Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vielversprechender Therapieansatz bei Lebererkrankung

02.08.2012
Wissenschaftler um Dr. Anita Pathil-Warth, Medizinische Universitätsklinik Heidelberg, haben einen neuen Wirkstoff gegen nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen entwickelt und erfolgreich im Tierversuch getestet. Die Arbeit wurde mit dem Adolf-Kußmaul-Preis der Falk Foundation ausgezeichnet und in Hepatology veröffentlicht.

Wer an einer nicht-alkoholischen Fettleber leidet, muss darauf hoffen, dass Diät und ausgewogene Ernährung seine Leber vor weiteren Schäden schützt – Medikamente gibt es nicht. Dr. Anita Pathil-Warth, Assistenzärztin an der Abteilung für Gastroenterologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Stremmel), und Kollegen haben eine Wirkstoffverbindung gefunden, die im Tierversuch die Leberverfettung stoppt und die daraus hervorgehende Entzündung ausheilen lässt.

Die Bestandteile des Wirkstoffs kommen von Natur aus in der Leber vor und verursachten bei Mäusen keine Nebenwirkungen. Für diese wegweisende Arbeit, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Hepatology, ist die 30-jährige Medizinerin mit dem Adolf-Kußmaul-Preis der Falk Foundation e.V. ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Gastroenterologen schätzen, dass rund jeder fünfte Erwachsene in Deutschland an einer sogenannten nicht-alkoholischen Leberverfettung leidet. Anders als bei der alkoholischen Fettleber wird diese Erkrankung nicht durch übermäßigen Alkoholkonsum verursacht. Die Folgen sind allerdings dieselben: Bei ca. 20 Prozent der Betroffenen kann die Verfettung Entzündungen (Fettleber-Hepatitis) bis hin zu Leberzirrhose und -krebs auslösen. Die Erkrankung wird meist nur zufällig entdeckt, da sie in der Regel keine oder nur leichte Beschwerden wie Völlegefühl verursacht. Die Mehrzahl der Patienten ist stark übergewichtig und leidet an der Zuckererkrankung Diabetes Mellitus Typ 2. Aber auch Normalgewichtige können betroffen sein.

Bisher keine gezielte Behandlung möglich

Die Abläufe im Körper, die zur nicht-alkoholischen Fettleberhepatitis und -zirrhose führen, unterscheiden sich von der alkoholischen Form und sind bisher nicht abschließend erforscht. Die einzigen Gegenmaßnahmen sind aktuell eine allmähliche Gewichtsreduktion und die genaue Einstellung von Blutzucker und Fettstoffwechsel. „Wir gehen heute davon aus, dass ein Großteil der Leberzirrhosen, deren Ursache bisher nicht geklärt werden konnte, auf nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen zurückgehen. Das ist ein relevantes Problem, für das wir dringend eine Behandlung brauchen“, erklärt Dr. Anita Pathil-Warth.

Hepatitis heilte im Tierversuch aus

Gemeinsam mit ihrem Team untersucht sie eine neue Verbindung aus Gallensäure (Ursodeoxycholsäure / UDCA) und einem sogenannten Phospholipid (Lysophosphatidylethanolamid / LPE), einem natürlichen Bestandteil der Zellhüllen im Körper. UDCA ist ein gängiges Medikament bei Erkrankungen von Leber und Galle mit wenigen Nebenwirkungen. „Eine US-amerikanische Studie von 2004 hat gezeigt, dass UDCA alleine nicht ausreichend gegen Fettlebererkrankungen wirkt. Durch die Verbindung mit dem entzündungshemmenden Phospholipid LPE konnten wir die Schutzwirkung bei Mäusen verstärken“, so Pathil-Warth. Dies gelang sowohl bei Fettleber in Verbindung mit Übergewicht als auch bei Fettleber als Folge einer Stoffwechselstörung: Die Leberwerte besserten sich und die Fetteinlagerungen in den Leberzellen gingen zurück. Die Entzündungsreaktionen klangen ab, wodurch eine Hepatitis gar nicht erst auftrat bzw. ausheilte.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die neue Verbindung hervorragend als Medikament gegen die nicht-alkoholische Fettleberhepatitis eignen könnte“, so Pathil-Warth. Nun arbeitet die Gruppe an einer geeigneten Verabreichungsform, damit der Wirkstoff zukünftig - zunächst im Rahmen klinischer Studien - als Tablette eingenommen werden kann."

Literatur:
Hepatology, 2012 May;55(5):1369-78. doi: 10.1002/hep.25531. Epub 2012 Mar 18
Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/IV-Gastroenterologie-Infektionen-Vergiftungen.9363.0.html
Kontakt für Journalisten:
Dr. Anita Pathil-Warth
Abteilung für Gastroenterologie
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 38102
E-Mail: Anita.Pathil-Warth@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Leiterin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-4536
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de
Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie
28.06.2017 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Revolutionäres Desinfektionsverfahren und Referenzmaterial für Genanalysen sind UNIQUE-Sieger
28.06.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive