Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn verschachtelte Sätze den Leser verwirren

11.05.2011
Forscherin entwickelt Theorie zur Sprachverarbeitung

Wenn sich ein Satz in einem Zeitungsartikel über mehrere Zeilen hinzieht, bleibt der Blick des Lesers an bestimmten Wörtern hängen. Schachtelsätze muss das menschliche Gehirn erst mühsam zerlegen, um ihren Sinn zu erfassen.

Was dabei genau passiert, erforscht Vera Demberg im Informatik-Exzellenzcluster der Saar-Uni. Sie hat untersucht, ob die alltägliche Praxis beim Zeitungslesen überhaupt mit den bisherigen Theorien zur Sprachverarbeitung übereinstimmt. Für ihre Forschungsarbeit erhält sie jetzt den mit 10.000 Dollar dotierten Dissertationspreis der US-amerikanischen „Cognitive Science Society“.

Wenn Psychologen und Linguisten erforschen, wie die Sprache im menschlichen Gehirn verarbeitet wird, nehmen sie gerne Beispielsätze, die nur eine bestimmte Art von Satzkonstruktionen beinhalten. Damit ist aber nicht sicher gestellt, ob die daraus entwickelten Theorien zur Sprachverarbeitung auch allgemein zutreffen. Vera Demberg hat sie daher dem Praxistest unterworfen und mit Blickerfassungsdaten der alltäglichen Zeitungslektüre verglichen.

„Bei der Blickerfassung wird untersucht, wie lange das menschliche Auge in einem Text jeweils ein bestimmtes Wort wahrnimmt. Aus der gemessenen Zeit lassen sich Rückschlüsse ziehen, ob der Leser Schwierigkeiten hatte, einzelne Wörter oder Sinnzusammenhängen zu verstehen“, erklärt die Forscherin.

Die Untersuchungsergebnisse glich die Forscherin mit den gängigen Theorien zur Sprachverarbeitung ab und entwickelt daraus ein neues theoretisches Modell. Dieses kann in der Praxis jetzt zum Beispiel dazu dienen, den Schwierigkeitsgrad von Texten festzustellen.

„Für Schüler, die eine Sprache erlernen, könnte man anhand eines solchen Modells Texte auswählen, die ihrem Leistungsstand besser entsprechen“, sagt Vera Demberg. Auch die Kommunikation von Mensch und Maschine könne damit erleichtert werden. So ließen sich damit intelligente Dialogsysteme entwickeln, die in der Lage wären, die Schwierigkeit von Dialogen zu bewerten und sich an das Niveau des Kommunikationspartners anzupassen. „Auch ein Navigationsgerät könnte sich dann unterschiedlich verhalten, je nachdem wie stark der Autofahrer sich gerade auf den Straßenverkehr konzentrieren muss“, erklärt die promovierte Computerlinguistin.

Vera Demberg leitet seit Oktober 2010 eine eigene Forschergruppe im Saarbrücker Exzellenzcluster „Multimodal Computing and Interaction“. Sie beschäftigt sich dort mit Modellen der menschlichen Spracherzeugung und deren Anwendung auf Dialogsysteme. Ihren Forschungsschwerpunkt sieht sie an der Schnittstelle zwischen Computerlinguistik, Informatik und Psycholinguistik.

Hintergrund: Der Dissertationspreis „Cognitive Science Society“
Der Dissertationspreis wird von der amerikanischen „Cognitive Science Society“ und der „Glushko-Samuelson Foundation“ vergeben und zeichnet bis zu fünf Doktorarbeiten jährlich aus. Er wird erstmals im Juli 2011 während der Cognitive Science Konferenz in Boston verliehen. Ausgezeichnet werden bahnbrechende Erkenntnisse im Bereich der Kognitionswissenschaft, die durch ihren interdisziplinären Ansatz zu einem besseren Verständnis von menschlicher Kommunikation und Kognition in intelligenten Systemen führen soll.

Fragen beantwortet:

Dr. Vera Demberg
Tel. 0681/302-70024
vera@mmci.uni-saarland.de
Pressekontakt:
Markus M. Frey
Tel. 0681/302-70164
M.frey@informatik-saarland.de
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://cognitivesciencesociety.org
http://www.coli.uni-saarland.de/~vera/
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Center Smart Materials CeSMa erhält SilverStar Förderpreis 2017 für innovativen Druckmessstrumpf
30.05.2017 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

nachricht Ausgezeichnet: Hallesche Pharmazeuten erhalten „Best Paper Award“ für Studie zu Nanopartikeln
30.05.2017 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

Wissenschaftler haben eine neue Methode entwickelt, um die Eigenschaften von Graphen ohne das Anlegen störender elektrischer Kontakte zu charakterisieren. Damit lassen sich gleichzeitig der Widerstand und die Quantenkapazität von Graphen sowie von anderen zweidimensionalen Materialien untersuchen. Dies berichten Forscher vom Swiss Nanoscience Institute und Departement Physik der Universität Basel im Wissenschaftsjournal «Physical Review Applied».

Graphen besteht aus einer einzigen Lage von Kohlenstoffatomen. Es ist transparent, härter als Diamant, stärker als Stahl, dabei aber flexibel und ein deutlich...

Im Focus: New Method of Characterizing Graphene

Scientists have developed a new method of characterizing graphene’s properties without applying disruptive electrical contacts, allowing them to investigate both the resistance and quantum capacitance of graphene and other two-dimensional materials. Researchers from the Swiss Nanoscience Institute and the University of Basel’s Department of Physics reported their findings in the journal Physical Review Applied.

Graphene consists of a single layer of carbon atoms. It is transparent, harder than diamond and stronger than steel, yet flexible, and a significantly better...

Im Focus: Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

Transportproteine in unseren Körperzellen schützen uns vor gewissen Vergiftungen. Forschende der ETH Zürich und der Universität Basel haben nun die hochaufgelöste dreidimensionale Struktur eines bedeutenden menschlichen Transportproteins aufgeklärt. Langfristig könnte dies helfen, neue Medikamente zu entwickeln.

Fast alle Lebewesen haben im Lauf der Evolution Mechanismen entwickelt, um Giftstoffe, die ins Innere ihrer Zellen gelangt sind, wieder loszuwerden: In der...

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftsforum Chemie 2017

30.05.2017 | Veranstaltungen

Erfolgsfaktor Digitalisierung

30.05.2017 | Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

30.05.2017 | Physik Astronomie

Riesenfresszellen steuern die Entwicklung von Nerven und Blutgefäßen im Gehirn

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Nano-U-Boot mit Selbstzerstörungs-Mechanismus

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie