Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was unsere Welt im Innersten zusammenhält

14.04.2011
Physiker Dr. Markus Huber von der Universität Jena erhält den Victor-Hess-Preis 2011

Der Victor-Hess-Preis für hervorragende Dissertationen auf dem Gebiet der Kern- und Teilchenphysik wird in diesem Jahr an den Postdoc Dr. Markus Huber von der Universität Jena vergeben. Huber erhält die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung auf der gemeinsamen Jahrestagung der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft (ÖPG) und der Schweizerischen Physikalischen Gesellschaft (SPG), die vom 15. bis 17. Juni in Lausanne stattfindet.

„Man muss kein österreichischer Bürger sein, um nominiert zu werden, jedoch muss die Dissertation an einer österreichischen Universität eingereicht werden“, erläutert der 28-jährige Jenaer. Sein Betreuer hat die Arbeit, die Huber im April 2010 beendet hat, mit dem Titel „On gauge fixing aspects of the infrared behaviour of Yang-Mills-Green functions“ im März 2011 eingereicht. Der junge Wissenschaftler hat sich jedoch kaum Chancen auf den Preis ausgerechnet, da die bisherigen Preisträger sehr oft aus dem experimentellen Bereich kamen, während Huber sich in seiner Dissertation mit der „Starken Wechselwirkung der Elementarteilchen“ auf theoretischer Ebene befasst hatte. „Ich war sehr überrascht, als ich jetzt erfahren habe, dass ich den Preis erhalten werde“, sagt Markus Huber. Dies gilt auch für seine Jenaer Kollegen. „Die Liste der Preisträger der vergangenen Jahre liest sich wie das österreichische ,Who is who‘ der modernen Physik“, sagt etwa Prof. Dr. Holger Gies und freut sich mit Markus Huber über die Auszeichnung.

In seiner Dissertation beschäftigt sich Huber mit der Yang-Mills-Theorie, die bereits aus den 1950er Jahren stammt. Es handelt sich hierbei um eine Eichtheorie, welche die Starke Wechselwirkung beschreibt. Im Speziellen werden Gluonen untersucht, die für die Übertragung der Starken Wechselwirkung verantwortlich sind. „Diese Elementarteilchen kann man sich als Mörtel vorstellen, der die anderen Bausteine des Atomkerns, die sogenannten Quarks, fest miteinander verbindet“, erklärt Dr. Huber. Gluonen haben die Eigenschaft, dass man sie nicht als freie Teilchen beobachten kann. Dieses Phänomen wird in der Physik als „Confinement“ bezeichnet. In Experimenten hat man nachgewiesen, dass Protonen und Neutronen aus noch kleineren Teilchen bestehen, doch ist es nicht möglich, diese getrennt zu beobachten.

Aus welchem Grund sind Gluonen und Quarks nicht einzeln sichtbar? Zahlreiche Physiker haben sich jahrzehntelang mit dem Problem des „Confinements“ auseinandergesetzt, doch bis heute ist es noch nicht ganz verstanden. „Confinement ist ein riesiges Puzzle und solange wir es nicht gelöst haben, haben wir einen Teil der uns umgebenden Welt nicht verstanden“, stellt der sportliche Physiker fest. Markus Huber hat sich in seiner Dissertation mit einem kleinen Teilbereich des Phänomens beschäftigt. Einen praktischen Nutzen habe seine Grundlagenforschung wohl nicht, sagt Huber, sie trage jedoch zum Verständnis der Welt bei.

Der Postdoc ist nach wie vor auf dem Gebiet der Starken Wechselwirkung in der Elementarteilchenphysik tätig. Als Mitglied des Graduiertenkollegs „Quanten- und Gravitationsfelder“ am Theoretisch-Physikalischen Institut der Jenaer Universität befasst er sich unter anderem mit Flussgleichungen. Diese Gleichungen dienen als Werkzeug in vielen Bereichen. Auch die komplexen Zusammenhänge in der Elementarteilchenphysik kann man mit ihnen gezielt untersuchen, woraus sich die Physiker neue Erkenntnisse versprechen.

Kontakt:
Dr. Markus Huber
Theoretisch-Physikalisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fröbelstieg 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 947104
E-Mail: Markus.Huber[at]uni-jena.de

Julia Piontek | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht »Die Oberfläche 2018« – Fünf Nominierungen gehen in die Endrunde
18.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht DFG fördert Entwicklung innovativer Forschungssoftware an der Universität Bremen
17.05.2018 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics