Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorbildliche Medizin aus der Natur - Inhoffen-Medaille für Chemiker Herbert Waldmann

23.04.2010
Der Förderverein des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung verleiht die Inhoffen-Medaille an den Chemiker Herbert Waldmann.

Der Forscher wird die Auszeichnung am kommenden Donnerstag, 29. April, um 15 Uhr in der Aula im Haus der Wissenschaft an der Technischen Universität Braunschweig entgegennehmen.

Der Chemiker Herbert Waldmann sucht inspiriert durch natürliche Wirkstoffe nach neuen Medikamenten. Seine Vorbilder sind sogenannte Naturstoffe - kleine, biologisch aktive Moleküle, die von Pflanzen, Mikroorganismen und Tieren beispielsweise zur Verteidigung oder als Botenstoffe zwischen Zellen und Organen produziert werden.

Viele Naturstoffe wirken nicht nur auf ihre ursprünglichen Ziele, sondern auch auf bestimmte menschliche Stoffwechselprozesse. So zählen bis heute die in Pflanzen vorkommenden Substanzen Morphin und die Digitalisglykoside zu den wirksamsten Medikamenten gegen Schmerzen beziehungsweise gegen Herzkrankheiten. Tatsächlich basiert fast die Hälfte aller derzeit verfügbaren Arzneimittel auf Naturstoffen oder naturstoffähnlichen Verbindungen. In der Krebsmedizin trifft dies sogar auf rund drei Viertel aller Präparate zu.

Herbert Waldmann und seinen Mitarbeitern ist es in jahrelanger Arbeit gelungen, anhand von verschiedenen Naturstoffen als Vorlage, eine Vielfalt an neuen und naturidentischen Substanzen auf chemischem Wege durch Synthese zu gewinnen. Einige spielen als Hemmstoff eine maßgebliche Wirkung auf das Wachstum von Brust-, Eierstock- und Magentumoren, andere regulieren den Blutzucker oder sind an der Reizleitung im Nervensystem beteiligt.

Für seine Arbeit wird Herbert Waldmann jetzt in Braunschweig mit der Inhoffen-Medaille geehrt. Der Forscher wird die Auszeichnung am kommenden Donnerstag, 29. April, um 15 Uhr in der Aula im Haus der Wissenschaft an der Technischen Universität Braunschweig entgegennehmen.

Herbert Waldmann studierte Chemie und promovierte 1985 im Fach Organische Chemie. In den folgenden zwei Jahren arbeitete er als Postdoktorand an der Harvard University in Cambridge, USA. 1991 habilitierte er sich an der Universität Mainz. Kurz darauf erhielt er die Professur für Organische Chemie an der Universität Bonn. 1993 übernahm er einen Lehrstuhl für Organische Chemie an der Universität Karlsruhe. Seit 1999 leitet er die Abteilung Chemische Biologie am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie in Dortmund.

Seither hat Herbert Waldmann zudem die Professur für Biochemie an der Technischen Universität Dortmund inne. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche wissenschaftliche Auszeichnungen, darunter den Otto-Bayer-Preis und die Max-Bergmann-Medaille.

Der vom Förderverein des Helmholtz-Zentrums gestiftete Preis ist mit 2500 Euro dotiert. Er wird im Rahmen der öffentlichen Inhoffen-Vorlesung verliehen, einer gemeinsamen Veranstaltung des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung und der Technischen Universität Braunschweig. Nach einem Vortrag des Preisträgers wird Prof. Joachim Klein, Vorsitzender des Fördervereins und der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft, die Medaille überreichen.

Würdigung herausragender Doktorarbeiten
Im Rahmen der Preisverleihung zeichnet der Förderverein zudem herausragende Doktorarbeiten der Technischen Universität Braunschweig und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung aus. In diesem Jahr gibt es zwei Preisträger des mit 2.000 Euro dotierten Förderpreises. Dr. Judith Becker, TU Braunschweig, generierte während ihrer biotechnologisch orientierten Arbeit mit Hilfe neuartiger systembiologischer Methoden einen maßgeschneiderten, extrem effizienten Corynebakterien-Stamm zur Produktion von Lysin (jährliche Weltproduktion: 1 Million Tonnen), einem der wichtigsten Produkte in der industriellen Biotechnologie. Dr. Jan Hänisch, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, untersuchte ausführlich die grundlegenden Mechanismen der Zellinvasion durch Salmonellen. Salmonellen sind eine der häufigsten Ursachen von Lebensmittelvergiftungen, wobei man weltweit von über einer Milliarde Fällen pro Jahr ausgeht, die zu vielen tausend Todesopfern führen. Dr. Hänisch konnte zeigen, dass die verbreitete Lehrmeinung über die Invasionsstrategie der Salmonellen in menschliche Zellen zu kurz greift und dass mehrere Wege der Zellinvasion existieren.

Neben den Förderpreisen wird auch der Fritz-Wagner-Preis zur Förderung der Biotechnologie verliehen. Die Auszeichnung und die damit verbundenen 500 Euro erhält in diesem Jahr Nelson Lloyd Brock, TU Braunschweig, für seine Masterarbeit, die er schon mit 21 Jahre abschloss. Er erforschte den Schwefelmetabolismus von Bakterien der Roseobacter-Gruppe, der im direkten Zusammenhang mit dem globalen Schwefelzyklus und dem Klima der Erde besteht und der zudem mit der Biosynthese des Antibiotikums Tropodithietsäure verbunden ist.

Hans Herloff Inhoffen und die gleichnamige Medaille
Zum Gedenken an den 1992 verstorbenen Chemiker Prof. Hans Herloff Inhoffen veranstalten die TU Braunschweig und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (damals noch: Gesellschaft für Biotechnologische Forschung, kurz GBF) seit 1994 regelmäßig die Inhoffen-Vorlesung, bei der der gleichnamige Preis vergeben wird. Inhoffen lehrte von 1946 bis 1974 an der TH Braunschweig und amtierte dort von 1948 bis 1950 als Rektor. Er gründete darüber hinaus 1965 das "Institut für Molekulare Biologie, Biochemie und Biophysik" (IMB), das Vorläufer-Institut der GBF und damit des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung.

Hinweise für die Medien:

Bei einem Pressetermin um ca. 14.30 Uhr - unmittelbar vor der Inhoffen-Vorlesung - besteht Gelegenheit zum Fotografieren der Preisträger.

Nähere Auskünfte zu den ausgezeichneten wissenschaftlichen Arbeiten geben wir gerne unter der Telefon-Nummer 0531/6181-1400

Susanne Thiele | idw
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Rudolf-Virchow-Preis 2017 – wegweisende Forschung zu einer seltenen Form des Hodgkin-Lymphoms
23.06.2017 | Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

nachricht Repairon erhält Finanzierung für die Entwicklung künstlicher Herzmuskelgewebe
23.06.2017 | Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften