine auf dem Weg zur erfolgreichen Unternehmensgründung zu erreichen“, unterstreicht Dr. Benedikte Hatz, Geschäftsführerin des Netzwerk Nordbayern.

Für das Innovation- und Gründerzentrum Würzburg freut sich Klaus Walther, Geschäftsführer des IGZ BioMed/ZmK: „Würzburg zeichnet sich aus als starker Forschungsstandort im Bereich Life Sciences und legt die Basis für erfolgreiche Firmengründungen. Ich freue mich, dass die Gründer von der hervorragenden Kooperation zwischen den Unterstützungspartnern vor Ort nachweislich gut profitieren.“

Kontakt

Dr. Iris Zwirner-Baier, T: (0931) 31-84050,
E-Mail:iris.zwirner-baier@uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | Uni Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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