Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Theoretische Chemie am Hochleistungsrechner: Land und DFG fördern Ulmer Forschungscluster

12.08.2013
In der Chemie wird immer öfter abseits vom Labor und Schreibtisch am Hochleistungsrechner geforscht.

Die Bedingungen an der Universität Ulm sind gut: Gefördert vom Land und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft wird ein so genanntes bwForCluster im Bereich theoretische Chemie eingerichtet. Alle landesweit verfügbaren Rechencluster werden in Ulm gebündelt und Chemikern aus ganz Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt.

Mithilfe von Computersimulationen analysiert zum Beispiel Martin Korth, Juniorprofessor am Ulmer Institut für Theoretische Chemie, Wirkungsweisen von Medikamenten. Was passiert, wenn ein Arzneistoff an ein bestimmtes Molekül andockt? Und welche Rolle spielen dabei quantenchemische Prozesse? Um diese Fragen zu beantworten, braucht der Chemiker große Rechenkapazitäten, die schon bald an der Universität Ulm zur Verfügung stehen werden. Das Land Baden-Württemberg und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützen das Hochleistungsrechen und die Einrichtung großer Speicherkapazitäten mit insgesamt acht Millionen Euro. Davon fließen drei Millionen Euro nach Ulm.

Konkret wird in der Donaustadt ein so genanntes bwForCluster im Bereich Theoretische Chemie eingerichtet. Am hiesigen Kommunikations- und Informationszentrum (kiz) sollen also landesweit verfügbare Rechencluster in einem kooperativen Versorgungsmodell gebündelt werden. Diese hohen Rechenkapazitäten stehen aber nicht nur Ulmer Forschern, sondern Chemikern aus ganz Baden-Württemberg zur Verfügung. Entsprechende Geräte werden zu gleichen Teilen vom Land und von der DFG finanziert.

Die Förderung erfolgt im Zuge von bwHPC (High Performance Computing, HPC) und bwDATA zur Speicherung und Verarbeitung großer Datenmengen. Beide Konzepte wurden vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) sowie vom Arbeitskreis der Leiter der Wissenschaftlichen Rechenzentren erstellt.

„Die Einwerbung des bwForClusters für Theoretische Chemie ist ein großartiger Erfolg für unser kiz. Die zusätzlichen Rechnerkapazitäten werden dringend für das High Performance Computing in der Chemie benötigt, um zum Beispiel Rechnungen zu chemischen Prozessen durchzuführen, die in Batterien oder an Katalysatoren ablaufen. Solche Simulationen können zu einem ein besseren Verständnis der (elektro-)chemischen Energiewandlung und –speicherung beitragen", sagt Professor Axel Groß, Vizepräsident für Forschung und Informationstechnologie. Durch die Einrichtung des bwForClusters würden Engpässe in der Versorgung mit Rechenzeit, wie sie momentan vorkommen, vermieden, so dass die führende Rolle von Baden-Württemberg und speziell der Uni Ulm auf diesem Gebiet weiter ausgebaut werden könne. Als Leiter des Instituts für Theoretische Chemie ist Axel Groß ein potentieller Nutzer des Ulmer Clusters.

Ein weiteres bwForCluster wird übrigens in Mannheim/Heidelberg für bestimmte Bereiche der Biologie und für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eingerichtet. So genannte „Tiger Teams“ sollen die Nutzer aus der Wissenschaft mit IT-Sachverstand und fachspezifischen Kenntnissen, also im Fall Ulm aus der Theoretischen Chemie, unterstützen. Diese Teams werden projektbezogen aufgestellt, um die Wissenschaftler gezielt bei der effizienten Nutzung der Cluster für ihre laufenden Forschungsprojekte unterstützen zu können.

Aktuelle Entwicklungen im Wissenschaftsbetrieb erfordern vermehrt Simulationen, eine aufwändige Datenanalyse und viel Speicherplatz. „Die Verarbeitung großer Datenmengen ist heute eine entscheidende Grundlage in vielen Bereichen wissenschaftlicher Forschung. Damit unsere exzellente Forschungslandschaft weiterhin weltweit mit an der Spitze agieren kann, ist sie auf eine konkurrenzfähige Infrastruktur zwingend angewiesen. Zusammen mit der DFG investieren wir substantiell in diese Infrastruktur und damit in die Zukunft unserer Forschung“, wird auch die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer in einer Pressemitteilung des MWK zitiert.

Die Konzepte bwHPC und bwDATA sind also äußerst zeitgemäß. Tatsächlich wäre ihre Umsetzung ohne die Netzinfrastruktur des Landeshochschulnetzes BelWü nicht möglich: BelWü verbindet alle Landesuniversitäten über 10 Gigabit miteinander – das ist im bundesweiten Vergleich spitze. Die Verzehnfachung der jetzigen Bandbreite soll 2014 stattfinden. Um das Hochleistungsnetz hat sich landesweit vor allem der gerade verabschiedete ehemalige Leiter des kiz, Professor Hans Peter Großmann, verdient gemacht. Seine Aufgaben hat jetzt Professor Stefan Wesner übernommen.

Weitere Informationen:

Thomas Nau: 0731/50-22464, thomas.nau@uni-ulm.de
Prof. Stefan Wesner: 0731/50-22500, stefan.wesner@uni-ulm.de

Annika Bingmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Red Dot Design Award für die dormakaba 360°City App
09.12.2016 | Kaba GmbH

nachricht Zweimal Gold beim Architects’ Darling Award 2016 für dormakaba
28.11.2016 | Kaba GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik