Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Tricks der Viren auf der Spur

14.06.2011
Seit mehr als 30 Jahren untersucht der Biochemiker Ari Helenius, wie Viren in Zellen eindringen und sie infizieren. Heute ist der Professor an der ETH in Zürich ein weltweit anerkannter Experte auf diesem Gebiet der Virusforschung. Am 30. Juni ehrt ihn das Heinrich-Pette-Institut (http://www.hpi-hamburg.de), Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie, in Hamburg im Rahmen der Heinrich-Pette-Lecture 2011 für seine Arbeiten. Der feierliche Festvortrag findet um 15 Uhr im Ferdinand-Bergen-Auditorium des Heinrich-Pette-Instituts statt.

Ari Helenius mahnt: „Infektionserkrankungen sind weltweit die zweithäufigste Todesursache und deswegen ist die virologische Grundlagenforschung und die Bekämpfung viraler Krankheitserreger eine wichtige Aufgabe der modernen Gesundheitsforschung.“ Neue Strategien gegen Viren lassen sich jedoch nur entwickeln, wenn bekannt ist, welche Mechanismen Viren nutzen, um in Zellen eindringen und sich darin vermehren zu können. Solche Faktoren und Strukturen der Zelle, könnten Angriffspunkte für neue Medikamente sein.

„Ari Helenius und sein Team bearbeiten diese zentrale Fragen der Virologie interdisziplinär und äußerst erfolgreich. Dabei bedienen sie sich modernster Methoden der Zellbiologie, Biochemie und molekularen Genetik und verknüpfen sie mit neuen Bildgebungsverfahren. Seine Projekte sind visionär und weltweit maßgebend“, bestätigt Thomas Dobner, der wissenschaftliche Direktor des Heinrich-Pette-Instituts.

Ari Helenius vermutet, dass es sechs verschiedene Mechanismen gibt, mit deren Hilfe Viren in Zellen eindringen. Schon früh in den 1970er Jahren entdeckte er, dass Viren über Membranvesikel in Zellen gelangen können. Heute ermöglichen sogenannte High-Throughput-Screenings sowie umfangreiche Genom- und siRNA-Bibliotheken die schnelle Suche nach neuen Faktoren und den beteiligten Organellen. Am Modell des Pockenvirus untersucht Ari Helenius derzeit den Weg des Erregers, von der äußeren Zellmembran bis hinein zu den Strukturen, an denen das virale Erbgut ausgepackt und vermehrt wird. Die Forscher entdeckten, dass das Virus quasi auf der Zelloberfläche „surft“ und die Zelle dazu veranlasst, Bläschen (blebs) zu bilden, die nach außen gestülpt werden.

Sobald sich diese Bläschen wieder zurückziehen, kann das Virus „huckepack“ in die Zelle eindringen. Ari Helenius und sein Team konnten mehrere zelluläre Proteine identifizieren, die an diesem Mechanismus beteiligt sind. „Das Pockenvirus nutzt hierbei einen zellulären Prozess, der im Körper sonst bei der Beseitigung von Trümmern absterbender, so genannter apoptotischer, Zellen verwendet wird“, erklärt Helenius. Sein Ziel ist es, in den nächsten Jahren weitere Wege aufzuklären, durch die Viren in die Zelle eindringen können.(2744 Zeichen)

Heinrich-Pette-Lecture 2011
30. 06.2011, 15 Uhr, Ferdinand-Bergen-Auditorium, HPI
Ari Helenius (Leiter des Instituts für Biochemie, ETH Zürich)
“A systems approach to virus entry”
Zum Preisträger
Ari Helenius wurde in Oulu, Finnland, geboren, studierte an der Universität Helsinki Biochemie und promovierte bei Kai Simons. Für seine Doktorarbeit wurde er mit dem Komppa-Preis für die beste Doktorarbeit in Chemie in Finnland ausgezeichnet. Am EMBL (European Molecular Biology Laboratory) in Heidelberg forschte Helenius von 1975-1981 als „staff scientist“, bevor er an die Medizinische Fakultät der Universität Yale, New Haven, CT, USA berufen wurde. Dort arbeitete er von 1983-1997 als Full Professor der Zellbiologie, ab 1992 als Leiter der Abteilung. Seit 1997 leitet Ari Helenius das Institut für Biochemie der ETH Zürich. Der Preisträger der Schleiden-Medaille 2003, des Ernst-Jung Preises für Medizin 2003, des Marcel-Benoist-Preises 2007, der Van-Deenen-Medal 2008 sowie der Otto-Warburg-Medaille 2010, ist seit dem Jahr 1999 Mitglied der EMBO (European Molecular Biology Organisation), seit 2001 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und seit 2009 Mitglied der National Academy of Sciences in USA.
Zur Heinrich-Pette-Lecture
Seit 2006 ehrt das Heinrich-Pette-Institut herausragende, international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Virusforschung mit der Vergabe der Heinrich-Pette-Lecture. Sie findet jährlich im Gedenken an den Gründer des Institutes, den Hamburger Dekan für Neurologie, Herrn Prof. Heinrich Pette, statt. Die bisherigen Preisträger waren
Peter K. Vogt, Leiter der Onkovirologie am Scripps Research Institute, Dept. of Molecular and Experimental Medicine, La Jolla,
Thomas Shenk, Elkins and American Cancer Society Professor an der Princeton University
Rudolf Jaenisch, Gründungsmitglied des Whitehead Institut (Cambridge, USA)
Harald zur Hausen, langjähriger wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Krebsforschungszentrums, Heidelberg

Arnold Levine, Professor am Institute of Advanced Study der Universität Princeton

Rückfragen und Anmeldung für Interviewtermine bei:
Dr. Angela Homfeld (Vorstands- und Pressereferentin, HPI),
E-Mail: angela.homfeld@hpi.uni-hamburg.de, Tel. +49(0)40 48051108

Dr. Angela Homfeld | idw
Weitere Informationen:
http://www.hpi-hamburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht „Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges
26.06.2017 | Kompetenzzentrum - Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH

nachricht Hochschule Karlsruhe: mit speichenlosem Fahrrad Kreativwettbewerb gewonnen
26.06.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie