Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tuberkulose: Hallesche Wissenschaftler erhalten Förderung für Arbeit an neuem Wirkstoff

09.11.2015

Für die Erforschung neuer Wirkstoffe gegen die Lungenkrankheit Tuberkulose erhalten Pharmazeuten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) 210.000 Euro für zwei Jahre von der Tres Cantos Open Lab Foundation. Die halleschen Wissenschaftler haben darüber hinaus die Möglichkeit, in den Forschungslaboren und -einrichtungen des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline im spanischen Tres Cantos zu arbeiten. Hier können sie direkt die Wirkung an multiresistenten Keimen erforschen und stehen im Austausch mit renommierten Tuberkuloseforschern aus aller Welt.

Neuer, besser und günstiger sollen die Wirkstoffe gegen Tuberkulose (TB) sein, die die Wissenschaftler der MLU finden wollen. „Tuberkulose ist weltweit der größte bakterielle Killer", sagt Prof. Dr. Peter Imming vom Institut für Pharmazie der MLU. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass allein 2013 neun Millionen Menschen an TB erkrankt und 1,5 Millionen Menschen gestorben sind.

Obwohl die Krankheit vor allem in Entwicklungsländern auftritt, spielt sie auch für Industrieländer eine Rolle. Gerade multiresistente Erreger der Krankheit ließen sich mit den klassischen Medikamenten nicht optimal behandeln.

Effektivere Alternativen seien für Patienten oft nur schlecht verträglich. Die Behandlung eines TB-Patienten in Deutschland sei deshalb kostspielig und zeitaufwendig. Die Therapie eines Patienten nimmt im Normalfall drei bis vier Monate in Anspruch, könne aber bis zu zwei Jahre dauern und bis zu 200.000 Euro kosten.

Zwei wissenschaftliche Mitarbeiter aus Immings Arbeitsgruppe werden die Experimente an TB-Erregern im Labor der Open Lab Foundation in Spanien durchführen: Dr. Katja Laqua ist bereits vor Ort, der Promotionsstudent Henok Asfaw wird in wenigen Wochen nachreisen.

Die Substanzen für die Versuche hat die Arbeitsgruppe von Imming in Halle hergestellt. Bestimmte weiterführende Tests zur Wirksamkeit der Stoffe seien aber an der MLU gar nicht möglich: „Mit Tuberkulose-Erregern darf man nur in speziellen Hochsicherheitslaboren arbeiten. In Tres Cantos gibt es Tests, die wir hier nicht durchführen können", erklärt der Pharmazeut weiter.

Die Arbeit der Pharmazeuten konzentriert sich dabei auf Cyclopeptide, eine Art kleiner, ringförmiger Proteine. Mit ihrer Hilfe wollen die Wissenschaftler die Ausbreitung der Mykobakterien eindämmen, dem Erreger der Tuberkulose. „Die Substanzen hemmen das Wachstum der Bakterien und können sie sogar abtöten", so Imming. Erste Laborversuche hätten außerdem gezeigt, dass die untersuchten Peptide menschliche Zellen nicht schädigen. „Der Vorteil dieses neuen potentiellen Wirkstoffes ist also seine gute Wirksamkeit. Den genauen Wirkmechanismus müssen wir aber noch entschlüsseln", fasst Imming zusammen.

In der Forschungseinrichtung von GlaxoSmithKine können die Wissenschaftler nicht nur auf modernste Laborgeräte zugreifen, die speziell für Erforschung neuer Wirkstoffe im Bereich multiresistenter Keime angeschafft wurden. Sie haben auch die Möglichkeit, sich mit anderen führenden Wissenschaftlern auszutauschen, die aus aller Welt für einen Forschungsaufenthalt eingeladen wurden.

Am Ende des halleschen Forschungsprojekts könnte ein kostengünstiger Wirkstoff stehen, mit dem sich die Behandlungsdauer weiter verkürzen lässt.

Die Open Lab Foundation ist eine Stiftung, die 2010 vom Pharmakonzern GlaxoSmithKline gegründet wurde. Sie fördert vor allem Forschungsprojekte, die sich mit so genannten neglected diseases beschäftigen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Krankheiten, die vor allem in ärmeren Ländern auftreten und für die wenig Arzneimittelforschung betrieben wird.

Tom Leonhardt | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Ausschreibung des Paul-Martini-Preises 2018 für klinische Pharmakologie
19.09.2017 | Paul-Martini-Stiftung (PMS)

nachricht EU fördert exzellente Nachwuchsforschung: Zehn Auszeichnungen gehen nach Nordrhein-Westfalen
15.09.2017 | Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie