Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wasser statt Chemie: Heiße Dusche gegen faule Äpfel

05.08.2014

DBU fördert Pflanzenschutz-Projekt für mehr Fruchtqualität und weniger Lagerverluste

In den deutschen Obstanbaugebieten werden jährlich rund eine Million Tonnen Äpfel angebaut. Doch nicht alle landen beim Verbraucher. Der Befall mit Schadpilzen, besonders mit Bitterfäuleerregern, lässt bis zu zehn Prozent der Ernte, teilweise sogar 30 Prozent der Äpfel während der Lagerung und vor der Vermarktung verfaulen.

„Wenn man bedenkt, dass in Deutschland jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden, besteht hier großer Handlungsbedarf“, sagt Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). „Außerdem brauchen wir dringend Alternativen, um den Naturhaushalt von Pflanzenschutzmitteleinträgen zu entlasten.“ Deshalb unterstütze die DBU die Obstbauversuchsanstalt Jork der Landwirtschaftskammer Niedersachsen fachlich und finanziell mit rund 340.000 Euro, um Äpfel ohne chemischen Pflanzenschutz durch eine kurzzeitige Heißwasserbehandlung länger haltbar zu machen und Lagerverluste zu vermeiden.

„Jeder einzelne Apfel wird nach der Ernte für 15 bis 25 Sekunden mit 55 bis 60 Grad heißem Wasser geduscht oder gebadet“, erklärt Dr. Karsten Klopp, Leiter der Obstbauversuchsanstalt Jork. Es gehe darum, Wassertemperatur, Zeitpunkt und Dauer der Behandlung exakt einzustellen, um das Verfahren der sogenannten Kurzzeitigen Heißwasserbehandlung (Kurz-HWB) zu verfeinern und zur Praxisreife zu bringen.

Weltweit arbeiteten Wissenschaftler bereits seit 15 Jahren an Heißwassertauchverfahren (HWT) auf der Suche nach der perfekten Wassertemperatur. Einige ökologische Apfelanbaubetriebe wendeten zwar bereits ein wirksames Heißwassertauchverfahren an, das jedoch sehr arbeitsintensiv, teuer und technisch noch nicht ausgereift sei.

Die von Klopps Team aus dem Heißwassertauchverfahren abgeleitete innovative Kurz-HWB mit speziellen Duschen oder Bädern und einem geregelten Durchfluss habe mehrere Vorteile gegenüber dem bisherigen Tauchverfahren: „Die Behandlungszeit kann verkürzt und der Energieaufwand deutlich verringert werden. Die Anwendung kann sogar ohne zeitlichen Mehraufwand in den bereits bestehenden Apfelsortier- und Aufbereitungsprozess eingebunden werden“, sagt Klopp.

Die pilzhemmende Wirkung des Verfahrens werde sozusagen durch einen Hitzeschock des Apfels hervorgerufen. „Dadurch kann der Apfel Pilzinfektionen beseitigen oder abwehren, die zum Zeitpunkt des Tauchens schon latent vorliegen, aber noch nicht sichtbar sind. Auch gegen später auftauchende Infektionen gibt die Heißwasserbehandlung noch einen gewissen Schutz“, erklärt Dr. Roland Weber, Abteilungsleiter Pflanzenschutz der Obstbauversuchsanstalt Jork. In Versuchen an frisch geernteten und mehrere Monate gelagerten Äpfeln sei bereits eine hohe Wirkung gegen die Bitterfäuleerreger und andere pilzliche Lagerfäule nachgewiesen worden.

Das Verfahren eigne sich sowohl im integrierten als auch im ökologischen Obstanbau, der besonders von den Alternativen zu chemischen Pflanzenschutzmitteln profitiere, die er eben nicht verwenden dürfe. Auch der Integrierte Anbau könne mit diesem Verfahren den Einsatz von Fungiziden und Rückstände chemischer Pflanzenschutzmittel auf den Äpfeln verringern.

„Bislang werden die pilzlichen Lagerfäulen vor allem durch chemisch-synthetische Fungizide im Integrierten Obstbau bzw. durch nichtsynthetische Pflanzenschutzmittel im ökologischen Anbau bekämpft. Doch man weiß nur wenig über den Zeitpunkt von Infektionen durch Schadpilze, weshalb die Fungizide eher ungezielt und in einem breiten Zeitfenster von ein bis sechs Wochen vor der Ernte auf die Äpfel gespritzt werden“, sagt DBU-Referent Dr. Holger N. Wurl.

In der Obstbaupraxis könne das neuartige Verfahren durch ökologische und ökonomische Vorteile überzeugen: Es entlaste die Umwelt durch den Wegfall chemischer Pflanzenschutzmittel kurz vor der Ernte, senke Verluste für den Obstbaubetrieb und erhöhe die Produktqualität für den Verbraucher. Bottermann: „Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem Paradigmenwechsel in der Praxis des Obstanbaus.“

Weitere Informationen:

https://www.dbu.de/123artikel35510_335.html

Franz-Georg Elpers | DBU Presseabteilung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise