Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

UDE-Forscher Balzani erhält Maier-Leibnitz-Preis

15.04.2010
Es ist eine Entwicklung, von der Medizin und Autoindustrie gleichermaßen profitieren könnten: Dr. Daniel Balzani, Mechanik-Ingenieur der Uni Duisburg-Essen (UDE), hat Simulationsmodelle konstruiert, die Arterienbehandlungen und High-Tech-Stähle verbessern helfen.

Dafür hat ihm die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die wichtigste Auszeichnung für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland zuerkannt. Der 33-Jährige erhält am 20. Mai in Bonn einen der sechs Heinz Maier-Leibnitz-Preise und damit auch 16.000 Euro, um seine Forschung weiterzuführen.

"Daniel Balzani gehört im Bereich der Mechanik zur Spitze der deutschen Nachwuchswissenschaftler und hat sich durch sein eigenständiges Profil und vielfältige Kontakte auch international bereits einen Namen gemacht", lobt die DFG. Vor allem mit seinen Arbeiten zur Entwicklung eines Materialmodells, mit dem das mechanische Verhalten arteriellen Gewebes beschrieben werden kann, habe er Neuland betreten.

Arterien sind sehr komplexe Gefäße, die das Blut transportieren und den Blutdruck regulieren. Ihre Wände bestehen u.a. aus elastischem und Muskelgewebe. Sind Arterien verengt, was häufig zu Schlaganfällen und Herzinfarkten führt, werden sie operativ geweitet. Man sagt auch "überdehnt". Wie sich dabei die Gewebeschichten und -fasern in den Arterienwänden verhalten, ist bislang nur bedingt abzuschätzen, und doch hängt davon auch der Erfolg der Behandlung ab.

"Grundsätzlich ließen sich die Reaktionen mit Computersimulationen auf Basis der so genannten Finiten-Element-Methode berechnen", sagt Balzani. "Allerdings benötigt man hierfür ein geeignetes mathematisches Modell, das die möglichen Schädigungseffekte kalkuliert und die Eigenspannungen der Arterien sowie die Belastungsparameter berücksichtigt." Diese Modellierung überdehnter Arterienwände hat den UDE-Wissenschaftler seit Beginn seiner Doktorarbeit beschäftigt.

Seine Ergebnisse kommen auch dem modernen Ingenieurbau zu Gute, der ultrahochfeste Mehrphasenstähle wegen ihrer herausragenden Eigenschaften verwendet. So etwa in der Autoindustrie. Diese benötigt Materialien, die extrem stabil - wegen des Unfallschutzes -, aber trotzdem stark umformfähig sind. "Wenn solche Bauteile konstruiert werden sollen, müssen die Materialeigenschaften zuverlässig beschrieben werden. Man muss wissen, wann und warum ein Material 'versagt', wie Dehnung, Härte, Spannung und andere Parameter sich auswirken", sagt Balzani. Er hat die Entwicklung einer 'numerischen Mehrskalenbeschreibung', vorangetrieben - ein Verfahren, das auch in die allgemeine Materialtheorie Eingang finden dürfte.

Der Heinz Maier-Leibnitz-Preis ist nicht die erste Auszeichnung des "jungen Spitzenwissenschaftlers" (DFG). 2005 erhielt Balzani den M.I.T. Fellowship Award des renommierten Massachusetts Institute of Technology (Boston), 2009 den Richard von Mises-Preis der Gesellschaft für Angewandte Mathematik und Mechanik (GAMM). Studiert hat er Bauingenieurwesen an der UDE, als Promotionsstipendiat ging er an die TU Darmstadt und forscht seit 2006 wieder am Institut für Mechanik "seiner" Uni. Wie es sich als Inhaber eines Lehrstuhl anfühlt, konnte er in den letzten zwölf Monaten feststellen: An der Leibniz Universität Hannover vertrat er eine Professur für Baumechanik. Bis Ende des Jahres möchte der 33-Jährige nun vor allem seine Habilitation fertigstellen.

Weitere Informationen:
Dr. Daniel Balzani, Tel. 0201/183-3603, daniel.balzani@uni-due.de

Ulrike Bohnsack | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro
21.02.2018 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Eva Luise Köhler Forschungspreis für Seltene Erkrankungen 2018 für Tübinger Neurowissenschaftler
21.02.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Geheimtinte: Von antiken Rezepturen bis zu High-Tech-Varianten

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neuer Sensor zur Messung der Luftströmung in Kühllagern von Obst und Gemüse

22.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Neues Prinzip der Proteinbindung entdeckt

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics