Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Wahnsinn auf der Spur

29.11.2011
Gerold Sedlmayr, Professor für British Cultural Studies an der Universität Würzburg, hat für seine Habilitation den Karl-Heinz-Pollok-Gedächtnispreis der Universität Passau erhalten.

In seiner Arbeit hat sich Sedlmayr mit der Bedeutung des Wahnsinns in den Bereichen Medizin, Politik und Literatur im Großbritannien des Zeitraums von 1790 bis 1815 beschäftigt. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Nein, Gerold Sedlmayr hat nicht den Wahnsinn um seiner selbst willen erforscht. Was ihn viel mehr interessiert hat, waren die Ursprünge eines modernen Rationalitätsbegriffs in den Naturwissenschaften, im westlichen politischen Denken und in der Literatur.

„Ich habe untersucht, wie der Wahnsinn in verschiedenen englischen Texten aus der Zeit von 1790 bis 1815 thematisiert wurde“, sagt er. Was hat die Medizin an neuesten Erkenntnissen über den Wahnsinn geschrieben? Wie haben Schriftsteller diese Erkenntnisse in ihren Werken aufgegriffen? Welche Rolle spielte das Thema in der Politik dieser Zeit? Solche – und natürlich viele weitere Fragen darüber hinaus – hat der Kulturwissenschaftler in seiner Habilitation untersucht.

Für diese Arbeit, die an der Universität Passau entstanden ist, hat Sedlmayr nun den Karl-Heinz-Pollok-Gedächtnispreis erhalten. Die Universität zeichnet damit im Gedenken an ihren Gründungspräsidenten jährlich eine hervorragende Habilitationsschrift aus. Mit dem Preisgeld soll der Preisträger die Möglichkeit bekommen, seine Forschungsarbeit fortzusetzen und zu vertiefen.

Ein Wandel im Selbstverständnis des Menschen

Sedlmayr zeigt, „dass die Zeit um 1800 in der Tat einen entscheidenden Wandel im (Selbst-) Verständnis des Menschen als individuellem Subjekt markierte“, wie es in der Laudatio heißt. Ein Beispiel dafür ist das in allen Feldern auftauchende Phänomen der Fallstudie. Anstatt unterschiedslos traditionelle Mittel für die Heilung sogenannter „lrrsinniger“ anzuwenden, wie etwa den Aderlass, begannen Ärzte nun, individuelle Fallgeschichten ihrer Patienten zu erstellen, um das jeweils Spezifische ihrer Erkrankung in die Therapie mit einbeziehen zu können.

Auf ähnliche Weise gingen Beobachter des „Wahnsinns“ der Französischen Revolution dazu über, historische Ereignisse wie dieses nicht mehr im Sinne der Wiederholung eines immer gleichen Musters zu deuten, sondern forderten, sie im Sinne von Fallgeschichten zu verstehen und einzuordnen.

Zur Person

Gerold Sedlmayr wurde 1973 in Passau geboren. Dort absolvierte er von 1993 bis 2000 das Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Geschichte. Nach einem vom DAAD geförderten akademischen Jahr am Trinity College Dublin promovierte er 2004 über das Werk des irischen Gegenwartslyrikers Brendan Kennelly. 2010 habilitierte er sich.

2004 verbrachte er einige Zeit als Visiting Professor an der University of Western Michigan in Kalamazoo, USA, sowie 2007 als Visiting Research Fellow am Institute for Advanced Studies in the Humanities an der University of Edinburgh in Schottland.

Seit April 2011 ist er Professor an der Universität Würzburg. Neben der Irlandistik und der Romantikforschung liegen seine Forschungsinteressen vor allem in den Bereichen Literatur- und Kulturtheorie sowie Media Studies – insbesondere im Hinblick auf britische Filme und Fernsehserien.

Kontakt
Prof. Dr. Gerold Sedlmayr, T (0931) 31-85705, gerold.sedlmayr@uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht »Die Oberfläche 2018« – Fünf Nominierungen gehen in die Endrunde
18.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht DFG fördert Entwicklung innovativer Forschungssoftware an der Universität Bremen
17.05.2018 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics