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Umweltpreis der Sigrid-und-Viktor-Dulger-Stiftung für Permafrostforscher Sebastian Westerman

11.05.2012
Sebastian Westermann, ehemaliger Doktorand am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft, wird am heutigen Freitagabend für seine Doktorarbeit mit dem Umweltpreis der Sigrid-und-Viktor-Dulger-Stiftung ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und ehrt den Nachwuchswissenschaftler von der Universität Heidelberg für seine wegweisende Forschung über die Oberflächen-Energieströme des Permafrostbodens auf Spitzbergen.

Sebastian Westermann hatte während seiner Doktorandenzeit an der Potsdamer Forschungsstelle des Alfred-Wegener-Institutes mehr als neun Monate an der deutsch-französischen Forschungsbasis AWIPEV in Ny-Ålesund, Spitzbergen verbracht und dort als einer der ersten Wissenschaftler die Energiebilanz des Dauerfrostbodens im Winter und Sommer gemessen.

„Der Permafrostboden wird von vielen Umweltfaktoren beeinflusst. Dazu zählen zum Beispiel die Lufttemperatur, die Strahlung und die Schneedecke. Verändern sich diese Faktoren im Zuge des Klimawandels, stellt sich für uns die Frage, welcher Faktor sich am stärksten auf den Permafrost auswirkt. Die Antwort darauf ist entscheidend, wenn man Vorhersagen darüber treffen will, wann, in welchem Maße und unter welchen Bedingungen der gefrorene Boden zu tauen beginnt“, sagt der Physiker.

In seiner Doktorarbeit mit dem Titel „Sensitivity of permafrost“ hat er zum Beispiel gezeigt, dass auf Spitzbergen die Dicke der Schneedecke die Bodentemperatur maßgeblich mitbestimmt. „Der Boden ist nie gleichmäßig von Schnee bedeckt. Es gibt Stellen, an denen der Schnee vom Wind weggeblasen wird, an anderen türmt er sich auf. Diese Unterschiede sind der Grund dafür, dass sich über sehr kurze Distanzen, also in einem Abstand von weniger als 100 Metern, ganz unterschiedliche Bodentemperaturen ergeben“, erklärt Sebastian Westermann.

Auf diese Erkenntnis aufbauend hat er in seiner Arbeit erste Ansätze entwickelt, wie diese unterschiedlichen Temperaturausprägungen in Klimamodelle integriert werden können. „Das große Ziel unserer Grundlagenforschung lautet, ein weltweites satellitengestütztes Permafrost-Beobachtungsnetzwerk aufzubauen. Es soll eines Tages so funktionieren, dass wir aktuelle Satellitendaten in ein funktionierendes Klimamodell einspeisen und uns dieses Modell Daten über den Zustand des Permafrostes liefert“, sagt Dr. Julia Boike, AWI-Forscherin und Leiterin der Helmholtz-Hochschul-Nachwuchsgruppe „Sensitivity of Permafrost in the Arctic (SPARC)“, der Sebastian Westermann von Februar 2007 bis Mai 2010 angehörte.

Er hat in diesem Projekt wichtige Pionierarbeit geleistet. „Während seiner Expeditionen hat Sebastian Westermann unter anderem die Bodenoberflächentemperaturen mit einer Thermalkamera aufgezeichnet und diese Vor-Ort-Daten anschließend mit den Daten eines Satelliten verglichen. Dabei zeigte sich zum Beispiel, dass eine dichte Wolkendecke die Messgenauigkeit des Satelliten stark beeinflusst. Für unsere weitere Arbeit ist dies eine sehr wichtige Erkenntnis“, so Julia Boike.

Sie schätzt an Sebastian Westermann nicht nur seine fachliche Expertise. „Er ist sehr kreativ, bringt viele Ideen in ein Team mit ein und unterstützt andere, wann immer seine Hilfe gefragt ist“, erzählt die Wissenschaftlerin über den Preisträger. Sebastian Westermann selbst denkt ebenfalls gern an seine Doktorandenzeit in der SPARC-Gruppe des Alfred-Wegener-Institutes zurück: „Das Alfred-Wegener-Institut verfügt als Großforschungsinstitut über logistische Möglichkeiten, die nicht nur in Deutschland, sondern meiner Erfahrung nach auch weltweit nahezu einmalig sind. Darüber hinaus gehört die Forschungsstelle Potsdam zu den international führenden Permafrost-Forschungszentren. Ihr Fokus auf konkreten Aussagen zum Permafrost war die perfekte Ergänzung zu meiner Arbeitsgruppe an der Universität Heidelberg, deren Schwerpunkt eher im Methodenbereich liegt“, so der Wissenschaftler.

Am Tag der Preisverleihung wird er vermutlich derjenige mit der weitesten Anreise sein. Sebastian Westermann forscht und lehrt derzeit an der Universität Oslo in Norwegen. Die Kontakte zu seiner alten Arbeitsgruppe am Alfred-Wegener-Institut aber sind noch immer eng. So arbeiten die Permafrost-Experten aus Deutschland und Norwegen unter anderem im neuen europäischen Permafrost-Forschungsprojekt PAGE21 (http://page21.arcticportal.org/) eng zusammen.

Der „Sigrid-und-Vikor-Dulger-Preis“ wurde im Jahr 2006 von der Sigrid-und-Vikor-Dulger-Stiftung zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Land Baden-Württemberg gestiftet. Seit diesem Jahr wird er für wissenschaftliche Arbeiten verliehen, die sich mit Umweltproblemen und deren Lösung beschäftigen.

Hinweise für Redaktionen: Druckbare Bilder finden Sie in der Onlineversion dieser Pressemitteilung unter http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/.

Englischsprachige Informationen zur SPARC-Helmholtz-Hochschul-Nachwuchsgruppe des Alfred-Wegener-Institutes gibt es unter: http://www.awi.de/en/research/young_investigators/helmholtz_university_young

_investigators_groups/sensitivity_of_permafrost_in_the_arctic_sparc/

Ansprechpartner sind Sebastian Westermann (E-Mail: sebastian.westermann@geo.uio.no), Dr. Julia Boike (Tel: 0331-288-21 19; E-Mail: Julia.Boike@awi.de) sowie in der Pressestelle des Alfred-Wegener-Institutes Sina Löschke (Tel: 0471-48 31-20 08; E-Mail: Sina.Loeschke@awi.de).

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Ralf Röchert | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi.de

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