Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tierschutzforschungspreis des BMELV für Forschergruppe des Paul-Ehrlich-Instituts

24.11.2010
Eine Forschergruppe des Paul-Ehrlich-Instituts erhält den diesjährigen "Forschungspreis zur Förderung methodischer Arbeiten mit dem Ziel der Einschränkung und des Ersatzes von Tierversuchen" des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV).

Dr. Heike Behrensdorf-Nicol und Ursula Bonifas unter Leitung von Dr. Karin Weißer und Dr. Beate Krämer ist es gelungen, eine In-vitro-Methode zur Bestimmung der Tetanustoxizität zu entwickeln. Mit ihrer Methode wollen die Wissenschaftlerinnen die gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuche zur Sicherheitsprüfung von Tetanusimpfstoffen für Menschen und Tiere ersetzen.

"Ich freue mich, dass mit dem Preis erneut Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts für ihre erfolgreichen wissenschaftlichen Arbeiten ausgezeichnet werden, Tierversuche zu reduzieren oder zu ersetzen", betont Prof. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts.

Impfstoffe für Mensch und Tier müssen wirksam und sicher sein. Im Europäischen Arzneibuch ist festgeschrieben, auf welche Weise Impfstoffe zu prüfen sind. Nach wie vor basieren viele Prüfungen auf Tierversuchen – so auch die Toxizitätsprüfung (Sicherheitsprüfung) von Tetanusimpfstoffen. Diese Impfstoffe werden aus dem Toxin des Bakteriums Clostridium tetani durch chemische Inaktivierung hergestellt. Das dabei entstehende "Toxoid" ist ungefährlich, kann jedoch die gewünschte Immunität hervorrufen. Mit der bisherigen Toxizitätsprüfung wird in Meerschweinchen getestet, ob auch tatsächlich kein Tetanus-Neurotoxin mehr vorhanden ist.

Das Tetanusneurotoxin vermittelt seine tödliche Wirkung, in dem es zunächst über Wunden in Nervenendigungen gelangt und über diese in hemmende – inhibitorische – Neurone des zentralen Nervensystems (ZNS) einwandert. Hier spaltet es auf der Oberfläche von synaptischen Vesikeln enzymatisch ein Protein, das sogenannte Synaptobrevin, und stört so die Ausschüttung der Signalstoffe aus den hemmenden Neuronen. Werden diese inhibitorischen Neuronen blockiert, kommt es zu den typischen unkontrollierten Krämpfen der quergestreiften Muskulatur, die das Krankheitsbild des Wundstarrkrampfs ausmachen. ""Der Wirkmechanismus brachte mich auf die Idee, diese enzymatische Aktivität des Tetanustoxins zum Nachweis von Resttoxin in vitro zu nutzen"", beschreibt Weißer die Anfänge des Forschungsprojekts. Doch alleine über die Spaltaktivität des Toxins ließ sich kein zuverlässiger Test entwickeln, ""zu groß war das Hintergrundrauschen des Assays bei verschiedenen Impfstoffproben"", erinnert sich die Wissenschaftlerin. ""Wenn eine Aktivität alleine nicht selektiv genug ist, könnten wir dann nicht einen kombinierten Assay entwickeln, in dem neben der enzymatischen Aktivität gleichzeitig die Bindungsfähigkeit des Toxins an Neurone erfasst wird?"", beschreibt Behrensdorf-Nicol die Idee, die schließlich zur Entwicklung des Testsystems führte, für den die Forscherinnen jetzt ausgezeichnet wurden.

Die Besonderheit des Testsystems besteht darin, dass die Toxinmoleküle nur dann ein Signal erzeugen, wenn sie sowohl eine funktionsfähige Bindungsdomäne als auch eine proteinspaltende Aktivität besitzen. Die Wissenschaftlerinnen konnten nachweisen, dass es mit ihrem kombinierten Testsystem möglich ist, zwischen giftigem Tetanus-Neurotoxin und ungiftigem Toxoid zu unterscheiden. ""Aktuell arbeiten wir an der Optimierung der Methode. Danach werden wir gegen den Tierversuch antreten, denn um den vorgeschriebenen Tierversuch zu ersetzen, muss die Methode sehr zuverlässig sein und eine Nachweisgrenze aufweisen, die mindestens so gut ist wie die des Tierversuchs"", erläutert Behrensdorf-Nicol das weitere Vorgehen.

Das Forschungsprojekt erhielt eine sechsjährige Förderung durch das BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und wird aktuell durch zwei Stiftungen (Doerenkamp-Zbinden-Stiftung und Animalfree Research) gefördert.

Das Paul-Ehrlich Institut (PEI), Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, erforscht, bewertet und lässt biomedizinische Human-Arzneimittel und immunbiologische Veterinär-Arzneimittel zu. Unverzichtbare Basis hierfür ist die eigene experimentelle Forschung auf dem Gebiet der Biomedizin und der Lebenswissenschaften. Schon seit Jahren arbeiten Forscher unter wesentlicher Beteiligung der Abteilung Veterinärmedizin im PEI an Methoden, mit denen sich Tierversuche ersetzen lassen. Der Tierschutzforschungspreis 2010 ist bereits die neunte Auszeichnung, die Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts für ihre Forschungsarbeiten im Bereich "Alternativen zu Tierversuchen" erhalten haben.

Informationen zum Preis
Der mit 15.000 Euro dotierte Forschungspreis zur Förderung methodischer Arbeiten mit dem Ziel der Einschränkung und des Ersatzes von Tierversuchen wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz verliehen. Das Ministerium möchte damit dazu anregen, nach Möglichkeiten zur Einschränkung oder zum Ersatz bisher erforderlicher Tierversuche zu suchen. Der Preis wird für wissenschaftliche Arbeiten ausgeschrieben, die einen Beitrag insbesondere zur Weiterentwicklung pharmakologisch- toxikologischer Untersuchungsverfahren leisten.
Weitere Informationen
Titel des prämierten Forschungsprojekts: "Entwicklung einer In-vitro-Methode zur Bestimmung von Resttoxizität in Tetanusimpfstoffen"

Publikationen der Arbeitsgruppe zu dem Thema:

Behrensdorf-Nicol HA. Bonifas U, Kegel B, Silberbach K, Krämer B, Weißer K, In vitro determination of tetanus toxicity by an endopeptidase assay linked to a ganglioside-binding step. Toxicology in Vitro. 2010; 24:988-994

Behrensdorf-Nicol HA, Kegel B, Bonifas U, Silberbach K, Klimek L, Weißer K, Krämer B, Residual enzymatic activity of the tetanus toxin light chain present in tetanus toxoid batches used for vaccine production. Vaccine. 2008; 26:3835-3841

Kegel B, Behrensdorf-Nicol HA, Bonifas U, Silberbach K, Klimek J, Krämer B, Weißer K, An in vitro assay for detection of tetanus neurotoxin activity: using antibodies for recognizing the proteolytically generated cleavage product. Toxicology in vitro. 2007; 21:1641-1649

Dr. Susanne Stöcker | idw
Weitere Informationen:
http://www.pei.de/DE/infos/presse/pm/functions/tierschutz-node.html
http://www.bmelv.de/cln_173/DE/Startseite/startseite_node.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über 1,6 Millionen Euro für Forschung im Bereich Innovative Materialien und Werkstofftechnologie
17.05.2017 | Hochschule Osnabrück

nachricht MHH-Forscher beleben Narbengewebe in der Leber wieder
16.05.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie