Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn Tumore und Nerven zu leuchten beginnen: Neue Perspektiven durch Fluoreszenzmarker

31.10.2011
„Kanalarbeiter, die die Straße aufreißen, dürfen keine Elektroleitungen beschädigen. Sonst liegt die Stadt im Dunkeln. Ein Operateur trägt die gleiche Verantwortung. Auch er darf keine Nerven verletzen.“

Mit diesem Vergleich verdeutlichte Nobelpreisträger Roger Tsien vergangene Woche die Schwierigkeit einer Operation. „Ein Tumor verändert meist den Verlauf einer Nervenbahn. Der Arzt kann nur noch raten, wie diese weiter läuft.“ Zugleich präsentierte der Zellbiologe Ansätze, die dieses Dilemma vielleicht bald lösen. Mit Hilfe von Fluoreszenzmarkern lassen sich Tumor- sowie Nervengewebe gezielt sichtbar machen.

Roger Tsien war am 26. Oktober im Rahmen der Rudolf Virchow Lecture in Würzburg zu Gast. Über 450 Gäste sahen seinem Vortrag mit Spannung entgegen. Dabei erfüllte der Referent alle Erwartungen: Er gab einen lebendigen Eindruck in seine Arbeit und die Begeisterung für seine Forschung an die Zuhörer weiter. Gekonnt spannte er einen Bogen von der synthetischen Chemie sogenannter Fluoreszenzmarker bis hin zur Anwendung dieser im lebenden Organismus. Die Anwesenden zeigten sich beeindruckt von dem Enthusiasmus und Ideenreichtum des Wissenschaftlers.

Tsien erklärte, wie mit Hilfe veränderter Proteine eine reaktive Zustandsform von Sauerstoff erzeugt werden kann. Diese kann auf molekularer Ebene als Kontrastmittel für die Mikroskopie dienen. So lässt sich der Aufenthaltsort von Proteinen in lebenden Zellen sichtbar machen und unterscheiden ob Proteine auf der Vorder- oder Rückseite einer Synapse lokalisiert sind. Hohe Relevanz hat die Technik auch bei chirurgischen Eingriffen. In einem Operations-Video zeigte Tsien, dass sich Tumorgewebe mit Hilfe von Fluoreszenzmarkern spezifisch anfärben lässt. Beleuchtet man das Geschwulst mit der passenden Lichtquelle, wird der Umriss exakt sichtbar. Der Operateur sieht den Verlauf des Tumors als leuchtendes Objekt. Er kann diesen komplett heraus schneiden und selbst kleinste Tumor-Reste entfernen. Auch das Nervengewebe lässt sich mit Fluoreszenz gezielt sichtbar machen und so vor Verletzungen bewahren.

2008 wurde Roger Tsien für die Entdeckung des so genannten grün fluoreszierenden Proteins mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Er entwickelte Varianten dieses Proteins, die geänderte Fluoreszenzspektren aufweisen. Dadurch lassen sich verschiedene Zellbestandteile getrennt beobachten, was die Zell- und Neurobiologie revolutionierte. Die Triebkraft hinter diesen enormen Entwicklungen sei seine Vorliebe als kleiner Junge für die Farbe rot gewesen, so Tsien in seinem Vortrag am Rudolf-Virchow-Zentrum. Zum Abschluss verlieh die Medizinische Fakultät der Universität Würzburg mit der Virchow-Medaille Roger Tsien ihre höchste Auszeichnung.

Kristina Kessler | idw
Weitere Informationen:
http://www.rudolf-virchow-zentrum.de

Weitere Berichte zu: Fluoreszenzmarker Nervengewebe Operateur Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

nachricht Sensible Daten besser analysieren
16.02.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie