Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Tomatenfisch für BMBF-Forschungspreis „Nachhaltige Entwicklungen“ nominiert

20.11.2012
Das ressourcenschonende Aquaponiksystem ASTAF-PRO „Tomatenfisch“ vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) ist für den BMBF-Forschungspreis „Nachhaltige Entwicklungen" nominiert.

Im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises vergibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung erstmals den Forschungspreis „Nachhaltige Entwicklungen" für herausragende Projekte in den Bereichen Klima, Energie, Ressourcen und Umwelttechnologien. Der Forschungspreis wird am 7. Dezember 2012 von Bundesministerin Prof. Dr. Annette Schavan im Rahmen der Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises überreicht.

Hochwertiges tierisches Eiweiß produzieren und dabei rekordverdächtig wenig Wasser verbrauchen und das mit einer ausgeglichenen CO2-Bilanz – mit diesen Argumenten hat das Aquaponiksystems ASTAF-PRO „Tomatenfisch“ die Jury überzeugt.

(Kurzbegründung der Jury: http://www.nachhaltigkeitspreis.de/1252-0-IGB.html)

Am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) forscht die Arbeitsgruppe Aquakultur von Prof. Werner Kloas daran, Fischzucht nachhaltig zu gestalten. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt ASTAF-PRO (Aquaponiksystem zur nahezu emissionsfreien Tomaten- und Fisch-Produktion in Gewächshäusern), auch „Tomatenfisch“ genannt, haben die Wissenschaftler ein System entwickelt, mit dem durch die Kombination von Fisch- und Gemüsezucht Wasser eingespart werden kann und das im Fischkreislauf entstandene Nitrat und andere Nährstoffe als natürlicher Pflanzendünger verwendet werden.

Die Kombination von Aquakultur (Fischzucht) und Hydroponik (Gemüsezucht mit Nährfilmtechnik) nennt man Aquaponik.

Bei ASTAF-PRO ist der Fischkreislauf über ein Einwegventil mit den Pflanzrinnen der Hydroponikanlage verbunden. Das Wasser mit den Nährstoffen fließt von den Fischbecken über den mechanischen und den Biofilter zu einem Nährfilmtank. Hier wird der pH-Wert für die Pflanzen optimiert, bevor das nährstoffreiche Wasser in die Pflanzrinnen fließt. Das Wasser fließt also von der Aquakultur zur Hydroponik, aber nicht wieder zu den Fischen zurück. Das Gemüse in den Pflanzrinnen wächst auf Steinwolle statt auf Erde. Der Vorteil: die Wurzeln werden von der Nährlösung umspült und können Wasser und Nährstoffe optimal aufnehmen. Die Pflanzen geben über die Blätter Wasserdampf ab, dieses wird in Kühlfallen rekondensiert und wieder der Aquakulturanlage zugeführt. Durch die Wasserrückgewinnung ist der Gebrauch von Frischwasser in diesem System minimal – statt 10 - 25 Prozent des Gesamtvolumens wie in herkömmlichen Anlagen, müssen weniger als 3 Prozent Frischwasser pro Tag ersetzt werden.

Diese Kombination von Fischzucht und Hydroponik über ein Einwegventil und die Wasserrückgewinnung sind eine einzigartige vom IGB in 38 Ländern patentierte Technologie: Die einzusetzenden Ressourcen werden also durch die mehrfache Nutzung von Energie, Wasser und Nährstoffen maximal geschont. So können beispielsweise mit 220 L Wasser 1 kg Fisch und 1,6 kg Tomaten produziert werden. In herkömmlichen geschlossenen Fischkreislaufanlagen werden 600-1000 L Wasser eingesetzt, um 1 kg Fisch zu erhalten, und etwa 1000 L Wasser, um 1,6 kg Tomaten zu züchten. Das in der Fischzucht produzierte CO2 wird bei ASTAF-PRO fast vollständig wieder von den Pflanzen gebunden.

Das System eignet sich aufgrund der effizienten Wassernutzung besonders in trockenen Gebieten. In unseren Breitengraden ist eine Kombination mit Biogasanlagen sinnvoll: Die bei der Biogasproduktion entstehende Abwärme kann genutzt werden, um das Gewächshaus und die Fischbecken zu erwärmen.

Kontakt:
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
Projektleiter Prof. Dr. Werner Kloas
Tel: (030) 64181630
E-Mail: werner.kloas@igb-berlin.de
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Nadja Neumann
Tel: (030) 64181631
E-Mail: nadja.neumann@igb-berlin.de

Gesine Wiemer | idw
Weitere Informationen:
http://www.tomatenfisch.igb-berlin.de/
http://www.nachhaltigkeitspreis.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über 1,6 Millionen Euro für Forschung im Bereich Innovative Materialien und Werkstofftechnologie
17.05.2017 | Hochschule Osnabrück

nachricht MHH-Forscher beleben Narbengewebe in der Leber wieder
16.05.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen

23.05.2017 | Maschinenbau

«Schwangere» Stubenfliegenmännchen zeigen Evolution der Geschlechtsbestimmung

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Tumult im trägen Elektronen-Dasein

23.05.2017 | Physik Astronomie